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Throwing Gestures

15.11.201819:57 UhrKunst & Kultur
Bild: Throwing Gestures
Play by rules © VG Bild /Timo Herbst und Marcus Nebe 2018
Play by rules © VG Bild /Timo Herbst und Marcus Nebe 2018

(openPR) Throwing Gestures
Protest, Economy and the Imperceptible

Ausstellungseröffnung 07. Dezember 2018 – 19.30 Uhr
09. – 16. Dezember 2018, 12 – 20 Uhr

Symposium
Throwing Gestures
The Entanglement between Gesture, Media and Politics



08. Dezember 2018, 10 – 19 Uhr*
*Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos.
Um Anmeldung wird gebeten unter E-Mail



Play by rules © VG Bild /Timo Herbst und Marcus Nebe 2018


(Sich) zeigen erhält einen neuen Stellenwert, sowohl in global zirkulierenden Bewegtbild-Medien als auch in zunehmend von Erkennungstechnologie durchzogenen Alltagswelten. Präsenz und Öffentlichkeit ändern sich, indem Bewegung und Gesten neue Formen der Sichtbarkeit und Wirksamkeit entfalten.

Zwei Jahre haben Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus
verschiedenen Bereichen ausgehend von diesem Thema zusammen gearbeitet: Sound, Performance Art und visuelle Kunst treffen auf Medien- und Tanzwissenschaften, Technikgeschichte und Sozialwissenschaft. Es geht um unterschiedliche Formen der Repräsentation von Geste, ihren Übersetzungen und Verschiebungen – re-embodiment, Versprachlichung, Videoerkennung und filmische Formen. Die Formalisierung und Repräsentation zielt auf Wahrnehmung und Erfahrung, (re-)produziert aber auch deren Machtstrukturen als Wahrnehmungsregimes oder in der Reproduktion ökonomischer oder gesellschaftlicher Kontexte.

Die Ausstellung THROWING GESTURES stellt die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung vor, ergänzt um internationale Gäste. Die entstandenen und eingeladenen Arbeiten behandeln beispielsweise Bewegung innerhalb von Arbeitsprozessen (Jeremy Deller, Konrad Strutz) und Repräsentation von People of Colour im Mainstream Film (Kerstin Honeit) oder den Brexit in England (Larry Achiampong, David Blandy).
In der Performance „Point of Coincidence“ (Bahaa Talis, Timo Herbst) werden rituelle Bewegungsabläufe thematisiert. Während Tales sein tägliches muslimisches Gebet auf einer Papierebene präsentiert, zeichnet Herbst zeitgleich zu diesem Ablauf; beide kommunizieren durch ihre unterschiedlichen Tätigkeiten miteinander. Körperhaltungen, Konzentration und die dadurch entstehenden Referenzen werden geteilt und zugleich ritualisiert.
Die 5-kanalige Videoinstallation „Play by rules“ (Timo Herbst, Marcus Nebe) steht für die Repräsentationsstrategien von Protestbewegungen in journalistischen Medien. Die Arbeit zeigt die Entwicklung und Kommunikation zwischen Medienberichterstatter*innen, Unterstützer*innen und Protestler*innen anhand von folgenden Ereignissen und Demonstrationen: 2015 am Keleti Bahnhof in Budapest zu Beginn der Flüchtlingskrise, 2016 während des vereitelten Putschversuchs auf dem Taksim Platz in Istanbul sowie die massiven Proteste 2017 gegen den G20 Gipfel in Hamburg. Die Konzentration liegt dabei auf der Geste von Bilderstellung und Nachrichtenproduktion sowie der Erschaffung des medialen Politikspektakels.
Die G20-Proteste waren auch Ausgangspunkt der Installation und Lecture-Performance „G20“ im Leipziger Kunstverein. Inmitten live gesteuerter Videoprojektionen von Herbst und Nebe reflektierte Kaldrack, ob und wie Protestgesten als politische Gesten zu begreifen sind. Diese Arbeit wird im Rahmen der Ausstellung als Video-Dokumentation zu sehen sein.
„ten thousand times and one hundred more“ (Justine Chambers) untersucht widerständige Gesten am Kipppunkt ihrer (Nicht-)Lesbarkeit. Ein Score aus Mikrogesten wird entworfen, der eine abschließende Geste jedoch nie ausführt. Nicht-effiziente Übergänge sind in der Perspektive von Arbeitswissenschaft lost motion. In der zweikanaligen Videoinstallation „Lost Motion“ (Konrad Strutz) sind solche verlorenen Bewegungen Gegenstand der Auseinandersetzung.

Zusammen mit der Ausstellung bildet das gleichnamige internationale Symposium den Abschluss des interdisziplinären Forschungsprojektes, das nach den Verhältnissen zwischen Gesten und global vernetzten ubiquitären Technologien fragt. Ergebnisse, Prozesse und Methoden werden vorgestellt und diskutiert. Drei Panels nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. „Im/Perceptible Gesture“ diskutiert, wie Bewegung zu Geste wird und wie Technologie an diesem Prozess beteiligt ist. Das Panel „Gesture and the Political“ untersucht politische Gesten, Auftreten und Verbreitung in Protestbewegungen und ihre Ästhetisierung in Populärkultur und Kunst. „Staging the Entanglement between Arts and Humanities“ reflektiert die Arbeitsprozesse zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Akteuren in interdisziplinären Projekten und diskutiert unterschiedliche Arten der Präsentation ihrer Ergebnisse.

Von und mit Larry Archiampong & David Blandy, Jakob Argauer, Florian Bettel, Dina Boswank, Justine A. Chambers, Jeremy Deller, Timo Herbst, Kerstin Honeit, Irina Kaldrack, Stefanie Kiwi Menrath, Silas Mucke, Marcus Nebe, Tobias Schulze, Konrad Strutz, Bahaa Talis, Nasan Tur, Laurie Young Produktionsleitung Grit Lieder

Durchgeführt an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Gefördert durch die Volkswagen-Stiftung im Rahmen des Programms Arts & Science in Motion. Unterstützt von der Universität für angewandte Kunst Wien.

Info https://gesture-media-politics.de

Veranstaltungsort
Kunstquartier Bethanien, Studio 1

Mariannenpaltz 2 | 10997 Berlin
http://kunstquartier-bethanien.de/

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