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AUFLAGENSCHWUND BEI DEN REGIONALZEITUNGEN HÄLT AN

23.07.201918:26 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) Der Auflagenschwund bei den Tageszeitungen hat sich auch im II.Quartal 2019 fortgesetzt. Auch der Bremer Weser-Kurier und die Bremerhavener Nordsee-Zeitung sind von der rasanten Talfahrt betroffen. Wie sicher sind die Ar­beitsplätze der Verlagshäuser?



Wie der MEEDIA Newsletter vom 22.07.2019 in seinem Nachrichtenüberblick am Mittag unter Be­zugnahme auf aktuelle IVW-Daten vermeldete, hat sich der Auflagenschwund der deutschen Regio­nalzeitungen auch im zweiten Quartal 2019 unverändert fortgesetzt. Von den 83 größten Regional­zeitungen konnten lediglich zwei bei Abos und Einzelverkäufen einen Zuwachs verbu­chen: DER TA­GESSPIEGEL aus Berlin mit den zugehörigen Potsdamer Neuesten Nachrichten, der gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ein Plus von 1,4 Prozent erzielen konnte, sowie die Rheinische Post, die einen Zuwachs von 0,3 Prozent verzeichnete. Bei den übrigen Regionalzeitungen gab es hingegen zum Teil dramatische Auflageneinbrüche. So musste der Kölner Express bei den Verkaufs­zahlen einen Rückgang um 12,2 Prozent vermelden. Lediglich bei sieben der 83 größten Regionalzei­tungen betrug der Auflagenschwund weniger als zwei Prozent. Die bremischen Tageszeitungen ge­hören nicht dazu. Der Bremer Weser-Kurier (Ge­samtauflage) verzeichnete bei Abos und Einzelverkäu­fen lt. MEEDIA einen Rückgang um 3,9 Prozent, die Bremerhavener Nordsee-Zeitung von 4,4 Pro­zent.
Während der Tagesspiegel den Auflagenschwund bei der Print-Ausgabe durch Steigerung der e-Pa­pers-Abos ausgleichen konnte, haben die meisten Regionalzeitungen noch kein wirksames Mittel ge­gen ihren zunehmenden Bedeutungsverlust gefunden. Dies gilt auch für die WE­SER-KURIER Medien­gruppe der Bremer Tageszeitungen AG, bei der Moritz Döbler seit einigen Mo­naten nicht nur verant­wortlicher Chefredakteur, sondern auch Vorstand ist. Sein Versuch, mit "Mein Werder" die mit Ab­stand größte Fußball-Experten-Redaktion in Deutschland zu installie­ren, die als crossmediales Projekt den Weser-Kurier ins digitale Zeitalter katapultieren sollte, ist grandios gescheitert, das Redaktions­team stark zusammengestutzt. Auch der finanzielle Scha­den dürfte beträchtlich sein. Die Rede ist von 1 Million Euro, die der Verlag mit dem Projekt in den Sand gesetzt hat. Die CDA als Arbeitneh­merorganisation fragt sich, wann für die Anteils­eigner der Bremer Tageszeitungen AG die Schmerz­grenze erreicht ist und wie sicher die Ar­beitsplätze bei der Weser-Kurier Mediengruppe sind. Viele Zeitungen in Deutschland haben in den letzten Jahren bereits ihre Eigenständigkeit verloren und sind zu Lokalausgaben größer Verlagsgruppen mit Zentralredaktionen geworden. In Bremen hat es bereits vor vielen Jahren die Bremer Nachrichten getroffen, die heute bis auf den Zeitungstitel inhaltsgleich mit dem We­ser-Kurier erscheinen. Ob der Weser-Kurier bei weiterem Auflagenrückgang dauerhaft seine Ei­genständigkeit bewahren kann, erscheint fraglich, zumal die Zeitung durch eine überaltete Ver­lagsdruckerei mit überhöhten Produktionskosten zu kämpfen hat.
Bei dem Versuch, den Auflagenrückgang mit dem crossmedialen Projekt "Mein Werder" zu stop­pen, ist der Weser-Kurier gescheitert. Erfolgreicher war er bislang mit seinen "Dossiers" zu Schwerpunkt­themen, die der Zeitung zumindest zu journalistischer Anerkennung und einem der renommierten Ralf-Dahrendorf-Preise für kritischen Lokal-Journalismus verholfen haben. Ob sich jedoch mit Dossi­ers, erweiterter Hintergrundberichterstattung und stark bebilderten Themenseiten die zunehmende Abwendung der Abonnenten von "ihrer" Tageszeitung stoppen lässt, darf allerdings bezweifelt wer­den - insbesondere wenn man sich als Leser fast täglich über Korrekturmeldungen ärgern muss.
Soziale Medien wie Facebook, Twitter, YouTube und Co sind eine Bedrohung für alle Zeitun­gen. Zu­mindest in der politischen Kommunikation wird ihnen zunehmend ein höherer Stellwert eingeräumt als den klassischen Print-Medien, wie sich im zurückliegenden Bürgerschaftswahl­kampf im Lande Bremen auch an den spärlich geschalteten Wahlkampfanzeigen der Parteien erkennen lies.
Nicht nur Präsidentenkarrikatur Trump hat erkannt, dass er über Twitter seine Botschaften schneller und erfolgreicher verbreiten kann als über Anzeigen, Pressemitteilungen und Presse­konferenzen. Ta­geszeitungen wie der Weser-Kurier unterstützen diesen Trend noch, in dem sie unterstellen, dass sich die Mehrheit ihrer Leser alle relevanten aktuellen Informationen bereits aus dem Netz holt und für News und Statements von Vereinen und Verbänden kaum noch eine Plattform bieten.
Die Absage vieler Bürger an die Tageszeitung darf nach Meinung der CDA aber nicht als gene­relle Absage an Printmedien verstanden werden. Bei einem Abo-Preis von 38,90 Euro im Mo­nat (We­ser-Kurier) dürfte sich aber doch der Eine oder Andere fragen, ob für ihn oder sie die (Tages-)Zeitung noch ihr Geld wert ist. Für 25 Euro gibt es schließlich bereits ein gebundenes Buch mit 400 bis 500 Seiten Lesestoff nach persönlichem Geschmack.

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