Im Bereich der journalistischen Arbeiten findet man häufig spezielle und wiederkehrende Informationen. Eine Pressemitteilung wird in der Regel am Ende der Nachricht mit einem Block an Informationen über den Informationsgeber bestückt. Dies ermöglicht den Empfängern eine klare Erkennung und Zuordnung der Informationsquelle.
Auch in vielen anderen Bereichen wie dem Webseiten-Design oder dem Online-Marketing sind solche zusammenfassende Informationsblöcke bekannt. Wann immer bestimmte Standardformulierungen eingesetzt werden müssen, greift man auf diese Art der Informationsdarstellung zurück. Dabei ist eine zumeist gleichbleibende Mitteilungsstruktur als eindeutiges Merkmal zu erkennen.
Was versteht man unter einem Boilerplate?
Mit dem Begriff Boilerplate (dt. wörtlich Kesselplatte) werden genau genommen Typenschilder für Gegenstände oder Maschinen bezeichnet. Im deutschen Sprachraum wird der Begriff jedoch für eine gleichbleibende Gestaltung von Informationseinheiten verwendet. Als Boilerplate wird hier ein informatives Textfragment, ein Textbaustein oder auch eine Quellcodeeinheit in der Programmierung verstanden. Ein solcher Textbaustein enthält beispielsweise alle relevanten Informationen zu einem Unternehmen, um dies eindeutig zu bezeichnen.
Typischerweise werden hier Angaben wie Firmenbezeichnung und Gesellschaftsform, der Unternehmensstandort mit genauer Adressangabe und die Firmentätigkeit oder das Produktportfolio abgebildet. Bei Presseagenturen würden hier beispielsweise alle Angaben zum Informationsgeber in Form von Agenturbezeichnung, Standort und Verfasser aufgeführt werden. Oftmals wird ein Boilerplate in Verbindung mit journalistischen Tätigkeiten auch als Abbinder bezeichnet. In allgemeinen Druckwerken wird zudem der Begriff des Kurzporträts angewendet. Allen Bezeichnern gemein ist jedoch der gleichbleibende Aufbau und Inhalt der Informationen.
Welche Informationseinheiten ein Boilerplate enthalten kann, ist variabel und vom jeweiligen Einsatzzweck abhängig. Einige mögliche Informationsfelder zeigt die folgende Auflistung:
- Unternehmensbezeichung und Rechtsform (GmbH, AG, OHG etc.)
- Standortangabe des Stammsitzes und evtl. der Niederlassungen
- Unternehmensbereich, Branche und Produktportfolio
- Gründungsjahr, Gründer und aktueller Geschäftsführer bzw. Inhaber
- Unternehmensgröße und Mitarbeiterzahlen
- Börsennotierung, Kursdaten und Umsatzangaben
- Spezialisierungen, Patente und Auszeichnungen
- Referenzen zu Projekte und Kooperationspartner
Anwendungsmöglichkeiten für Boilerplates
Die Anwendungsmöglichkeiten von Boilerplates sind sehr vielseitig und werden in unterschiedlichen Anwendungsbereichen immer stärker genutzt. Die Inhalte sind strukturiert, aber in den verschiedenen Anwendungsbereichen unterschiedlich ausgelegt. Die folgende Auflistung soll exemplarisch die wichtigsten Anwendungsbereiche kurz aufzeigen und erklären:
- Pressearbeit: Vor allem bei journalistischen Arbeiten wird ein Boilerplate oder Abbinder eingesetzt. Im Rahmen einer Pressemitteilung ist mit diesem Informationsblock der Informationsgeber sofort erkennbar. Damit kann beispielsweise ein Pressemitarbeiter in einem Unternehmen beim Zusammenstellen eines Pressespiegels die großen Mengen an Informationen und Nachrichten schnell und sicher den jeweiligen Absendern zuordnen. Oftmals ist in Nachrichten gar nicht zu erkennen, wer der Urheber bzw. Verteiler eigentlich ist. In einem solchen gerne auch als Kurzporträt bezeichneten Textabschnitt sind in der Regel auch weitere Informationen wie das Tätigkeitsfeld, ein Portfolio, Umsatzzahlen oder auch Börsennotierungen vorzufinden. Dies hilft zusätzlich bei der schnellen Kategorisierung des Pressetextes. Ein weiterer Vorteil ist gerade für kleinere Unternehmen oder NGOs (engl. Non-Governmental-Organisations = Nichtregierungsorganisationen) gegeben. Hier ist eine klare Kennzeichnung hilfreich, um Verwechslungen mit Regierungen oder gleichlautenden Unternehmen von Beginn an auszuschließen.
- Online-Marketing: Im Bereich des Online-Marketings kommt der Bezeichnung Boilerplate eine besondere Bedeutung zu. Hier wird in der Regel für gleichbleibend formatierte Produktbeschreibungen auf diese konsistente Darstellung zurückgegriffen. Das Gerüst bildet hier zumeist ein Produktbild, eine Überschrift, ein kleiner Produktteaser und weitere Elemente wie USPs, Kategoriebezeichnung und der Produktpreis. Bei größeren Artikelbeständen werden diese Textschablonen auch für Artikelverzeichnisse oder Begriffslexika verwendet. In diesem Zusammenhang ist auch die gleichbleibende Darstellungsweise für unterschiedliche Verbreitungswege relevant. Bei der Nutzung von Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter, YouTube, Xing oder Messenger-Dienste ist es enorm wichtig, immer gleiche Informationsblöcke zu beispielsweise einem Produkt anzubieten. So ist es Kunden relativ einfach möglich, ein Produkt auch einem Unternehmen direkt zuweisen zu können.
- Webdesign: Bei der Planung, Gestaltung und Programmierung von Webseiten kommt den Boilerplates eine besondere Bedeutung zu. Hier stehen diese Informationsblöcke für wiederkehrende funktionelle oder visuelle Einheiten. Als Beispiel wären hier die Seitenheader und Footerelemente zu nennen. Im Header einer Webseite stehen immer gleiche Informationen wie ein Firmenlogo, eine Texteinheit oder Menüfunktionen zur Verfügung. Vor allen in CMS-Systemen (Content Manangement Systeme) erleichtern diese Bausteine die Webprogrammierung und sorgen zudem für fehlerfreie Seitenbestandteile. Ein Kontaktformular repräsentiert ebenfalls ein Boilerplate, da es an verschiedenen Stellen in der Webseitenstruktur ganz einfach wiederverwendet werden kann.
- Programmierung: Ein weiteres Einsatzfeld für Boilerplates ist die System- oder Anwendungsprogrammierung. Auch hier stehen fertige Codeblöcke als in sich geschlossene Funktionen für die Codegenerierung zur Verfügung. Prominentes Beispiel für den Einsatz solcher Code-Templates ist die API-Programmierung (Application-Programming-Interface). Hier nutzt man die Möglichkeit, von verschiedenen Stellen in der Codestruktur immer wiederkehrende Aufgaben und Berechnungen aufrufen und ausführen zu können. Zudem ermöglichen diese Codestrukturen einen Aufruf von außerhalb der Anwendung, um beispielsweise einen Datenaustausch zwischen zwei unterschiedlichen Programmen leichter und einheitlich durchführen zu können.
Probleme beim Einsatz von Boilerplates
Der Einsatz von Boilerplates wirft aber an verschiedenen Stellen auch Probleme auf. In der Programmierung kann es passieren, dass ein Codefragment in seiner Funktion erneuert wird. Wenn diese Neuerung dann nicht umfassend deklariert und kommuniziert wird, kann eine einwandfreie Funktion oder Parametrisierung dieses Code-Templates nicht mehr garantiert werden.
Vor allem im Webdesign trifft man auf die Problematik, dass solche Text- und Funktionsgruppen von den Suchmaschinen als „Duplicate Content“ erkannt werden. Hier hilft es, wenn man solche Codeblöcke semantisch korrekt auszeichnet und als Header- oder Footerelement deklariert. Auch eine META-Markierung als nicht zu indizierender Bereich hält eine Suchmaschine davon ab, diese Codeblöcke als wiederkehrende Elemente zu erkennen und keine dahingehende Abwertung der Webseite vorzunehmen.