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Unterwegs für Inklusion und Teilhabe

31.08.2017 • 15:10 Uhr • Gesundheit & Medizin
Stephanie Aeffner (Bildmitte) besuchte die Stiftung Liebenau
Stephanie Aeffner (Bildmitte) besuchte die Stiftung Liebenau

(openPR) MECKENBEUREN-LIEBENAU – Seit September 2016 ist Stephanie Aeffner Landes-Behindertenbeauftragte in Baden-Württemberg. Die politische Sommerpause nutzt sie zum Austausch mit sozialen Trägern, besucht deren Dienste und Einrichtungen und kommt dabei mit Menschen mit Assistenzbedarfen, Mitarbeitenden und Verantwortlichen in den Dialog. Jetzt war sie bei der Stiftung Liebenau zu Gast.



Beim Fachaustausch in Liebenau ging es Stephanie Aeffner vor allem darum, einen praktischen Eindruck von der unterstützenden Assistenz- und Betreuungsarbeit zu erhalten. Jörg Munk, Geschäftsführer der Liebenau Teilhabe, führte die Landes-Behindertenbeauftragt durch Wohnheime und Werkstätten am und rund um den Standort Liebenau. An den jeweiligen Stationen standen die Fachleute der Stiftung Rede und Antwort, auch der Werkstattrat der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) nahm die Gelegenheit zum Austausch wahr und berichtete über die Arbeitsbedingungen und Freizeitmöglichkeiten.

Für landesweit gleichwertige Lebensverhältnisse

Die Themen Inklusion und Teilhabe sind gerade im Hinblick auf das neue Bundesteilhabegesetz in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung getreten. Für Stephanie Aeffner ist der Weg dorthin trotzdem noch weit. In der Stiftung sieht man die Problematik ganz ähnlich. „Ordnungs- und Leistungsrecht werden nicht immer im Sinne der Inklusion ausgelegt. Diese Unterschiede dürfen sich nicht noch weiter zersiedeln“, sagte Jörg Munk. Er plädierte dafür, landesweit gleichwertige Lebensverhältnisse für Menschen mit Behinderung anzustreben.

Würzburger Modell

Beim Besuch des Hauses Teresa erhielt Stephanie Aeffner gleich einen Eindruck davon, wie die aktuellen Lebenssituationen von Menschen mit hohen Unterstützungsbedarfen aussehen. Das Haus ist nach dem therapeutischen Prinzip des Würzburger Modell eingerichtet. Diese spezielle Form der inneren Wohngemeinschaftsstrukturierung trennt einzelne Areale mit Holzwänden und Regalen ab, schafft Nischen und Rückzugsräume und bietet gleichzeitig soziale Kontaktmöglichkeiten durch Sichtschneisen und Gucklöcher. Soviel Rückzug wie nötig, soviel Teilhabe am Gruppenleben, wie jedem Einzelnen möglich ist.

Arbeitsherausforderungen im Alltag

Peter Brauchle, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung nutzte die Gelegenheit, um über die konkreten Arbeitsherausforderungen im Alltag für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu informieren. Rücksichtnahme auf individuelle Belastbarkeit ist auch in der WfbM oberstes Prinzip. Aus erster Hand erfuhr Stephanie Aeffner vom Werkstattrat von den Möglichkeiten, Arbeits- und Förderbedingungen ganz individuell an das Leistungsvermögen der Beschäftigten anzupassen oder flexible Lösungen für Rentner zu finden, die noch Lust am Mitarbeiten haben.

Therapiemöglichkeiten in der St. Lukas-Klinik

Welche Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Mehrfachbehinderungen und psychischen Erkrankungen bestehen, erfuhr Stephanie Aeffner bei der Besichtigung der St. Lukas-Klinik von Alfons Ummenhofer, Mitglied der Klinikleitung: „Die Durchlässigkeit von stationären und ambulanten Therapie-Angeboten ist die große Stärke am Standort Liebenau“, erläuterte Ummendorf. Die weitere Ausgestaltung des Bundesteilhabegesetzes führt auch mit Blick auf diesen Personenkreis zu zahlreichen Herausforderungen. „Das Gesetz stellt uns insgesamt im Moment vor zahlreiche Fragen, deren Beantwortung sicherlich noch jede Menge Zeit benötigen wird“, sagte Dr. Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau.
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