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UN/POLISHED 2 - Neue Choreografie aus Warschau und Berlin

06.10.201711:53 UhrKunst & Kultur

(openPR) Es wird ein Crashkurs – schnell und intensiv – darin, wie man trotz besonders knappem Budget zu nationaler Größe kommt, so Kurator Mateusz Szymanówka mit mildem Spott. UN/POLISHED 2 nimmt am Beispiel polnischer Tanz- und PerformancekünstlerInnen die inter-/nationale Identität von zeitgenössischem Tanz in den kritischen Blick. Ist in diesem Kontext das Nachdenken über Zentrum und Peripherie relevant?


Falls ja – wo ist die Originalquelle seiner Zeitgenossenschaft angesiedelt oder ist Tanz aus den, häufig so gefühlt, Außenbezirken nur so etwas wie die Fake-Version einer „richtigen“ Rolex? Was also ist die Geografie des zeitgenössischen Tanzes, wer ist inter-/national? Polnische TanzkünstlerInnen – ChoreografInnen wie PerformerInnen – stehen permanent in dieser Auseinandersetzung.

UN/POLISHED entstand 2016 aus der Eigeninitiative von in Berlin lebenden und miteinander arbeitenden polnischen TänzerInnen und ChoreografInnen. Dabei kristallisierte sich der Name UN/POLISHED schnell heraus und fühlte sich gleich aus zwei Gründen passend an, so Mateusz Szymanówka, der schon im Gründungsteam des Festivals arbeitete.
Erstens beschreibt der Titel die Frage des Polnischseins („Polishness“) der Werke und die persönliche Unbehaustheit international reisender und arbeitender polnischer TänzerInnen und ChoreografInnen, die noch nicht regelmäßig im Heimatland auftreten können. Zeitgenössischer Tanz ist in Polen erst auf dem Weg zu einer gefestigten Tradition. Zweitens greift UN/POLISHED die Produktionsbedingungen auf, die die künstlerische Arbeit kennzeichnen: dauernd und leicht schizophren entlangschrammend an komplett unterschiedlichen institutionellen und politischen Landschaften, gesellschaftlichen Diskursen, geschichtlichen Gegebenheiten und Publikumszielgruppen.

Diese Rauheit, das notwendig Unpolierte, soll auch in der diesjährigen Ausgabe präsent bleiben. UN/POLISHED 2 wird, wieder im DOCK 11, ein erweitertes Programm präsentieren können, präsentiert durch das Polnische Institut Berlin. Dessen Direktorin Hanna Radziejowska sieht ihr Haus als eine Institution des Dialogs, die den Mut hat, in den öffentlichen Raum hinauszutreten: „Vielleicht verlangt gerade heute das Ansprechen von schwierigen und für die Gesellschaft polarisierenden polnischen Erfahrungen – und das nicht nur im Bereich der Kultur – nach dem Mut der Performativität, nach dem Schritt nach ,draußen‘, eben auch durch einen bis jetzt marginalisierten Bereich der polnischen Kultur, den zeitgenössischen Tanz.“

Diese engagierte Haltung von Hanna Radziejowska und die auch geografisch grenzüberschreitende Programmierung von Festivalkurator Mateusz Szymanówka geben UN/POLISHED 2 das besondere Gesicht. Berliner Produktionen – entstanden aus, in und mit der polnischen zeitgenössischen Tanzszene der Stadt – sind „Raw Light” von Anna Nowicka, „Daughers of Lust” von Zuzanna Ratajczyk, „Don’t Go For Second Best, Baby!” von Ania Nowak und „Mothers of Steel” von Agata Siniarksa & Madalina Dan.
Zum ersten Mal sind auch Produktionen aus Warschau wie „TOTAL“ von Pawel Sakowicz und „Emerging from Action” von Marysia Stoklosa eingeladen, ebenso wie die internationale Produktion „Moving the mirror” von Peter Pleyer, die aus einem deutsch-polnischen TänzerInnen-Austausch entstanden ist.
Außerdem diskutiert ein international besetztes Podium am letzten Veranstaltungstag die dem ganzen Festival und seinem Programm unterliegende Frage „Who’s inter/national?“ Als TeilnehmerInnen werden erwartet: Ricardo Carmona (Tanzkurator HAU Berlin, Portugal), Manuel Pelmus (Choreograf und Bildender Künstler, Rumänien), Agata Siniarska (Tänzerin, Theorie- und Praxisliebhaberin, Polen) und Ana Vujanovic (Wissenschaftlerin, Autorin und Dramaturgin, Serbien). Moderation: Kirsten Maar (Theater- und Tanzwissenschaftlerin, Deutschland).


UN/POLISHED 2
Von und mit: Ania Nowak, Anna Nowicka, Peter Pleyer, Zuzanna Ratajczyk, Pawel Sakowicz, Agata Siniarska, Madalina Dan, Marysia Stoklosa
Kuratiert von: Mateusz Szymanówka

Präsentiert von: Polnisches Institut Berlin
Finanzielle Unterstützung: Adam-Mickiewicz-Institut
Partner: Art Stations Foundation by Grazyna Kulczyk
In Kooperation mit: DOCK 11, Berlin


Über das Polnische Institut Berlin
Das Polnische Institut Berlin vermittelt seit seiner Gründung im Jahr 1956 nicht nur die polnische Kultur in Deutschland, sondern will vielmehr Interesse und Begeisterung für alle Aspekte des facettenreichen und vielfältigen gesellschaftlichen Lebens im Nachbarland wecken. Es versteht sich als Mittler, Plattform und kompetenter Ansprechpartner für deutsche Kulturschaffende und Künstler, aber auch Institutionen und Kultureinrichtungen, die an einem Austausch mit Polen interessiert sind. So entstehen nachhaltige Netzwerke und Kooperationen, die im kleinen und großen Maßstab wesentlich zur Stärkung der europäischen Wertegemeinschaft beitragen und bestehende Horizonte erweitern. Weltweit gibt es gegenwärtig 25 Polnische Institute, im deutschsprachigen Raum zählen dazu neben dem Berliner Haus und seiner Filiale in Leipzig auch die Institute in Düsseldorf und in Wien.

Über das Tanzfestival UN/POLISHED 2 hinaus wird das „performative Handeln“ ein Programmschwerpunkt des Polnischen Instituts Berlin von Oktober bis Dezember 2017 sein: so das von Oskar Schlemmers Triadischem Ballett inspirierte soziale Projekt der Künstlerin und Aktivistin Iza Rutkowska im öffentlichen Raum in Berlin oder die neue Arbeit von Liliana Piskorska, Public Displays of Affection, die auf spielerische Art mit der Sprache des Tanzes umgeht und das gegenwärtige Polen im Blick hat. Die für Ende des Jahres geplante Ausstellung Die Nähe der geraden Linie. Performativität der Avantgarde wird die BerlinerInnen einladen, den Spuren von Katarzyna Kobro, der Ikone der polnischen Avantgarde der Zwischenkriegszeit, auf der Suche nach der Beziehung zwischen Raum, Zeit und Bewegung nachzugehen.

Vorstellungen:
18. Oktober 2017
19:00 Uhr
TOTAL Pawel Sakowicz
20:30 Uhr
Raw Light Anna Nowicka

19. Oktober 2017
20:00 Uhr
Moving the mirror
Peter Pleyer

20. Oktober 2017
19:00 Uhr
Emerging from Action
Marysia Stoklosa
20:30 Uhr
Daughers of Lust
Zuzanna Ratajczyk feat. Eoghan Ryan

21. Oktober 2017
20:00 Uhr
Don’t Go For Second Best, Baby! Ania Nowak

22. Oktober 2017
20:00 Uhr
Mothers of Steel Agata Siniarksa & Madalina Dan

Podiumsdiskussion:
Who‘s inter/national?
22. Oktober 2017
17:00 Uhr

Ort:
DOCK 11
Kastanienallee 79
10435 Berlin

Tickets pro Tag:
15 EUR/10 EUR erm.

Reservierungen: E-Mail
oder Tel. 030-351 20 312

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