(openPR) Toni Kitanovski & Cherkezi Orchestra: Borderlands
VÖ: 20.10.06 Enja HW/Soulfood
5.11. live beim JazzFest Berlin
Als Toni Kitanovski, der Initiator des "Borderlands"-Projekts, das Cherkezi Orchestra zum ersten Mal hörte, war er so überwältigt von ihrer Gabe, Tradition und Moderne mühelos miteinander zu verschmelzen, dass er schon nach dem ersten Lied wusste, er würde eines Tages mit ihnen zusammenarbeiten.
"Ich hörte alle Rhythmen, die jemals an mein Ohr gelangten, vereint im ersten Song. Die Soli, die sie spielten, sind vergleichbar mit den eindrücklichsten Jazzimprovisationen, die ich jemals hörte. Der einzigartigen Qualität ihrer Musik wohnt die mysteriöse Kraft inne, einen gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen zu bringen." Fünf Jahre später war die Zeit für ein gemeinsames Projekt gekommen. Kitanovski fungierte als künstlerischer Leiter des "Gucha"-Festivals und war für das Line Up des großen serbischen Brass-Band-Festivals verantwortlich.
"Ich bin kein Fan von Folk-Musik die in einem musealisierten Sinne betrieben wird. Was Folk-Musik über die Jahrhunderte am Leben hielt, ist ihre ständige Evolution" erklärt Kitanovski. Seine musikalischen Visionen überzeugten den Patriarchen Cherkez Rashid und seinen Familienclan, und so entschieden sich der graduierte Jazzgitarrist und das Cherkezi Orchestra, gemeinsame Sache zu machen (was zuvor schon Manu Chao und Emir Kusturica versuchten, die beide scheiterten). Immer schon hatten die Rashids neben mazedonischen, albanischen, serbischen und türkischen Stücken auch Jazz- und Latin-Standards gespielt. Kitanovski ergänzte diese breite Ausdruckspalette durch die Werke von Eric Satie, Charles Mingus oder Ornette Coleman, afrikanische Rhythmen und seine Eigenkompositionen. Das traditionelle Repertoire durch die Tondichtungen des Berklee-Absolventen zu erweitern, gestaltete sich anfänglich als nicht ganz einfach, da die Musiker des Cherkezi Orchesters die Kunst des Noten Lesens nicht beherrschten. Dennoch verschmolzen unter seiner Federführung seine vom amerikanischem Jazzverständnis beeinflussten Kompositionen mit ihrem ekstatischen und intuitiven Spiel.
Mit "Borderlands"kommt am 20. Oktober 2006 ein repräsentativer Ausschnitt ihres gemeinsamen Schaffens, als erste Veröffentlichung des Cherkezi Orchestras überhaupt, in den Handel. "Die Musik von 'Borderlands' klingt wie Antwort und Frage, wie etwas sehr Altes (Die Antwort) und etwas Neues (Die Frage)". Der Albumtitel "Borderlands" bezieht sich auf ein Gedicht der amerikanischen Schriftstellerin Gloria Anzaldua, in dem sie die Zerrissenheit beschreibt, sich der Traditionen und kulturellen Wurzeln der eigenen Identität nicht gewahr zu sein, und ohne diese Verwurzelung in eine fundamentlose Zukunft zu schauen. Und obwohl die Rashids das Erbe ihrer Kultur am Leben erhalten, "beschreibt das ziemlich treffend die Situation von Mazedonien zu diesem Zeitpunkt" kommentiert der politisch engagierte Toni Kitanovski.
Toni Kitanovski
Kitanovski betritt 1964 in der mazedonischen Hauptstadt Skopje als Sohn eines Kfz-Mechanikers und einer Fabrikarbeiterin die Bühne des Lebens. "Mein Vater war mein erstes Gitarrenidol, aber die wichtigste Lektion, die er mich lehrte, war, die Wichtigkeit von harter Arbeit und dem Lesen von Büchern, zu erkennen." Mit 15 Jahren lernt Kitanovski Dragan Giakonovski kennen, den Vater des heute in Köln lebenden Bassvirtuosen Martin Giakonovski. Acht Jahre lang waren sie fast täglich zusammen und beschäftigten sich mit Musik und - viel wichtiger - dem Leben. "Er lehrte mich, was es heißt, ein wahrer, echter, authentischer Mensch zu sein. Für meine Entscheidung, Profimusiker zu werden, ist jedoch Barney Kessels Gitarrenspiel verantwortlich." Seine musikalischen Fähigkeiten perfektioniert er schließlich an der Berklee-Jazzschmiede in Boston. "Ich war sechs Jahre dort und sog alles Wissen in mich auf, das mir zur Verfügung gestellt wurde." Mit seiner Rückkehr in die Heimat bringt er den Jazz ins Land, gründet die erste Jazzschule und gilt als Wegbereiter der mazedonischen Jazzszene.
Cherkezi Orchestra
Eine tragische Bewandtnis im Zusammenhang mit dem Cherkezi Orchestra umrankt die Trompete des Bandleaders Cherkez Rashid. Cherkez begann mit acht Jahren Trompete zu spielen. Er war damals inmitten einer Gruppe von Zigeunern, die von der SS zusammengetrieben wurde. Im Minutentakt erschossen die Soldaten einen nach dem anderen, auch Kinder und Frauen. Da trat ein beherzter Zigeuner vor und erzählte den Soldaten, sie hätten gerade seinen besten Freund erschossen. Er wolle sich von ihm mit einem letzten Lamento auf seiner Trompete verabschieden. Dann könnten sie auch ihn töten. Der Zigeuner spielte so beseelt, dass es den SS-Soldaten die Tränen in die Augen trieb, was sie nicht davon abhielt, auch ihn zu erschießen - die anderen aber, darunter auch Cherkezi, ließen sie laufen. Der nahm die Trompete des ermordeten Musikers und begann, ihre Geschichte zu erzählen.
Über drei Generationen spannt sich nun schon das musikalische Erbe der Rashids, dem Familienkern des Cherkezi Orchesters, das sich dem traditionellen Zigeunerjazz, genannt Cocek, verschrieben hat. (Das Wort Cocek leitet sich vom türkischen Köçek (Tanzknabe) ab. Cocek-Musik zählt zu der Lebendigsten des Balkans, wie der Erfolg des Roma Musikers Ferus Mustafov oder der Sängerin Esma RedÏepova in der Weltmusikszene beweist.) Die Rashids pflegen das tonal vermittelte Erbe ihrer Kultur, ohne jemals eine musikalische Ausbildung erhalten zu haben. Wie in vielen anderen Kulturen lernen die Kinder von ihren Vätern und Großvätern durch bloßes Zuhören und Nachahmen. Die Geschichten und Lieder werden von Generation zu Generation weitergegeben, ohne jemals niedergeschrieben worden zu sein.
Toni Kitanovski guitars, Aleksandar Sekulovski jazz drums, Cerkez Rashid trumpet, Asan Rashid trumpet, Ali Rashid trumpet, Sefedin Rashid tuba, Hamid Rashid tuba, Mamer Zejnelov tuba Vilhen Memedov tuba, Sefer Ismailov tapan drum
Label:
Enja Records HW
Werner Aldinger
Frundsbergstr. 15
80634 München
fon +49 (0)89 - 18 00 63 31
fax +49 (0)89 - 16 51 72
www.jazzrecords.com/enja













