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Im Rollstuhl durch die Vergangenheit: Deutsche Geschichte barrierefrei erleben

14.12.201717:39 UhrKunst & Kultur
Bild: Im Rollstuhl durch die Vergangenheit: Deutsche Geschichte barrierefrei erleben
Der Magdeburger Dom ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Foto: Andreas Lander
Der Magdeburger Dom ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Foto: Andreas Lander

(openPR) Erfurt, 14. Dezember 2017 (tpr) – Eine Burg mit steilem Aufgang, ein Schloss mit prächtiger Freitreppe, ein Klostergarten mit holprigem Natursteinpflaster: Zauberhaft für die einen, frustrierend für die anderen. Viele besonders spannende Orte der Geschichte sind für Menschen mit Behinderungen – oder Kinderwagen – nicht oder nur begrenzt erfahrbar. Nicht überall gelingt der Spagat zwischen Inklusion und Denkmalschutz. Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland (AG) stellt besonders interessante Museen und Attraktionen in der Bundesrepublik vor, die sich erfolgreich und kreativ für kulturelle Teilhabe engagieren. Hier wird Geschichte zum Erlebnis für alle.



Fränkisches Seenland: 2000 Jahre römische Geschichte

Als der Weißenburger Lehrer Erich Kreißl im Jahr 1979 zu seinem Spaten greift, um ein Spargelbeet in seinem Garten zu erweitern, staunt er nicht schlecht. In etwa 40 Zentimeter Tiefe stößt er auf Metallteile, Statuen und Bronzegefäße. Der sensationelle Fund entpuppt sich als größter römischer Schatz in Deutschland. 114 Objekte aus dem Spargelbeet, darunter 17 in Qualität und Zustand einzigartige Götterfiguren, sind heute im Römermuseum in Weißenburg im Fränkischen Seenland zu sehen. Hier wird die Geschichte der Römer in Deutschland erzählt. Vor etwa 2000 Jahren besetzten sie die Region südlich von Nürnberg und errichteten eine monumentale Grenzanlage. Der Limes ist heute UNESCO-Welterbe und das größte Bodendenkmal Europas. Für Rollstuhlfahrer, Blinde und Hörgeschädigte bieten geschulte Museumsmitarbeiter spezielle Führungen an. Am Stadtrand der Römerstadt Weißenburg steht ein weiteres Zeugnis antiker Kultur: die barrierefrei zugänglichen Römischen Thermen, die einen Einblick in die Badekultur der Antike geben.

Magdeburg: 1000 Jahre Otto

Wer nach Magdeburg fährt, kommt an Otto nicht vorbei. Gleich zwei Ottos machten die über 1200 Jahre alte Stadt an der Elbe berühmt: Otto der Große, der erste römisch-deutsche Kaiser, erhob Magdeburg im 10. Jahrhundert zum europäischen Machtzentrum. Der andere, Otto von Guericke, war im 17. Jahrhundert Bürgermeister der Stadt und bekannt für seine Experimente zum Luftdruck mit den Magdeburger Halbkugeln. Im barrierefreien Kulturhistorischen Museum ist unter anderem der berühmte Magdeburger Reiter zu sehen. Es ist eine der bedeutendsten Skulpturen der europäischen Gotik des 13. Jahrhunderts und zeigt wohl Kaiser Otto im Idealtypus eines jugendlichen stauffischen Herrschers. Im Dom „St. Mauritius und St. Katharina“, der für Rollstuhlfahrer ebenerdig zugänglich ist, ist die originale Grablege Kaiser Ottos und seiner ersten Gemahlin Editha zu besichtigen. Für Blinde gibt es vor dem Dom ein tastbares Relief. Der tägliche Stadtrundgang, der die wichtigsten historischen Gebäude verbindet, ist für Rollifahrer barrierefrei. Aber auch Blinde, Seh- und Hörbehinderte, Gehörlose sowie Gäste mit Lernschwierigkeiten können eine spezielle Stadtführung buchen.

Rostock: 800 Jahre hanseatisches Flair

Wenn im August 2018 zur „Hanse Sail“ wieder 200 Traditionssegelschiffe anlegen, verwandelt sich Rostock in eine alte Seefahrerstadt. Piraten durchstreifen den Stadthafen, an den Marktständen können internationale Speisen probiert werden. Es ist auch das Jahr des 800. Geburtstages der Hansestadt. Das feiert das Kulturhistorische Museum mit der Jubiläumsausstellung „Rostock. Jetzt 800“ ab 14. Juni 2018. Das Museum befindet sich in den Räumen des Klosters zum Heiligen Kreuz und zeigt in seiner Dauerausstellung eine umfangreiche kunst- und kulturgeschichtliche Sammlung. Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderungen sind alle Etagen gut zugänglich. Mobile Stühle können ausgeliehen und als Gehhilfe oder Sitzgelegenheit genutzt werden. Für Blinde bietet das Museum eine taktile Tafel mit dem Grundriss sowie Informationen in taktilem Großdruck und in Brailleschrift.

Ruppiner Seenland: 400 Jahre preußische Geschichte

Idyllisch am Grienericksee liegt das Schloss Rheinsberg im Ruppiner Seenland. Hier verbrachte der Preußenkönig Friedrich der Große die „glücklichste Zeit“ seines Lebens, wie er später sagte. Im Jahr 1734, als er noch Kronprinz war, schenkte ihm sein Vater die stattliche Anlage. Er ließ Fenster vergrößern, Wendeltreppen erweitern, Malereien, Stuck und Pomp anbringen. Der damals moderne Stil in Rheinsberg war später Vorbild für Schloss Sanssouci in Potsdam. Mit Dichtern, Musikern und Malern feierte Friedrich hier rauschende Feste. Auch fast 200 Jahre später hatte Rheinsberg nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Der Schriftsteller Kurt Tucholsky würdigte den Ort mit seinem Buch „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“. Das Kurt-Tucholsky Literaturmuseum im Schloss erinnert daran. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Sehbehinderungen und geistigen Einschränkungen bietet Schloss Rheinsberg nach vorheriger Absprache spezielle Führungen an. Auch der großräumige Park ist durch ebene Wege im Rollstuhl gut befahrbar.

Lausitzer Seenland: 150 Jahre Bergbauindustrie

Eine weit jüngere Geschichte hat das Lausitzer Seenland zu erzählen: 150 Jahre Bergbau. Über zwei Milliarden Tonnen Braunkohle holten Bergbauarbeiter in der Region aus bis zu 60 Metern Tiefe. Durch Flutung der ehemaligen Tagebaue entstand und entsteht Europas größte künstliche Seenlandschaft. Heute bieten zahlreiche teils noch aktive Originalschauplätze einen Einblick in die Geschichte der Energiegewinnung. Im Besucherbergwerk F60, einer gigantischen Förderbrücke, können Gäste mit leichten Gehbeschwerden und Rollstuhlfahrer mit Begleitung an einer Kurzführung um das 11 000 Tonnen schwere Baggerfahrwerk teilnehmen. Für blinde Menschen gibt es Führungen mit Ausstellungsobjekten, die ertastet werden können. Auch in der ehemaligen Brikettfabrik Knappenrode können sich Menschen mit Handicap auf Streifzug durch die Geschichte des Lausitzer Bergbaus begeben. Geschulte Gästeführer bieten spezielle Rundgänge an.

Erfurt: über 25 Jahre Friedliche Revolution und 20 Jahre Entdeckung des Erfurter Schatzes

In Erfurt tauchen Besucher nicht weit vom Domplatz entfernt in die jüngste Vergangenheit ein. In der Andreasstraße liegt die gleichnamige Gedenk- und Bildungsstätte, die an die politischen Häftlinge der DDR erinnert und an die mutigen Menschen, die 1989 die erste Besetzung einer Stasi-Bezirksverwaltung wagten. Die umfassende Dauerausstellung zur SED-Diktatur auf verschiedenen Etagen ist durch einen Fahrstuhl auch für Menschen im Rollstuhl zugänglich. Ein neuer Lift bringt sie in die Freihofzellen mit ihren drei Meter hohen Mauern und Wachgängen. Hörgeräteträger können einen Audioguide nutzen. 500 Meter von der Gedenkstätte entfernt, liegt die Alte Synagoge. Sie erzählt die Geschichte des mittelalterlichen jüdischen Lebens in Erfurt und zeigt den Erfurter Schatz mit seltenen Objekten aus dem 13. und 14. Jahrhundert, darunter Silbermünzen und Silbergeschirr. Auch hier macht ein Aufzug den Zugang für Rollifahrer möglich. Der Besucher wird mit einem Videoguide durch das Haus geführt, der über eine Hörschleife auch für Hörgeschädigte nutzbar ist. Blinde Menschen können eine Tastführung über die Museumspädagogik des Hauses buchen.

Weitere Ideen für barrierefreie oder zumindest barrierearme Kulturerlebnisse in Deutschland liefern die Mitglieder der AG auf ihrer Website www.barrierefreie-reiseziele.de.?

Online-Pressebereich mit Bildarchiv zum Thema: www.press-area.com/ag-barrierefrei/bildarchiv/thematische-bildarchive/erlebnis-geschichte.html

Herausgeber:
Arbeitsgemeinschaft "Barrierefreie Reiseziele in Deutschland"
vertreten durch Erfurt Tourismus und Marketing GmbH
Benediktsplatz 1
99084 Erfurt

Kooperation mit Deutscher Bahn AG:

Seit 2008 arbeitet die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland eng mit der Deutschen Bahn AG (DB) zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation entstanden individuelle Mobilitätspakete bzw. Reiseangebote, welche auf die Wünsche und Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Urlauber abgestimmt sind.

Fördermitglied der Deutschen Zentrale für Tourismus:

Seit 2010 ist die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland Fördermitglied der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Die DZT ist das nationale "Tourist Board" mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Sie entwickelt und kommuniziert Strategien und Produkte, um das positive Image der deutschen Reisedestinationen im Ausland weiter auszubauen und den Tourismus nach Deutschland zu fördern. Dabei bewirbt sie konsequent die vorbildlichen barrierefreien Angebote in Deutschland.

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