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Boulevardmedien Definition

Boulevardmedien (© blende11.photo - Fotolia.com)
Boulevardmedien (© blende11.photo - Fotolia.com)

Boulevardmedien haben sich als eigenständiges Genre journalistischen Wirkens etabliert – ihre Anfänge liegen in den Gazetten des ausgehenden 18. Jahrhunderts und neben den Printmedien produzieren auch Fernseh- und Radiosender eigene Boulevard-Formate. Im englischsprachigen Raum werden Boulevardzeitungen als „Yellow Press“ bezeichnet. Inhalte von Boulevardmedien sind vornehmlich Berichte über eher private Belange bekannter Persönlichkeiten und personalisierte wie dramatisierte Nachrichten mit Einzelschicksalen. Diese werden mit Bildmaterial ergänzt.

Boulevardmedien – eine Definition

Der Begriff Boulevardmedien umfasst gedruckte Erzeugnisse wie Magazine oder Zeitungen, Fernseh- oder Radiosendungen ebenso wie Internetportale.

Boulevardmedien kennzeichnet ein bestimmter Stil der Nachrichtenauswahl und –aufbereitung: Gearbeitet wird mit

  • reißerischen, dramatisierenden Überschriften,
  • bei Printmedien und Fernsehsendungen in großen Lettern.

Dazu kommt eine

  • reichliche Bebilderung und eine
  • plakative, simplifizierende Sprache.

Diese Stilmittel und inhaltlichen Ausrichtungen kennzeichnen dieses Genre des Journalismus.

Der Begriff leitet sich aus dem Französischen her – hier bezeichnet Boulevard eine breite Straße. Zu Beginn der Gattung Boulevardmedien waren diese als Zeitung in dem kennzeichnenden Stil herausgegebenen Nachrichten ausschließlich über Straßenverkäufe erhältlich und nicht abonnierbar. Einige Historiker bezeichnen den San Francisco Examiner als Vorläufer dieses Genres, er erscheint seit 1865 im Tabloid-Format, das zur Bezeichnung Tabloid Journalism führte.

 

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Geschichte der Boulevardmedien – ein Überblick

1901 erschien die österreichische „Illustrierte Kronen Zeitung“ und wurde rasch zum auflagenstärksten Blatt dieser Zeit – und zum ersten deutschsprachigen Boulevardmedium. In Deutschland wurde die erste Boulevardzeitung am 22. Oktober 1904 verkauft: Der Verlag der „Berliner Zeitung“ veröffentlichte die erste Ausgabe der „B.Z. am Mittag“. In den 1920er und 1930er Jahren kamen weitere populäre Tageszeitungen im Boulevardstil hinzu wie etwa „Tempo“, das bis zu drei Mal am Tag erschien, oder „Die Stunde“ oder „Der Abend“. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der eine Zäsur im deutschen Pressewesen darstellte, war die erste Boulevardzeitung die regional orientierte „Hamburger Morgenpost“. Sie startete mit der ersten Auflage im September 1949. 1952 debütierte die heute wohl bekannteste und innerhalb Europas auflagenstärkste Zeitung dieses Genres, die überregionale „Bild“-Zeitung, eine Publikation des Verlagshauses Axel Springer. In der Schweiz ist die „Blick“ ein vergleichbares Produkt.

Als „Yellow Press“ sind Boulevardmedien im englischsprachigen Raum bekannt seit dem „Pressekrieg“ des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Mehrere große Verlage in New York wetteiferten um die höchste Auflage und die meisten Leser. Dabei setzte Joseph Pulitzer von der „New York World“ auf einen regelmäßig fortgesetzten Comicstrip „The Yelloy Kid“, der – gelb unterlegt – zu einem auffälligen Merkmal seines Tabloids wurde. Der Zeichner, Richard Outcault, wechselte zum New York Journal und mit ihm die gelb hervorgehobenen Comics in den Sonntagsausgaben. Um 1900 druckten dann bereits viele den Boulevardmedien zugerechnete Zeitungen gelb unterlegte Zeichenserien.

Einordnung im journalistischen Kontext und Formate der Boulevardmedien

Die heutige Presselandschaft ist ausgesprochen vielfältig und an vielen Stellen besonders bunt – im direkten wie im übertragenen Sinne: Die Boulevardmedien heischen um Aufmerksamkeit und setzen dabei auf eingängige Formulierungen, anschauliches Bildmaterial und den Human-Interest-Faktor.

Der Typologie in der Publizistik folgend, sind Boulevardmedien eine Mischung aus Nachrichten- und Informationspresse sowie kommerziell ausgerichteten Formaten. Sie werden häufig als Meinungspresse bezeichnet, die sich durch eine ganz eigene sprachliche und gestalterische Form absetzt.

  • Sensationsorientierte Präsentation der Meldungen und
  • kurze, knappe Berichte zu
  • längeren Foto- oder Filmstrecken

kennzeichnen die Artikel.

  • Schlagzeilen in großen Lettern unterstreichen die
  • allgemeine Sprachökonomie,
  • Hintergrundberichte entfallen meist komplett,
  • teilweise werden Informationen vorenthalten und
  • Sachverhalte verkürzt oder einseitig dargestellt.

Ebenfalls anzutreffen sind auch erfundene Meldungen, die keinen faktisch-sachlichen Kern enthalten.

Bevorzugt behandelte Themen der Boulevardmedien sind solche, die Emotionen ansprechen: In den Berichten über

  • Prominente,
  • Sportereignisse,
  • Mode,
  • Lifestyle,
  • Konsumthemen,
  • Verbrechen
  • oder Unglücksfälle

wird dem sachlich-faktischen Hintergrund eine emotionale Aussage beigeordnet – meist über eine Personifizierung. Nicht selten wird die sachliche Aussage zurückgestellt hinter einer Skandalisierung. Zudem ist ein verbindendes Element die Darstellung nackter oder kaum bekleideter Frauenkörper. „The Sun“ führte diese Abbildungen als „page three girl“ („Seite Drei Mädchen“) ein, auch deutsche Zeitungen wie beispielsweise die „Bild“ pflegen dieses Element.

Spezialisierungen ausschließlich auf Sportthemen oder die Welt der Königshäuser und anderer Prominenter aus Film und Funk sind auch in den Boulevardmedien anzutreffen – Letztere werden als Regenbogen- oder Klatschpresse bezeichnet. Neben den täglichen Boulevard-Zeitungen oder den Webinhalten verschiedener Portale erscheinen zudem Magazine, Zeitschriften oder Fernsehformate in wöchentlichem oder 14-tägigem Rhythmus. Fernsehen und Funk ordnen diese Themen häufig Magazinen zu, die eine Mischung aus Unterhaltung und Information bieten (Infotainment). Zu diesen Boulevardmedien gehören auch geskriptete Reality-Formate wie Polizeireportagen oder Milieudokumentationen.

Boulevardisierung

Boulevardisierung umschreibt den Wandel, dem Medieninhalte und tradierte Medienformate unterliegen, die bisher nicht zu den Boulevardmedien zählten. Die Universität Jena hat in einer Studie bereits 2007 feststellen können, dass sich die Unterschiede zwischen als seriös geltenden Medien wie TV-Nachrichten, Politmagazinen oder überregionalen Tageszeitungen aus dem Informationssektor verschleifen. Die Untersuchung weist darauf hin, dass sich diese Medien zunehmend zu Dienstleistungen hin entwickeln und der Unterhaltungsfaktor stärker gewichtet wird. Nicht länger sind ausschließlich journalistische Aktualitätskriterien ausschlaggebend, in welchem Umfang und in welcher Aufbereitung eine Meldung öffentlich wird. Nachrichten würden zunehmend unpolitischer und Nachrichtenfaktoren wie Personalisierung, Kontroverse und Aggressivität nähmen zu.

OpenPR-Tipp: Menschliche Schicksale, Katastrophen und Kriminalität würden zunehmend boulevardesk aufbereitet. Selbst wichtige Nachrichten hätten nur dann eine Chance, prominent oder überhaupt zu erscheinen, wenn ausreichendes Bildmaterial dazu zur Verfügung stünde. Marginalien zum Leben von Prominenten verdrängten zunehmend weltpolitische Ereignisse im Fokus der Medien.

Fazit

Boulevardmedien gelten als nicht sehr zuverlässig oder seriös. Enthalten ihre Meldungen einen faktischen Kern, wird dieser personalisiert und unbedingt bebildert. Falschbehauptungen sind nicht selten und auch das Bildmaterial wird im Extremfall manipuliert. Wie in allen Bereichen gibt es verschieden starke Ausprägung dieser Stilmittel und zunehmend verwischen die Grenzen zum seriösen nachrichtenorientierten Journalismus.

 

Quellen:

Hermann Meyn: Massenmedien in Deutschland. Neuauflage. UVK Verlags-Gesellschaft, Konstanz 2001, ISBN 3-8966-9299-2.

Johannes Raabe: Boulevardpresse. In: Günter Bentele, Hans-Bernd Brosius, Ottfried Jarren (Hrsg.): Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaft. VS, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-13535-9.

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