(openPR) Das kürzlich bei Komplett-Media erschienene Buch des Artenforschers Prof. Dr. Michael Schrödl zeigt eindrücklich: Unsere Natur stirbt. Bei uns und fast überall auf der Erde. Tiere, Pflanzen, naturnahe Lebensräume verschwinden rasant wie seit dem Aussterben der Dinosaurier nicht mehr. Diesmal aber menschgemacht. Und mit fatalen Konsequenzen für die Zivilisation. Der Autor spitzt es zu: Wenn wir unseren Umgang mit dem Planeten nicht radikal, umfassend und schnell ändern, droht uns die „Biokalypse“. Und zwar noch vor dem Jahr 2050.
Wieder einmal eine Warnung vor Katastrophen, die dann ja doch nicht stattfinden? Schön wär’s. Die Wissenschaft weiß längst: Momentan sind die Erdlinge auf Kollisionskurs mit Mutter Natur. Das Leben an sich wird weitergehen, egal was die Menschen auf der Erde anstellen. Die Aussicht auf Frieden, Wohlstand und Zivilisation, ein gutes Leben für alle, wird mit jedem Jahr „Weiter so“ unwahrscheinlicher.
„Bienchen und Blümchen in der Krise? Na und, was geht mich das an?“, so oder so ähnlich fielen Kommentare zu Insektensterben und Verödung der Natur noch vor Kurzem aus. Moderne technisierte Menschen vergessen allzu leicht: Leben ist empfindlich, Totes lässt sich nicht reparieren. Und: Über 7,5 Milliarden Menschen, leben vom Leben; sie brauchen Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen, Meere, Böden, Wälder, Wiesen und Felder. Denn sie müssen atmen, trinken, essen, wollen Naturstoffe zum Bauen und Heilen, wollen sich in der Natur erholen, Sport treiben, Spaß haben… Mit Smartphone, G5, KI oder ohne: Eine vielfältige, nachhaltig produktive Natur ist und bleibt die Lebensgrundlage, doch wird sie in immer schnellerem Tempo zerstört. Über Jahrmillionen an bestimmte Lebensräume und Umweltbedingungen angepasste Lebewesen reagieren sensibel auf landwirtschaftliche Verödung und Kahlschlag, auf Pestizide und Überdüngung, auf Ozeanversauerung, Plastik, Umweltgifte und Ausbeutung der Bestände. Artenvielfalt und Ökosysteme verarmen und funktionieren nicht mehr richtig. Die biologische Krise, das Verschwinden von Lebewesen, Biomasse, genetischer Vielfalt, Arten und geeigneten Lebensräumen, kommt wohl schneller und heftiger als die Klimakrise! Die Biokrise wird allgemein und sträflich unterschätzt.
Ja, auch die Erderwärmung samt immer übleren Hitzeperioden, Dürren, Starkregen, Stürmen vernichtet oder verdrängt zunehmend Lebewesen und Lebensgemeinschaften. Leiden und sterben etwa Bäume oder Korallenpolypen, so genannte Lebensraumbildner, verschwinden Wälder und Riffe – und auch die meisten ihrer Bewohner. Letztlich kollabieren riesige Ökosysteme. Dabei werden zusätzliche Treibhausgase frei, die den Klimawandel anheizen. Die biologische Krise und der Klimawandel befeuern sich gegenseitig. Rückkopplungen entstehen, es wird existentiell bedrohlich. Allein mit dem großflächigen Absterben der tropischen Korallenriffe verlieren Hunderte Millionen Menschen ihre Nahrungs- und Lebensgrundlage. Die Küsten erodieren, Häuser werden zerstört, Böden und Brunnen versalzen, Einnahmen durch Tourismus brechen weg. In den Tropen und Subtropen, auch im Mittelmeerraum drohen dramatische Verschlechterungen der Lebensbedingungen für Milliarden von Menschen. Soziale Verwerfungen, Massenmigrationen und Kollaps von Finanz- und Wirtschaftssystemen scheinen vorprogrammiert. „Unsere Natur stirbt“ stellt fest: Ohne Ökologie gelingt auf Dauer weder Ökonomie noch Soziales. Die einseitige Priorität für umweltschädliche Ökonomie führte zur fortgeschrittenen Zerstörung der Biosphäre, an den Abgrund. Ohne Ausgleich, ohne nachhaltige Balance, ohne Zusammenarbeit, wird sich wohl keine Gesellschaft dem globalen Elend entziehen.
Das Buch bietet leicht verständlichen Klartext zur komplexen Problematik und zeigt Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Weltrettung. Und es emotionalisiert, denn nur so ändert sich rasch etwas. Noch haben die Menschen ihr Schicksal in der Hand, davon gehen viele Experten aus, doch sind erst Kippunkte erreicht, setzen Dominostein-artige Kettenreaktionen und Kaskadeneffekte ein… Viel Zeit für wirksame Gegenmaßnahmen bleibt leider nicht; nur ein paar Jahre noch, wenn überhaupt. Und niemand sagt, dass es einfach wird. Doch Aufgeben ist keine Option. Für Eltern und Kinder schon gar nicht.
Vielleicht ist die Zeit reif für Veränderung? Schon seit dem Erscheinen des Buches hat sich viel bewegt: Das erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Artenvielfalt“ in Bayern, die Jugendbewegung „Fridays for Future“, die neu gegründeten „Scientists for Future“ - schon mehr als 23.000 deutschsprachige WissenschaftlerInnen unterstützen die SchülerInnen in ihren Forderungen nach Klimaschutz und globaler Nachhaltigkeit. Und auch eine „Parents for Future“ Bewegung formiert sich. Es ist Zeit!
Fazit: Das Leben in aller Vielfalt, die Lebensräume und das Klima sind wirksam zu schützen, und zwar schleunigst, falls die Menschheit eine passable Zukunft will. „Unsere Natur stirbt“ geht dahin, wo es wirkt, unter die Haut.
Michael Schrödl, Unsere Natur stirbt, Warum jährlich bis zu 60 000 Tierarten verschwinden und das verheerende Auswirkungen hat. 224 Seiten, Verlag Komplett-Media, München, November 2018.
Webseite www.unsere-natur-stirbt.de
„Wütender Weckruf“, Buchvorstellung im Magazin MaxPlanckForschung: www.mpg.de/12719514/S005_Neu-erschienen_078.pdf
SZ-Interview mit dem Autor: "Wir steuern auf biologische Kipp-Punkte zu, an denen riesige Ökosysteme versagen, die uns alle mit Luft, Wasser und Nahrung versorgen". www.sueddeutsche.de/muenchen/bienensterben-volksbegehren-1.4295419













