(openPR) Winsen (Luhe), den 30.10.2017: Ein bisschen paradox ist es schon: Ging es gerade im Mutterland des Fahrzeugbaus früher vornehmlich um Schnittigkeit, Leistung, PS, Fahrdynamik, Effizienz, Benzinsparen, so erfüllt der SUV einige dieser Anforderungen nun nicht gerade. Warum erfreut sich der SUV also einer immer größeren Beliebtheit?
SUV - das bedeutet Sport Utility Vehicle, und eigentlich sind die in der Regel wuchtigen Automobile, die einen nicht gerade niedrigen Windwiderstand haben, für das Fahren in unwegsamen Gelände gedacht. Trotzdem findet man sie gern gerade in Städten, in denen Parkplätze und spritsparendes Fahren bekanntlich Mangelware sind.
Verkehrsforscher, Automobilclubs und natürlich Verantwortliche in den Designerlaboren der Fahrzeughersteller schauen sich die Statistiken und Gründe für den ungebrochenen Boom genau an. So stellt man fest, dass insbesondere Frauen den SUVs besonders zugetan sind. Dabei scheint sich der Wunsch nach Schutz und Sicherheit auszudrücken. SUVs haben in der Regel eine deutlich erhöhte Sitzposition, sind breiter und wuchtiger, gelten als Blechberge und vermitteln so offenbar das Gefühl, besonders geschützt unterwegs zu sein. Im Fall eines Unfalls stimmt dies sogar - das Risiko, in einem SUV tödliche Veletzungen zu erleiden, ist erheblich geringer als das in einem Kleinwagen. Andersherum sind die Chancen für Fußgänger, Fahrer kleinerer, weil niedrigerer Fahrzeuge oder auch Motorradfahrer gegen SUVs erheblich schlechter als bei einer Kollision mit herkömmlichen Limousinen. Der hohe Aufbau mit entsprechend angeordneten Frontstrukturelementen spricht gegen die Crash-Kompatibiltät.
Auch ältere Menschen greifen gern auf diese Form des Autos zurück. Hoher Aufbau ist hier gleichbedeutend mit bequemerem Ein- und Ausstieg. Aber auch bei den "Millennials" kommt das kraftstrotzende Auto gut an. Masse, Gewicht und Gesamtkonzeption eines SUV widersprechen dabei dem an sich doch gestiegenen Umweltbewusstsein. Natürlich verbraucht ein schweres und nicht gerade windschnittiges Fahrzeug mehr Kraftstoff als ein Kleinwagen oder eine effiziente Limousine. Mehr Kraftstoff ist dabei gleichzusetzen mit einem höheren CO2-Ausstoß.
Selbst die Porsche AG, deren Vorzeige- und Traumauto der Deutschen doch eigentlich der berühmte 911er ist, verkaufte im Jahr 2016 knapp dreimal so viele SUVs (die Modelle Cayenne und Macan) als die schnittigen 911er und Boxster. Ein Ende des allgemeinen SUV-Booms ist nicht abzusehen.
Insbesondere in den asiatischen Schwellenländern wie China, in denen sich der SUV rapide wachsender Beliebtheit erfreut, transportiert dieser jedoch noch eine ganz andere Bedeutung: je größer und schwerer, desto teurer, und das Zurschaustellen von Reichtum insbesondere auf der Straße scheint dort eine große Rolle zu spielen.
Interessant wird sein, wie die EU-Verordnung, dass Neuwagen, die ab 2020 das Werk verlassen, nur noch 95 mg CO2 ausstoßen dürfen, fürs SUV-Segment eingehalten werden kann.











