(openPR) Sojaimporte mit artegerechtem und regionalem Futter reduzieren
(Wechingen, 19.09.2019)
Gesellschaftspolitisch muss ein Umdenken in der Tierfütterung hin zu mehr artgerechtem und regional Futter stattfinden. Vor allem in der Milchviehhaltung kann der hohe Einsatz von Kraftfutter in den Futterrationen durch einen höheren Anteil mit natürlichem und regionalem Grundfutter, insbesondere Gras, Klee, Luzerne und Heu, problemlos reduziert werden. Dadurch kann auf importiertes Tierfuttereiweiß verzichtet werden, wie z.B. brasilianischer Soja aus Gebieten mit abgeholzten Regenwäldern. Auch bei der Milchqualität kann mit dem Einsatz von Gras und Heu bessere Ergebnisse erreicht und einen höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren in der Milch erzielt werden.
Deutschland importiert jährlich mehr als 2 Mio. t Soja aus Brasilien
Rund Dreiviertel des benötigten Futtermitteileiweiß wird im Inland erzeugt. Der mit Abstand größte heimische Eiweißlieferant ist Dauergrünland. Gras, Grassilage, Heu und Trockengrün stellen mit einem Anteil von über einem Viertel die meisten Eiweißmengen für den Futtermittelbedarf in Deutschland zur Verfügung. In den letzten 10 Jahren ist die Eiweißlücke in Deutschland bei 26 % annähernd gleich hoch geblieben. Folglich hat Deutschland seit Jahren eine hohe Eiweißlücke von über 2,2 Mio. t Futtermitteleiweiß (verdauliches Rohprotein), die jährlich durch Importe gedeckt werden müssen. Hauptsächlich werden hierfür große Mengen an Soja aus Übersee nach Deutschland importiert.
Im Jahr 2018 lag in Deutschland die Importmengen von Soja/Sojaschrot, Sojakuchen und-Öl bei knapp 6 Mio. t (Naturalwert). Nach den offiziellen Zahlen des statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden hiervon über 2 Mio. t Sojaschrote und Sojaölkuchen direkt von Brasilien nach Deutschland eingeführt, die hauptsächlich in der Tierfütterung eingesetzt werden.
Diese hohen Mengen würden einer Anbaufläche mit Soja von 1,3 Mio. ha entsprechen. D.h., dass für den deutschen Importbedarf an Soja rund 1,3 Mio. ha wertvolles Ackerland in Drittländern (wie z.B. in Brasilien), teils unter fragwürdigen Anbaumethoden, aufgewendet werden müssen. Wie viel Prozent des importierten Sojas aus Gebieten mit abgerodeten Regenwäldern stammt, kann schwer überprüft werden. Schätzungen der Tierfuttermittelbranche gehen von nur 60 % der Sojamengen aus, die nachhaltig zertifiziert sind1. Für knapp die Hälfte des nach Deutschland importierten Sojas mussten tropische Regenwälder von mehreren 100.000 ha weichen.
Große Potenziale liegen im Dauergrünland und bei kleinkörnigen Leguminosen
Der Bundesfachverband landwirtschaftlicher Trocknungswerke Deutschland e.V. (BLTD) fordert deshalb, dass auch weiterhin eine Bewirtschaftung von Dauergrünland mit effizienten Konservierungs- und Verwertungsalternativen ausgebaut werden müssen. Sowie ein verstärkter Anbau kleinkörniger Leguminosen als heimische Eiweißpflanzen, insbesondere Klee und Luzerne, können einen großen Teil zur Schließung der Eiweißlücke beitragen.
„Es ist alarmierend, dass Deutschland durch den Import von Soja aus fragwürdigen Quellen für die Problematik der illegalen Brandrodungen in den Regenwäldern mitverantwortlich ist. Es ist höchste Zeit, dass wir in Deutschland unsere eigenen Eiweißpotenziale ausbauen und nutzen. Dauergrünland als der größte Lieferant heimischen Eiweiß stellt jetzt schon den größten Anteil und muss auch künftig eine noch größere Bedeutung zukommen. Ebenfalls muss der Anbau von Klee und Luzerne stärker forciert werden. Dies funktioniere jedoch nur mit besseren förderpolitischen Maßnahmen“, so BLTD-Vorstandssprecher Anton Eller.
Soja ein Wunderfuttermittel?
Sojaschrote als Tierfutter einzusetzen ist seit Jahren in der Landwirtschaft sehr beliebt. Durch die günstige Aminosäurenzusammensetzung und dem hohen Proteingehalt können mit dem Kraftfutter vor allem in der Mast die Tiere schnell und viel Fleischmasse aufbauen. Auch in der Milchviehhaltung werden teils erhebliche Mengen an Soja eingesetzt, die jedoch ohne merkliche Milchleistungseinbußen mit einem höheren Anteil an Heu aus Gras, Klee und Luzerne sowie heimischen Rapsschrot deutlich reduziert werden könnten. Denn das Futter Heu (aus Gras, Klee oder Luzerne) kann die Milchkuh besser verwerten und die von Natur aus im Heu vorhandene Proteine um bis zu 20 % besser als Kraftfutter (hoher UDP-Gehalt von 40%) nutzen².
Mit der Natur arbeiten – die Vorteile von Heu und Gras nutzen
Eine gesunde, natürliche und ausgewogene Ernährung ist auch in der Viehhaltung von großer Bedeutung. Das artgerechte Futter für Rinder und Kühe ist Gras, Klee und Heu. Als Rauhfutterfresser haben sich Tiere im Laufe der Evolution auf ein Futter mit einem hohen Rauhfaseranteil wie Gras spezialisiert. Ein verdauungsfördernder hoher Strukturgehalt, niedrige Futterharnstoffgehalte und ein hoher Gehalt an Vitaminen, insbesondere ß-Carotin sind nur einige Vorteile des natürlichen Grünfutters, die sich positiv auf die Milchqualitäten auswirken.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass durch die Reduzierung von Kraftfutter, bzw. Erhöhung artgerechten Futters wie Gras und Heu, der Anteil von Omega-3-Fettsäuren in der Milch signifikant steigen.³ „Es ist nicht verwunderlich, dass die besten Milchqualitäten mit dem für das Tier natürlichstem Futter erzeugt werden. Gesundheit fängt wie beim Menschen beim Essen an. Gras und Heu ist für Rauhfutterfresser das artgerechte und natürlichste Futter, das man dann auch in der Milch schmeckt,“ betont Anton Eller.
Der Preis macht‘s
Qualitativ hochwertige Milch, die mit einem reduzierten Kraftfuttereinsatz hergestellt wurde, hat jedoch seinen Preis. Für den Landwirt sind Erzeugerpreise von > 40 Cent/Liter Milch notwendig, wenn in der Milchviehhaltung vermehrt mit Gras und Heu gefüttert werden soll. „Auf Grund des zurzeit sehr niedrigen Milchpreis von < 34 Cent/Liter sind viele Landwirte gezwungen, mit günstigem Kraftfutter den letzten Millimeter aus der Kuh auszuquetschen“, moniert der Vorstandsvorsitzende Herr Eller.
Der Bundesfachverband landwirtschaftlicher Trocknungswerke Deutschland e.V. (BLTD) fordert in der Gesellschaft ein Umdenken zu mehr Regionalität. Denn Regionalität fängt schon beim Futter an. „Das Bewusstsein bei den Menschen muss hierfür geweckt werden. Wer nur nach der billigsten Milch oder Milcherzeugnisse im Kühlregal greift, akzeptiert auch somit eine für die Tiere ungesunde Ernährung mit hohem Kraftfutteranteil und ist durch den Sojaimport ein Stückchen mitverantwortlich für die Abholzung der Tropenwälder in Brasilien,“ so Herr Eller.
1 DVT Positionspapier 2019; „Schadet der EU-Sojaimport dem Regenwald?“
² LfL 2017; „Gruber Tabellen zur Fütterung der Milchkühe“
³ Ökologische Agrarwissenschaft Uni Kassel, Ehrlich 2006; „Untersuchung von Molkereimilchprodukten aus Deutschland auf gesundheitlich bedeutsame Fettsäuren …“













