(openPR) 750 Mieter aus Überlingen und Umgebung suchten vergangenes Jahr Rat und Hilfe beim Deutschen Mieterbund Bodensee, berichtete der Verbandsvorsitzende, der Konstanzer Stadtrat Herbert Weber auf der Bezirksmitgliederversammlung in Überlingen. Zwei wesentliche Probleme bilden den Schwerpunkt der Rechtsberatung des Mieterbunds: Mieter wollen ihre Betriebskostenabrechnung überprüfen, weil ihnen die Forderungen zu hoch erscheinen. Und immer mehr Mieter, so Weber, kommen mit Fragen zu einer Mieterhöhung in die Beratungsstelle des Mieterbunds im Umweltzentrum „Grüne Turbine“ in Überlingen.
Mietspiegel sorgt für Rechssicherheit, nicht für Mietenstopp
Die Rechtsberatung bei Mieterhöhungen sei wesentlich verlässlicher und einfacher geworden. Grund sei der Mietspiegel, den die Stadt Überlingen 2014 erstmals aufgestellt hatte. Doch ein Mietspiegel liefere nur verlässliche Daten, warnte Weber vor Missverständnissen. Wenn zu viele Wohnungen fehlen, explodieren die Mieten, zumal die Mietpreisbremse nicht in Überlingen gelte. Weber kritisierte, dass nur Mieten, die in den letzten vier Jahren neu vereinbart oder angepasst wurden, in den Mietspiegel eingerechnet werden. Hier müsse die neue Bundesregierung ihre Zusage aus dem Koalitionsvertrag einlösen und den maßgeblichen Zeitraum auf acht bis zehn Jahre verlängern, fordert der Mieterbund.
Überlingen braucht sozialen Wohnungsbau
Viele Menschen aus Überlingen und Umgebung hätten mittlerweile auf dem Wohnungsmarkt keine Chance mehr, bedauert Weber. Daher sei es die wichtigste Aufgabe der Städte, für bezahlbares Wohnen zu sorgen. Derzeit mangle es nicht an Geld für den sozialen Wohnungsbau: Städte und Wohnungsbauunternehmen müssten die zinslosen Darlehen nur abrufen. Doch an bauwilligen Trägern mangle es auch in Überlingen. Weber hält daher auch in Überlingen die Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft für sinnvoll.
Betrüger haben es auf Wohnungssuchende abgesehen
Der Mieterbund ist im vergangenen Jahr erfolgreich gegen einige Wohnungsmakler vorgegangen, die rechtswidrig Provisionen von Mietern verlangt hatten. Mit Hilfe des Mieterbunds bekamen einige Mieter ihr Geld zurück.
Ein anderes Problem taucht verstärkt in Überlingen auf: Immer wieder melden Wohnungssuchende teilweise dreiste Betrugsversuche: Über Immobilien- und Kleinanzeigenportale werden vermeintlich günstige Wohnungen angeboten. Doch einen Besichtigungstermin gebe es nur gegen Vorkasse. Weber warnt Wohnungssuchende nachdrücklich davor, vor Unterzeichnung eines Mietvertrags und der Schlüsselübergabe Zahlungen zu leisten, „schon gar nicht in bar.“.
Stadtrat Osswald Burger kritisiert “falschen Wohnungsbau”
Der Verband bedankte sich bei langjährigen Mitgliedern für ihre jahrzehntelange Treue zum Deutschen Mieterbund. Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurde Dr. Norbert Schreiber geehrt, der sich mit einem Geschenk aus seinem Archiv bedankte. Als Student berichtete er für den Südkurier aus einer Veranstaltung des Mieterbunds.
Seit 25 Jahren ist der Überlinger Stadtrat Osswald Burger Mitglied im Mieterbund. Burger für den Mieterbund der entscheidende Türöffner für das Umweltzentrum Grüne Turbine gewesen, wo die Überlinger Beratungsstelle des Mieterbunds seinen Sitz habe. Burger kritisierte auf der Versammlung den „falschen Wohnungsbau in Überlingen“. Viele der entstehenden neuen Wohnungen würden am Bedarf der Menschen in der Stadt vorbei gebaut. Dennoch sei es gelungen in neuen Baugebieten auch den Bau von Sozialwohnungen vorzusehen. Dabei sei die Kooperation mit der Baugenossenschaft Überlingen sehr hilfreich.
Delegierte gewählt
Die Versammlung wählte Erhard Beirer, Marianne Brückner, Ellen Harmann, Isolde Heldmaier, Gabriele Kühlborn, Anita Schaffner und Andreas Schäuble zu Vertretern des Bezirks Überlingen in die Delegiertenversammlung des Verbands.










