(openPR) Die Schulbibliothek im Medienkonzept kann viel dazu beitragen – und der Digitalpakt kann dafür eine Starthilfe sein.
Wie – das diskutierten in Berlin Aktive aus verschiedenen Schulen. Ein Bericht.
Am 23. Mai 2019 trafen sich auf Einladung der AG Schulbibliotheken Berlin Brandenburg e.V. Lehrkräfte, Erzieher*innen, Bibliothekar*innen, Schulleiter*innen, um über die Rolle der Schulbibliotheken in den Medienkonzepten der Schulen zu diskutieren. Das Ideenpapier, das die Schulbibliotheksexpert*innen der AGSBB dazu veröffentlicht haben, gibt auf zentrale Fragen Antworten: Welche Rolle spielen Schulbibliotheken bei der Umsetzung pädagogischer Ziele? Wie unterstützen Schulbibliotheken die Entwicklung einer veränderten Lehr- und Lernkultur? Wo schlägt das Herz der Schule und wozu brauchen Schulbibliotheken IT? Wie werden Digital Natives medienmündig und wie kann die Schulbibliothek dazu beitragen, dass die digitalisierte Gesellschaft demokratisch bleibt?
Die AGSBB betont, dass Schulbibliotheken – übrigens schon immer - Medienzentren sind. Die Aufgabe der Schule besteht vor allem darin, eine pädagogische Position zu technologischen und medialen Innovationen zu beziehen. Schulbibliotheken können in diesen Konzepten eine Schlüsselfunktion übernehmen, z.B. als zentraler Raum für Lernarrangements, wie dem „Flipped Classroom“. Hier können Gruppen in der Bibliothek selbstbestimmt lernen – und werden dennoch bei der Erschließung der Medienwelten nicht alleine gelassen. Denn in der Schulbibliothek werden sie von medienpädagogisch ausgebildeten Fachkräften begleitet.
Als Herz der Schule sind Schulbibliotheken zentrales „Versorgungsorgan“. Über einen Online-Katalog, in dem auch vom Smartphone aus nach analogen und digitalen Medien recherchiert werden kann, sorgen sie dafür, dass alle Medien der Schule allen jederzeit zugänglich sind. Sie sind aber auch Begegnungs-, Kommunikations-, und Veranstaltungsort, ermöglichen klassen- und sozialraumübergreifenden Austausch und bilden so das emotionale Zentrum der Schule, eine unerlässliche Ressource, insbesondere im Ganztag.
Schulbibliotheken verstanden als zentraler Ort, modern eingerichtet, betreut von Fachpersonal und mit Zugriff auf Internet, aktuelle Software und Technik tragen dazu bei, bei Kindern und Jugendlichen Lese- und der Informationskompetenz zu fördern – die Grundvoraussetzungen für Medienmündigkeit auch der Digital Natives. Differenzierte Lernprozesse, inklusives Lernen, die Entwicklung von Persönlichkeiten, die eine demokratische Gesellschaft gestalten können ist kein automatischer Effekt der technischen Digitalisierung. Um auch digital demokratisch, differenziert und inklusiv lernen zu können ist ein Medienkonzept, das Schulbibliotheken in den Mittelpunkt stellt, wichtig.
Um diese Ideen zu diskutieren und die Chancen, ihrer Umsetzung auszuloten, waren die Anwesenden gekommen. Doch wieweit die Berliner Schulrealität zum Teil noch von Digitalisierung entfernt ist, zeigte sich in der anschließenden Diskussion, in der deutlich wurde, dass es in Berlin noch heute Schulbibliotheken gibt, die nicht einmal über einen Internetanschluss verfügen.
Dennoch fand die Vision, Schulbibliotheken über ein Discovery System zu vernetzen und so allen Bibliotheken, die Möglichkeit zu geben, die gleiche Software zur Medienverzeichnung zu nutzen und sich in einem gemeinsamen Katalog zu präsentieren, wie es z.B. Frankfurt tut, große Zustimmung. Gelder dafür sind durch den Digitalpakt vorhanden. Jetzt kommt es darauf an, dass alle Verantwortlichen, von den Schulleitungen bis zur Politik, sich dafür einsetzen, dass diese Gelder auch in Schulbibliotheken investiert werden. Die Transformation der Bibliotheken ist dann möglich.
Dass diese Transformation unter den aktuellen Bedingungen kaum gelingen kann, wurde in den Schilderungen der Anwesenden schnell deutlich. Zur Zeit bastelt jede Berliner Schulbibliothek ihr eigenes Überlebenskonzept, um Technik, Medien und soweit möglich, auch Personal aufwendig über diverse Fördergelder und Drittmittel zu finanzieren. Weder Schulverwaltung, Bezirke noch der Bildungssenat fördern diese Arbeit, schon gar nicht finanziell– und das, obwohl all das, von dem wir hier sprechen, im Berliner Koalitionsvertrag zugesagt ist.
Die Anwesenden lassen sich davon nicht bremsen. Sie wollen die vorgestellten Ideen umsetzen und diese in die Medienkonzepte ihrer Schulen einbringen.
Aber deutlich wird auch, dass sie von der Politik dringend Unterstützung brauchen: Bei der Ausstattung ihrer Bibliotheken mit IT und Medien und bei der Finanzierung von Personal.
Da von den eingeladenen Politiker*innen niemand anwesend war, hier unser Appell: Politiker*innen nutzt die Chance von Digitalpakt und Koalitionsvertrag - stärkt Schulbibliotheken!
Jana Haase | Ute Heller













