(openPR) Ein schmales rotes Heft. Auf dem Cover ein nackter älterer Mann. Mit Socken. Müde baumelt sein sogenanntes bestes Stück zwischen den Schenkeln. Der Mann schwitzt. Vor Angst? Vor Erschöpfung? Was ist ihm passiert? Mit wenigen gekonnten Strichen und noch weniger Wörtern erzählen die Zeichnerin Maki Shimizu und der Autor Friedrich W. Zimmermann die Geschichte dieses Mannes, die zugleich die Geschichte des Autors ist. Zimmermann hat über seine Krebserkrankung ein Buch geschrieben, detailreich, ausführlich, informativ. Nun liefert er die knappe Bildergeschichte nach. Als niederschwelligen Einstieg ins Thema sozusagen. Der Schauplatz: Berlin. Nikolaiviertel. Unverkennbar. Von seinem Fenster aus sieht der Protagonist Nikolaikirche, Rotes Rathaus, Fernsehturm, Zille-Destille. Wie im richtigen Leben. Hier wohnen unsere Hauptpersonen: Die lebenslustige Paula und ihr etwas älterer Gefährte. Sie leben dort gern und im offensichtlichen Liebesglück. Dann der Einschlag, der Liebe, Lust und Leben gefährdet: Krebs der Prostata. https://www.youtube.com/watch?v=T1OUYSVl0Qo Der Autor und die Zeichnerin erzählen genau. Bis an die Grenzen der Schamlosigkeit. Und wenn sie auch manchmal eine Zumutung sind, all diese Details: es muss darüber endlich gesprochen werden. Männer sterben zu jung. Die Bemühungen, sie zur Vorsorge zu bewegen, sind weitgehend gescheitert. Die Männergesundheit ist ein gesamt-gesellschaftliches Problem geworden. Jeder Verlag kennt Angebote aus dem Genre „Wie ich den Krebs besiegte“. Oft sind sie in der ehrlichen Motivation geschrieben, anderen Mut zu machen. Aber kein Krebsfall ist wie der andere, und vielleicht überschätzen auch die sogenannten „Sieger“ den Anteil ihrer Willenskraft am glücklichen Ausgang. Verlierer müssen erfahren, dass sie alles gegeben und dennoch verloren haben. Friedrich W. Zimmermann geht es nicht um seinen siegreichen Kampf gegen den Krebs. Er weiß, dass die Kampfrhetorik unangemessen ist. Vor allem wenn sie von einem benutzt wird, der glimpflich davongekommen ist. Wenn es ihm überhaupt um Kampf geht, dann um den Kampf gegen das Verdrängen, das Nicht-Wissen – und nicht darüber reden wollen. Männer, die problemlos über ihre Herzinfarkte sprechen, verstummen, wenn es um die Prostata geht, stecken den Kopf in den Sand und hoffen auf die Wirksamkeit von Kürbiskernen. Bei vielen scheint die Scham größer als die Todesangst. Friedrich Zimmermann kennt diese Ängste. Vor allem diese eine: die Angst vor dem endgültigen Aus des Liebeslebens. Und er wirbt um die Herzen und die Köpfe der Frauen, der Partnerinnen, denen er mehr Vernunft und auch mehr Phantasie zutraut als den eigenen Geschlechtsgenossen. Seine Erfahrungen mit der verständnisvollen Paula geben ihm Recht. Lieber tot als impotent? Für welche liebende Frau wäre das eine Alternative? Kein Wunder also, dass der Autor eine Frau gesucht hat, um diese Männergeschichte zu illustrieren. Und wie diese junge Frau mit wenigen gezielten Strichen das Drama des alternden Mannes erzählt, ist wirklich frappierend. Maki Shimizu, eine Japanerin, 1981 geboren kennt den Berliner Pinsel – Heinrich. Aber Maki kennt sich nicht nur im Nikolaiviertel aus, sondern auch in ihrem Neuköllner Milieu. Und wie sie das Kreatürliche ihrer Figuren erfasst, wie sie vor keiner Peinlichkeit zurückschreckt, ohne ihre Protagonisten zu verraten oder der Lächerlichkeit preis zu geben, diese absolute Menschenfreundlichkeit, die erinnert vielleicht doch an Heinrich Zille. • Friedrich W. Zimmermann und Maki Shimizu: "Liebe - Lust - Prostata. Der Comic", 64 S., Broschur, ISBN 978-3-7528-3581-6, 12,90 Euro Mehr Informationen: https://liebe-lust-prostata.de/der-comic









