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Echte Innovation kommt im deutschen Gesundheitswesen nicht an

20.02.2019 • 16:57 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft
Bild: Echte Innovation kommt im deutschen Gesundheitswesen nicht an

(openPR) Die heute in Berlin vorgestellte AOK-Initiative „Stadt. Land. Gesund.“ ist aus Sicht des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) ein gutes Signal und ein Schritt hin zu hoffentlich besserer Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen. Von echter Innovation sind die vorgestellten Projekte aber nach wie vor weit entfernt, ihre Konzepte greifen zu kurz. Denn sie bleiben – wieder einmal – bei der Delegation stecken.

„Seit Jahren gibt es im SGB V den Paragraphen 63, Absatz 3c, der wirklich neue Versorgungsstrukturen ermöglichen soll. Denn schon jetzt stößt das deutsche System der Gesundheitsversorgung durch seine Arztzentriertheit und den Arztvorbehalt vielfach an Grenzen und kann wesentliche Lücken nicht schließen. Das betrifft besonders die Versorgung in strukturschwachen Regionen. Hier hätten längst schon neue Versorgungskonzepte getestet werden können“, sagt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Ein Gutachten des Sachverständigenrats hat das bereits 2007 gefordert und die Dringlichkeit aufgezeigt. International sind Konzepte des „Advanced Practice Nursing“ – d.h. Pflegefachpersonen mit zusätzlicher Qualifikation in erweiterten Rollen und mit hoher Autonomie – längst etabliert und mit guten Ergebnissen evaluiert. Sie decken weite Teile der Primärversorgung eigenständig ab. In vielen europäischen Ländern wird angesichts der demografischen Entwicklung und bei steigendem Versorgungsbedarf der gleiche Weg gegangen. In Deutschland allerdings setzt man höchstens auf Delegation von Tätigkeiten an Praxisassistenten als verlängerten Arm des Arztes und nennt das innovativ. Und so manche erfahrene und gut qualifizierte Pflegefachperson verzweifelt daran, dass sie dem Arzt in die Feder diktieren muss, welches Hilfsmittel, welche Wundauflage oder Inkontinenzversorgung gebraucht wird und verordnet werden muss – oft nach ermüdenden Diskussionen. Wir brauchen im deutschen Gesundheitssystem neugestaltete Aufgabenzuschnitte, eine neue Aufgabenteilung zwischen den Professionen, Substitution in definierten Bereichen und mit neuer Verantwortlichkeit und größerer Autonomie. Solche Projekte sollten vom Innovationsfonds gezielt gefördert werden – gerade unter Beteiligung der AOK als Vorreiter unter den Kassen!“

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