(openPR) Alexandra Goldfuss ist seit 25 Jahren spezialisiert auf Marketing für hochwertige Immobilien. Ihre Agentur ALL ABOUT Real Estate Brands betreut Münchner Projektentwickler, Immobilieninvestoren, Bauherren und Architekturbüros, ist aber auch an internationalen Projekten beteiligt. Im Interview mit STREIFZUG schildert Alexandra Goldfuss, wie aus einem Bauvorhaben eine Marke wird.
STREIFZUG: Frau Goldfuss, Immobilienmarketing in München, ist das überhaupt notwendig? Verkaufen sich die Wohnungen nicht von allein?
Goldfuss: Standardprojekte schon. Wir entwickeln aber Markenkonzepte für hochwertige, sehr individuelle Bauvorhaben. Es geht dabei vor allem darum, eine Idee und bestimmte Werte zu vermitteln.
STREIFZUG: Wie sieht das konkret aus?
Goldfuss: Jede Immobilie braucht eine eigene Identität. Unsere Aufgabe besteht darin, das Gebäude, den Standort, die Historie oder die architektonische Vision zu verstehen und den Wesenskern des Projekts herauszuarbeiten.
STREIFZUG: Warum lohnt es sich für Immobilienentwickler, in eine Marke zu investieren?
Goldfuss: Weil die Marke einem Projekt mehr Wertigkeit gibt. Das ist nicht nur wichtig für den Vertrieb, sondern oft auch ein persönliches Anliegen des Projektentwicklers. Denn entgegen der üblichen Vorurteile gibt es auch Idealisten in der Branche, die etwas konzeptionell Außergewöhnliches und Sinnvolles schaffen wollen. Ich beobachte bei einigen Immobilienunternehmern, dass die Sinnhaftigkeit immer mehr ins Bewusstsein rückt.
STREIFZUG: Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Goldfuss: In München-Laim entwickelt eine alteingesessene Münchner Familie derzeit ein Projekt, das völlig neue Wohnformen miteinander verknüpft: Mehrgenerationen-Wohnen, Co-Working, Co-Mobility, Urban Farming usw. Zuletzt fand hier als Zwischennutzung ein urbanes Kunstprojekt statt. Aus der Vielfalt dieses Ortes leiten wir die Grundidee ab: Kreativität und Flexibilität prägen das Wohngefühl der Zukunft
STREIFZUG: Gibt es auch ein Beispiel aus dem internationalen Bereich?
Goldfuss: Im Auftrag von Kehrbaum Architekten aus München haben wir ein Projekt in China kommunikativ begleitet – ein ca. 1 Million qm großes Areal in der Nähe von Shanghai. Die von uns entwickelte Marke „Swan Island" und „Swan City" lebt von der Verbindung europäischer und chinesischer Kulturmerkmale. Es geht auf dem Areal darum, kulturelle, architektonische und technologische Brücken zu bauen und diese Grundidee in ein kreatives Gesamtkonzept zu übersetzen.
BU: Europa trifft Asien: Bei der Markenentwicklung für das Bauvorhaben „Swan Island" in China dienten die Schwäne im Nymphenburger Schlosspark als Inspirationsquelle.
STREIFZUG: Wie kommen Sie auf solche Geschichten, die das Wesen einer Immobilie zusammenfassen?
Goldfuss: Wir haben dafür eine eigene Methode entwickelt, das „Vision Empowering". Wir fragen den Projektentwickler, den Bauherrn oder Architekten zuerst nach seinem inneren Antrieb und seiner persönlichen Motivation. Dazu recherchieren wir, ob es ein Projekt dieser Art schon gibt und worin wir uns unterscheiden könnten. Nicht zuletzt spielt auch die Historie des Quartiers oder des Grundstücks eine Rolle. Aus all diesen Einflüssen formen wir eine schlüssige Marken-Story.
STREIFZUG: Sie haben jetzt 25 Jahre Erfahrung im Markt für Wohnimmobilien. Wie wird er sich Ihrer Meinung nach entwickeln?
Goldfuss: Ich glaube, dass wir eine Gegenbewegung zur derzeitigen Isolation erleben werden. Menschen sind soziale Wesen und durch den Wegfall familiärer Strukturen werden sie beim Wohnen wieder mehr zusammenrücken.
STREIFZUG: Was heißt das konkret?
Goldfuss: Mehrgenerationenhäuser, Co-Living-Modelle, Alters-WGs und soziale Marktplätze innerhalb von Quartieren sind meiner Meinung nach die Megatrends der Zukunft.
STREIFZUG: Womit begründen Sie diese Erwartung?
Goldfuss: Die Wohnbedürfnisse ändern sich mit jeder Generation. Während die Babyboomer, also die 50- bis 65-jährigen, noch auf exklusives Eigentum Wert legen, will die Generation Z lieber weniger als mehr – und möglichst viel teilen. Jeder Immobilienentwickler, der langfristig denkt, sollte seine Pläne entsprechend ausrichten.
STREIFZUG: Was bedeutet das für den Wohnungsbau der Zukunft?
Goldfuss: Die Idealwohnung der Zukunft wird sich dem jeweiligen Bewohner anpassen und muss in jedem Lebensabschnitt nutzbar sein. Flexible Grundrisse und Gestaltungsmöglichkeiten sind die Voraussetzung dafür. Statt fester Türen wird es versetzbare Schiebetüren geben und die strenge Trennung zwischen den Wohnbereichen wird sich auflösen.
STREIFZUG: Wie würden Sie persönlich am liebsten wohnen?
Goldfuss: In einer Patchwork-Familie aus vier Generationen – mit einem Rückzugszimmer für jeden und einem zentralen Gemeinschaftsraum, in dem sich alle treffen können.
STREIFZUG: Frau Goldfuss, wir danken Ihnen für das Gespräch.




















