Immer mehr Anbieter von digitalen Inhalten stellen teilweise kostenfreie Inhalte für die Benutzer zur Verfügung. Große Medienhäuser nutzen dieses neue und flexible Geschäftsmodell beispielsweise, um für Ihre publizistische Medieninhalte wie Zeitungsartikel, Blogartikel oder Bücher eine Vorschaumöglichkeit anzubieten.
Vor allem im Bereich des riesengroßen Marktsegment Gaming am PC sowie auch bei den inzwischen unzähligen Spiele-Apps für Smartphones hat sich der Begriff Freemium fest etabliert. Aus diesem technischen Vorgang heraus ist auch die Bezeichnung Freemium (Free = kostenfrei, Premium = hochwertig) entstanden.
Das Funktionsprinzip von Freemium
Auch wenn der Begriff „kostenfrei“ zuerst einmal ein nicht wirklich funktionierendes Geschäftsmodell suggeriert. Die bei den Menschen vorhandene „kostenlos“ Mentalität fördert diesen Eindruck zusätzlich. Mit Freemium kann aber sehr wohl vor allem ordentlich viel Geld verdient werden. Dabei werden die vermeintlich kostenlosen Versionen digitaler Inhalte zuhauf mit entsprechend gut bezahlten Werbeeinblendungen versehen. Dies ist dann bereits eine erste und äußerst lukrative Einnahmequelle für den Anbieter oder Entwickler. Je hochwertiger der freie Inhalt ist, umso teurer können die darauf abgestimmten Werbeplätze verkauft werden. Auf diese Weise finanziert sich bereits ein Teil der anfallen Kosten für das Freemium-Angebot.
Möchte beispielsweise ein interessierter Leser eines angeteaserten Magazinartikels dann noch den vollständigen Artikel konsumieren, kann er über ein spezielles Bezahlmodell (hier: Paywall – Bezahlschranke) sofort nach Begleichung der Kosten den kompletten Inhalt angezeigt bekommen und zu Ende lesen. Gerade die namhaften Hersteller von Spielesoftware gehen immer mehr dazu über, zuerst eine kostenfreie Spieleversion als Download anzubieten. So kann der Nutzer das Spiel sofort benutzen und testen. Zumeist gilt dann aber die Prämisse, dass der Proband ab einem bestimmten Spielestand einfach nicht mehr weiterkommt. Dies löst dann Wünsche und Begehrlichkeiten beim Spieler aus, möchte er doch das bisher erreichte Ziel oder den Level unbedingt beenden.
Welches Ziel verfolgt Freemium?
Das Ziel des Geschäftsmodells Freemium ist somit klar umrissen. Nach einer Probephase sowohl beim Leser von Zeitungen, Blogs oder digitalen Büchern oder einem Spieler soll das bislang kostenfreie Angebot nun um kostenpflichtige und hochwertige Zusatzleistungen ergänzt und vollständig nutzbar gemacht werden. Diese Zusatzleistungen können sehr vielfältig ausfallen und bei Software beispielsweise zusätzliche professionelle Funktionen freischalten. Bei einem Cloud-Speicherdienst kann dann mehr Speicherplatz angefordert werden, um der Flut der digitalen Fotos und Musikdateien Herr zu werden.
Bei Spielen wird hier meist mit ergänzenden Leben, speziellen Hilfsmitteln oder zusätzlichen Spielelevels geworben. Bewusst eingebaute Hindernisse oder lange Ladezeiten können mit kleinen Beträgen sofort umgangen werden. Und genau hier greift die Monetarisierung. Eigentlich zahlungsfaule Benutzer lockt man dann umso häufiger mit unscheinbaren Kleinstbeträgen zu einem Erfolgserlebnis. Vereinfacht wird dieses Bezahlmodell durch ein aufladbares Konto. Einmal einen Betrag einbezahlt, reicht im Spieleverlauf ein einziger Klick für das fortlaufende Spielevergnügen. Dies funktioniert so lange, bis das Konto fast geleert ist und erneut aufgeladen werden muss.
Einsatzmöglichkeiten von Freemium
Viele Unternehmen bieten inzwischen solche kostenfreien Basisversionen von Produkten mit digitalen Inhalten an. Die Einsatzmöglichkeiten reichen dabei von normaler Anwendungssoftware für PC-Systeme bis hin zu den genannten Spielemodellen auf unterschiedlichen Plattformen. Einige prominente Beispiele sind:
- Adobe Reader - Die kostenfreie PDF-Leseanwendung bietet viele zusätzliche kostenpflichtige Leistungen wie das Bearbeiten, Exportieren oder digitales Signieren von PDF-Dateien als InApp-Funktionen an.
- DropBox - Der Cloud-Speicherdienst bietet als kostenpflichtige Erweiterung entsprechende Premiumdienste wie mehr Speicherplatz oder spezielle Business-Funktionen in Form von Datensynchronisierung oder Messaging-Funktionen an.
- XING - Das soziale Netzwerk für Privat- und Geschäftsleute bietet neben einem kostenfreien Basis-Account auch eine Premium-Mitgliedschaft mit vielen zusätzlichen und hilfreichen Funktionen an.
- Candy Crush - Eines der prominentesten Beispiele für Freemium in der Spieleszene. Inzwischen mehrere kostenfreie Basisversionen, die mit zusätzlichen Inhalten und Funktionen über InApp-Käufe umfangreich erweitert werden können. Eine weitreichende Social-Media Vernetzung sorgt für zusätzliche Spielmotivation.
- Der Klassiker und den Freemium-Spielen ist WOW (World-Of-Warcraft). Auch hier wird der Basis-Spieleversion eine Vielzahl an InApp-Käufen zur Seite gestellt, um die hier im Mittelpunkt stehende Gruppenerfahrung voll ausleben zu können. Die weltweit einmalige Community zu diesem Spiel fördert im hohen Maße die Umsatzmöglichkeiten für das Unternehmen.
Die Vor- und Nachteile von Freemium
Wie ein bekanntes Sprichwort sinngemäß sagt: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Dies gilt einmal mehr auch für das Freemium-Geschäftsmodell. Gerade die exzessive Kostenlos-Kultur birgt die enorme Gefahr, dass ein entsprechendes Premium-Bezahlsystem gar nicht mehr in Anspruch genommen wird. Im Bereich der publizistischen Medieninhalte wie Nachrichten gehen die Abonnentenzahlen dramatisch zurück. Auch die weitreichend etablierten Paywalls (hier: Zahlungsaufforderung zum Weiterlesen) werden von den Konsumenten inzwischen immer seltener akzeptiert. Alle wichtigen und relevanten Nachrichten sind inzwischen irgendwo im Netz frei erhältlich, wenn auch nur auszugsweise.
Problematisch wird Freemium in dem Moment, wo sich ein Unternehmen mit hohem Risiko diesem Geschäftsmodell nähert, ohne die Kostensituation ausreichend eruiert zu haben. Ein gutes Beispiel sind hier die zuvor erwähnten Nachrichten- und Printmedien. Wenn dann auch nicht abzusehen ist, wie hoch eine mögliche Premium-Konversionsrate zur Kostendeckung ausfallen wird, ist das Freemium-Modell eher eine Gefahr als ein Zuwachs. Es ist zudem zu erkennen, dass viele Nutzer die inzwischen exzessiven Werbeeinblendungen eher stört und damit die Bounce-Rate (Absprungwert) extrem ansteigt.