(openPR) Wein wird aus Trauben gemacht. Der Prozess der Weinherstellung ist allgemein bekannt. Dass Fruchtweine aus vielen anderen Obstarten möglich sind, beweisen tagtäglich die Obstweinweinkellereien. Dort verarbeitet man anstatt von Trauben andere Fruchtsäfte und frisches Obst zu Beerenweinen, Steinobstweinen, Fruchtweinen und auch Cider, also Apfelwein.
In der Fruchtweinmanufaktur „Hindberry Fruchtwein“ in Pellendorf bei Himberg (in der Nähe von Wien, Österreich) werden nicht nur die klassischen Früchte wie Erdbeeren, Johannisbeeren und Kirschen zu Obstwein vergoren. Hier landen auch schon mal Ananas, Bananen und Kiwis im Weintank. Ja richtig gelesen, Bananen!
In der Fruchtweinmanufaktur setzt man auf Handarbeit. Geht es doch darum Bananen zu Bananendessertwein zu veredeln. Diese müssen schließlich zuvor geschält werden, händisch versteht sich. Die Produktion ist Chefsache in dem kleinen Ein-Mann-Betrieb wo Inhaber Michael Rennhofer selber anpackt.
Die Banane wird händisch geschält, gequetscht und beginnt sich anschließend langsam zu verflüssigen. Das kennt jeder, der schon mal eine Banane mit einer Gabel zerdrückt hat, schildert der Inhaber bildlich. In der Obstweinkellerei muss man sich das dann mit sehr vielen Bananen vorstellen. Dass hier nur vergleichsweise wenig Bananensaft entsteht liegt auf der Hand. Aus etwa 100kg geschälten Bananen entstehen etwa 40 Liter Bananenwein. Man benötigt also schon eine recht große Menge.
Man fragt sich vielleicht ob es nicht etwas ganz Außergewöhnliches sei Bananenwein herzustellen. Ja, vermutlich. Selbst der erfahrene Weinkenner wird, mit wenigen Ausnahmen, keine Kenntnis davon besitzen, dass Bananenwein existiert.
Der Inhaber der österreichischen Obstweinkellerei Hindberry Fruchtwein, Herr Rennhofer, klärt uns näher darüber auf was es mit der Banane auf sich hat. Dass man hier gerade aus Bananen lieber Wein machen möchte als aus Trauben wirkt dann auf den ersten Blick doch sehr befremdlich.
Aus der stärke- und zuckerreichen Bananenfrucht, die übrigens botanisch zum Beerenobst zählt, werden international gesehen Bananenbier, Bananenwein und Spirituosen also Bananenbrand erzeugt.
Bananenwein mag für Weintrinker in Europa ungewöhnlich anmuten. Aber der recht hohe Zuckergehalt würde zumindest die Erzeugung dieses weinähnlichen Getränkes rechtfertigen. Das Mostgewicht der Banane liegt doch im Bereich mittlerer Gradationen im Vergleich zum Traubenwein.
Was für die Traube gilt, das gilt auch für die Banane. Je höher der Reifegrad der Banane, umso besser der Wein. Die Banane reift stetig nach und baut langsam ihre Stärke in Zucker um. Je brauner die Schale umso aromatischer und kräftiger der Bananengeschmack, der sich dann im Bananenwein einbinden lässt.
Wer jetzt denkt Bananenwein kann nur in Afrika oder Asien gefunden werden, der irrt sich. Diese Spezialität ist international bekannt. Man findet ihn etwa in den USA und Indien, wenngleich nur wenige Kellereien, also fruit-wineries, daraus überhaupt Wein machen. In Afrika stößt man auf Bananenbier, das gemeinsam mit Getreide eingebraut wird. Hersteller von Bananenwein in Europa sind beispielsweise in Deutschland, Österreich oder auf Teneriffa zu finden. Man muss sie nur suchen.
Bei Bananenwein handelt es sich um ein ausgesprochenes Nischenprodukt. In Österreich gibt es überraschenderweise sogar drei kleine Produzenten, die ihn im Sortiment führen. Selbst Bananenbrand findet sich bei so manchem Schnapsbrenner auf der Preisliste. Man darf vermuten, dass es sich nur um vergleichsweise kleine Chargen handelt was den Raritätenfaktor noch weiter erhöht. Handelt es sich bei der Banane doch um Importware und nicht um heimisches Obst.
Herr Rennhofer berichtet, auf Wunsch seiner Mutter habe er zur Betriebseröffnung im Jahr 2016 eine Sonderedition Bananenwein produziert. Schon im Vorfeld war seine Mutter von den Versuchsweinen aus der Banane angetan und war überzeugt davon, dass so ein Fruchtwein später nicht im Sortiment fehlen dürfe. Sei es doch ein sehr ungewöhnlicher, ganz besonderer Wein.
Mittlerweile ist die Sonderedition mit dem wohlklingenden Namen „Savanna“ ausverkauft und darauf ist man bei Hindberry ein klein wenig stolz. „Ich war bei dem Produkt sehr skeptisch“, meint der Inhaber, „denn es spiegelt nicht unbedingt meinen persönlichen Weingeschmack wieder.
Doch schon bald war klar, dass der Kunde entscheidet. Geschmäcker sind wahrlich verschieden und es ist nicht schlecht ein Produkt im Sortiment zu haben, das ein klein wenig aus der Reihe tanzt. Der Kunde möchte immer wieder überrascht und begeistert werden.“
Fruchtweine an sich gelten hierzulande schon als besondere Weine und für viele Weinfreunde sind sie schon ein ganz neues, unbekanntes Thema. Obstwein kennt man, zumindest Apfelwein. Die Fruchtweinkellerei Hindberry erzeugt in der Regel Mehrfruchtweine also Kompositionen aus mehreren Früchten um ein komplexeres Geschmackserlebnis bieten zu können. Der Bananenwein ist eine absolute Rarität, denn er wird im Betrieb sogar sortenrein ausgebaut. Er zählt für die Kunden zu den Must-haves, erklärt der Inhaber. Man muss ihn unbedingt mitnehmen um ihn Freunden und Bekannten zu zeigen, kann es kaum glauben und möchte damit Weinfreunde überraschen, so der Firmenchef.
Herr Rennhofer erzählt: "Viele Kunden auf Märkten und Messen schütteln ungläubig den Kopf aber müssen ihn unbedingt probieren, den Bananenwein. Es mag nicht so recht in den Kopf, dass sich daraus Wein erzeugen lässt. Wie denn auch. Die Banane hat eine gelbe Schale und ist festfleischig ganz anders als Beeren und Weintrauben. Wie soll daraus Saft gepresst und Wein gemacht werden können? Wie soll das alles überhaupt funktionieren und wie kann denn das schmecken?"
Freilich über solche Fragen freut sich Weinmacher Michael Rennhofer. Schon sei ein Einstieg geschaffen mehr über das Produkt und die Erzeugung von Fruchtweinen im Allgemeinen erzählen zu können. Viele Kunden würden diesen Aha-Effekt lieben. Es sei eine Überraschung mal ganz Neues, gerade beim Thema Wein, mit allen Sinnen zu erforschen. Besonders wenn es sich um aufgeschlossenes Publikum handelt. Der Bananenwein erinnere entfernt an einen lieblichen Weißwein, eine Spätlese vielleicht, goldgelbe Farbe, zartes Bouquet und im Abgang Banane. Auf jeden Fall anders als vermutet.
Im Jahr 2016 hatte Hindberry Fruchtwein eine Sonderedition Bananendessertwein in limitierter Stückzahl herausgebracht. Diese Sonderedition sei mittlerweile ausverkauft. Einige Kunden kamen die Obstweinkellerei ausschließlich wegen dem Bananenwein besuchen und tatsächlich gab es Kunden, die nur diesen gekauft haben, so Herr Rennhofer.
Bei der Frage ob der Bananenwein einen festen Platz im Sortiment bekommen würde, schmunzelt der Unternehmer und fügt hinzu: Bananenwein mag man oder man mag ihn nicht. Eine pauschale Aussage, die wahrscheinlich auf viele andere Weine auch zutreffen mag. Doch Bananenwein scheidet die Geister selbst beim Thema Fruchtwein noch ein Stück mehr.
Man denke bei Hindberry Fruchtwein allerdings darüber nach wieder eine neue Charge Bananenwein zu produzieren. Eine kleine Fan-Gemeinde habe der Bananendessertwein bereits aufgebaut und diese wünsche sich den tropischen Fruchtwein zurück. Der Vorteil des Kleinproduzenten sei, dass man direkter auf Kundenwünsche eingehen könne und das freue die Stammkunden besonders, ist der Unternehmer überzeugt.


















