(openPR) Winsen (Luhe), den 14.08.2017: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Da man recht viel Zeit in seinem Auto verbringt und in Europa überwiegend Rechtsverkehr herrscht, treibt einem ein bevorstehender Urlaub im Vereinigten Königreich schon im Vorweg die Schweißperlen auf die Stirn. Müssen die Briten doch immer so skurril sein und im Gegensatz zum Rest des Kontinents ausgerechnet den Linksverkehr protegieren.... Historisch gesehen liegt die Skurrilität jedoch eher beim Rechts- als Linksfahren.
Fortbewegungsmittel ganz früher waren schlichtweg die Füße, durch die Domestizierung von Pferden dann auch ebendiese sowie von ihnen gezogene Kutschen. Schon die Heere der Griechen, Römer oder Ägypter marschierten linksseitig. Beweglicher Straßenverkehr mittels Pferd und/oder Kutschen und Planwagen fand ebenfalls auf der linken Seite statt. Grund dafür: Der überwiegenden Teil der Menschheit ist Rechtshänder. So trugen die Soldaten oder Krieger der jeweiligen Streitkräfte ihre Schwerter oder andere Waffen links, um sie mit der rechten Hand ziehen zu können - und den rechts entgegen kommenden Truppen entsprechend praktisch begegnen zu können. Wer Reiter ist oder generell schon einmal ein Pferd bestiegen hat, weiß auch: Traditionell steigt man links auf. Auch hier der historische Grund: Das Schwert eines Soldaten oder später Ritters hing auf der linken Seite, sodass das Aufsteigen aufs Pferd von links nicht behindert wurde und der rechts entgegenkommende Feind mit der rechten Hand bekämpft wurde.
Auch der rollende Verkehr fuhr links, der Kutscher oder Lenker saß aber rechts. Mussten die ziehenden Pferde per Peitsche angetrieben werden, holte der Kutscher natürlich aus - meist mit der rechten Hand. Und das wäre schlecht gegangen, hätte der Kutscher auch links gesessen, denn die hinter ihm sitzenden Passagiere hätten die Peitsche ebenfalls zu spüren bekommen. So habe die Briten eigentlich nichts weiter getan, als die historischen Fahrwege zu übernehmen. Weltweit wird übrigens in 59 von 221 Ländern links gefahren, was knapp einem Viertel entspricht; da dazu aber so bevölkerungsreiche Länder wie Indien gehören, beträgt die Zahl der weltweit registrierten linksfahrenden Fahrzeuge sogar ein Drittel. Auch das historisch bedingt - denn die meisten der den Linksverkehr führenden Nationen sind ehemalige britische Kolonien oder Dominions.
Zum Rechtsverkehr kam es folgendermaßen: Im Gegensatz zum Reiter oder Kutscher gingen die Fußgänger in Frankreich, und das waren die meisten aller Verkehrsteilnehmer, da die arme Bevölkerung sich weder ein Pferd noch eine Kutsche leistete, auf der rechten Seite. Im Zug der französischen Revolution wurde die Gleichheit aller Bürger angestrebt - und die Linksfahrregel auf die rechte Seite, sozusagen die Seite des Proletariats, verlegt. Der kurze Zeit später herrschende Napoleon verordnete den von ihm eroberten Ländern ebenfalls Rechtsverkehr und stellte so nach und nach in vielen Ländern Europas die bis heute geltende Ordnung her. Deutschland blieb beim Rechtsverkehr. Einige Länder machten zwar nach dem Abzug der französischen Besatzer wieder einen Rückzieher und führten den Linksverkehr erneut ein, wurden jedoch spätestens durch die erneute Besatzung im zweiten Weltkrieg wiederum auf die rechte Seite gezwungen.
Schweden zum Beispiel, nie den Franzosen oder Nationalsozialisten anheim gefallen, blieb sogar bis 1967 beim Linksverkehr und passte sich dann der Verkehrssituation der Nachbarländer an. Mittlerweile bewegen sich dermaßen viele Fahrzeuge auf den heimischen Straßen, dass kaum mehr vorstellbar erscheint, eine Änderung der Fahrtrichtung erfolgreich vornehmen zu können. Es ist also nicht anzunehmen, dass sich an den derzeitigen Verhältnissen etwas ändert.






