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Revier-Tipps für Segler: Vom Atlantik über den Rio Guadalquivir nach Sevilla und vice versa

29.05.201714:10 UhrTourismus, Auto & Verkehr
Bild: Revier-Tipps für Segler: Vom Atlantik über den Rio Guadalquivir nach Sevilla und vice versa
Segeln Guadalquivir nach Sevilla
Segeln Guadalquivir nach Sevilla

(openPR) Revier-Tipps für Segler:
Vom Atlantik über den Rio Guadalquivir nach Sevilla und vice versa


Allgemeine Information
Der Guadalquivir ist mit einer Länge von etwa 360 Seemeilen der fünftlängste Fluss Spaniens und als einziger für die Container-Schifffahrt bis Sevilla befahrbar. Die schiffbare Länge beträgt ab Mündung etwa 55 Seemeilen.
Der Name leitet sich ab vom arabischen ?????? ??????, al-wad al-kabir oder Wadi al-Kabir, ?????? ??????: der große Fluss. Er grenzt an das Naturschutzgebiet Coto de Doñana.
Von Gibraltar segelt man cirka 100 Seemeilen zur Mündung, von Tarifa 70 Seemeilen, von Cadiz 15 Seemeilen, von Huelva 35 Seemeilen und von Faro 70 Seemeilen.
Seine Mündung liegt bei der Stadt Sanlucar, zirka 15 Seemeilen nordnordöstlich von Cádiz bzw. zirka 65 Seemeilen nordwestlich von Tarifa.

Kurz vor Sevilla liegt eine Schleuse, um der Berufs- und Sportschifffahrt die Zufahrt zu Sevilla zu ermöglichen. In Sevilla selbst befinden sich mehrere Sportboot-Häfen, allerdings muss man dazu eine Brücke passieren, die – nur für Segelschiffe aufgrund der Masthöhe relevant - nur einmal am Tag öffnet. Alternativ befindet sich knapp nach der Schleuse rechterhand eine Marina (Herkules Marina Sevilla), die auch ohne Passage der Brücke ansteuerbar ist.
Knapp abwärts der Schleuse ist eine Flussgabelung. Man kann, vom Atlantik kommend und ohne die Schleuse passieren zu müssen, etwa 1,5 Seemeilen in diesen anderen Flussteil fahren und gelangt zur Marina Gelves. Dort befinden sich ein immer zugänglicher Schwimmsteg und eine Marina, die für Schiffe mit geringem Tiefgang bei Flut zugänglich ist.

Warnungen
Die professionellen Flussschiffer sind Segelschiff-Verkehr nicht gewöhnt und suchen bei Nachtfahrten eventuelle Ankerlichter nicht, wie unter Seglern üblich, am Himmel, sondern in der Horizontalen. Selbst wenn man am Randes des Flusses und gut außerhalb des Fahrwassers ankert, ist es zwingend nötig, gut sichtbar befeuert zu sein. Es empfiehlt sich dazu eine kräftige 360°-LED-Lampe an Deck, stromgespeist aus dem Zigarettenanzünder.
Im Fahrwasser des Flusses gibt es an der Position 36°54'34.8"N 6°12'41.1"W eine potentielle Gefahrenstelle, da der nordwestlichere Teil des Fahrwassers versandet. Es ist hier nötig, sich mittig oder im leicht südöstlichen Teil des Fahrwassers zu halten.
Die maximale Masttop-Höhe darf aufgrund der den Fluss überquerenden Stromleitungen zwischen Flussgabelung kurz flussabwärts der Schleuse und der Marina Gelves nach Information der Marina Gelves 19 Meter betragen, nach Information der digitalen Seekarten von Navionics allerdings nur 16,5 Meter.

Gezeiten und Gezeitenströme
Für alle Ankermanöver im Fluss ist es essentiell, den Gezeitenstand zu kennen, um beim Ankern nicht trocken zu fallen.
Für Segelyachten ist es unabdingbar, die Gezeitenströme zu nützen, um flussauf und flussab zu fahren. Gezeiteninfo erhält man zB aus der PC-Software WX-Tide, aus einschlägigen Navigationsprogrammen wie zB. Navionics oder klassisch aus einem mitgeführten Tidenkalender.
Die Höhe der Gezeit beträgt sowohl bei der Mündung als auch bei der Schleuse maximal ca. 2,5 Meter. Die Strömungsgeschwindigkeit beträgt bis zu ca. vier Knoten.

Wenn man etwa eine Stunde vor „Niedrigwasser von Sanlucar“ Bonanza passiert und den Fluss hochfährt; und diese eine Stunde gegen den – durch die Zwölftelregel geringen – Strom flussaufwärts motort, um danach mit der einsetzenden Flut deutlich schneller hoch zu fahren, ist es möglich, mit dieser Flut bis knapp vor oder sogar bis zur Schleuse zu gelangen.

Gelingt das nicht, ist es sinnvoll, sich noch im Tageslicht einen Ankerplatz zu suchen, um auf die nächste Flut zu warten. Gleiches gilt sinngemäß fürs Abwärts-Fahren.

Ankern
Es ist möglich, in der Mündung und an weiteren Stellen im Fluss zu ankern; und auch, an diesen Ankerplätzen zu nächtigen. Beim Ankermanöver ist dringend darauf zu achten, dass
• man gut außerhalb des Fahrwassers ankert,
• die Wassertiefe unter Berücksichtigung der Gezeit auch bei Ebbe ausreichend ist,
• der Strom alle sechs Stunden kippt und in die Gegenrichtung fließt. Also muss auch in dieser Richtung genug Platz zum Schwojen sein.

Die Flussfahrt aufwärts
Als Ausgangshafen dient die Marina America in Cadiz (36°32'25.7"N 6°17'02.7"W) oder die Marina Cipiona (36°44'48.7"N 6°25'47.1"W).
Ab der Kleinstadt Bonanza an der engsten Stelle der Mündung sind die Gezeitenstöme mit bis zu vier Knoten derart kräftig, dass es keinen Sinn macht, gegen die Strömung zu motoren. Möchte man daher günstigen Strom abwarten, gibt es im Mündungsbereich zwei Ankerpätze, die auch in der Nacht bedenkenlos genützt werden können, sofern man ein kräftiges Ankerlicht auf Deckshöhe installiert.
Ankerplatz 1: 36°47'45.6"N 6°21'03.8"W
Die Wassertiefen sind bis ca. 120 Meter Entfernung zum Land ausreichend, auch bei Ebbe. Man hat Sicht auf den offenen Atlantik. Bei kräftigeren Westwinden ist der Ankerplatz nicht zu empfehlen, bei leichten Westwinden bis 3 Bft. ist der Platz ruhig.
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Ankerplatz 2: 36°48'18.5"N 6°20'37.9"W
Dieser Ankerplatz liegt geschützt bereits hinter der engsten Stelle der Mündung und ist bei jedem Wetter sicher. Die Wassertiefen sind bis ca. 170 Meter Entfernung zum Ufer ausreichend.
Der weitere Streckenverlauf ist selbsterklärend. Man folgt dem betonnten Fahrwasser, das ausreichend Wassertiefe bietet. Die ersten zwei Drittel der Strecke verlaufen entlang unbebauter Ufer; man kann Flamingos, Störche und Seeadler beobachten, viele Bäume tragen Storchennester.
Außerhalb das Fahrwassers ist das Ankern erlaubt. Es gibt auf der Strecke mehrere schöne Ankerplätze,; etwa auf halber Strecke liegt zum Beispiel dieser: 37°01'43.9"N 6°07'49.9"W.
Beachte die Warnung bzgl. der versandeten Stelle im Fahrwasser unter „Warnungen“.
Im letzten Drittel der Strecke nimmt die menschliche Bebauung zu, wenn auch keineswegs störend. Es ist möglich, vor dem Ort Puebla del Rio zu ankern, eventuell sogar, festzumachen. Dazu weitere Info unter Puebla del Rio.

Die Flussfahrt abwärts
Es gilt sinngemäß das Gleiche wie bei der Fahrt hinauf. Zu beachten sind die Öffnungszeiten der Schleuse in Relation zur Uhrzeit „Hochwasser von Puerto Gelves“. Wenn man knapp vor oder bei Hochwasser abwärts schleust, kann man noch sechs Stunden gute Fahrt in Richtung Atlantik machen. Wenn man nach Hochwasser schleust, empfiehlt es sich, in Puerto Gelves festzumachen, um zur richtigen Zeit mit dem Ebbstrom flussabwärts zu fahren.
Die Schleuse hoch
3 Kabellägen unterhalb der Schleuse gabelt sich der Guadalquivir an Position 37°18'56.3"N 6°00'56.6"W. Der Westarm führt nach Puerto Gelves, der Ostarm zur Schleuse.
Die Schleuse hat eine Länge von 280 Metern, eine Breite von 39 Metern und eine Tiefe von 11 Metern. Das Aufwärts-Schleusen ist kostenfrei und muss beim Hochschleusen nicht angemeldet werden.
Unterhalb der Schleuse auf Ostseite des Flusses sind einige Festmache-Stege, die für Yachten aufgrund der Tide wenn überhaupt, dann maximal bei Hochwasser zu benützen sind. Hat man Wartezeit, kann man problemlos am Beginn des Westarms, der nach Puerto Gelves führt, in einnehmend hübscher Umgebung ankern.
Möchte man die Schleuse passieren, ist es spätestens an dieser Stelle üblich, wenn auch nicht zwingend nötig, mit dem Schleusenwart auf Kanal 12 oder per Telefon unter +43 954 282700 zu kommunizieren. Manche Schleusenwärter sprechen passables Englisch, andere nur Spanisch.
Die Öffnungszeiten der Schleuse für Sportboote in lokaler Uhrzeit. Ab Beginn der Winterzeit gilt „Zeitraum der Winterzeit“, gleiches für die Sommerzeit.
Auch außerhalb dieser Öffnungszeiten ist es nach Absprache mit dem Schleusenwart möglich, gemeinsam mit einem Berufsschiff einzufahren.
Das Schleusenmanöver selbst ist unkompliziert. Zusätzlich erleichtert man das Schleusen noch, wenn man zum Zeitpunkt „Hochwasser von Puerto Gelves“ in die Schleuse fährt, denn dann beträgt der Schleusenhub nur wenige Dutzend Zentimeter. In jedem Fall Fender nicht vergessen.
Die Öffnungszeiten der Schleuse nach/von Sevilla sind hier zu finden:
https://sailorama-segelreisen.at/de/revier-tipps-guadalquivir-sevilla.html.
Nach Einfahrt in die Schleuse wählt man sich einen Platz üblicherweise an der östlichen Seite. Nach Information des Schleusenwartes kann man aber beide Seiten wählen.
Nun bringt man an der Schleusenwand an den vorhandenen Eisenbügeln eine Bug- und eine Heckleine auf Slip an. Wenn man bei Flut einfährt, wählt man Bügel auf Augenhöhe. Fährt man bei Ebbe ein, ist es vorteilhaft, die Leinen möglichst weit oben anzubringen, damit der gewählte Beschlag während des Schleusens nicht geflutet wird.
Wer weniger deutsche Gründlichkeit pflegt, macht sich mit nur einer Leine in Schiffsmitte fest, und steuert das ganze Manöver aus der Hand, indem man sich mit wenig Kraft von der Schleusenwand wegdrückt.

Gleich welche Variante man bevorzugt: es ist nicht nötig, während oder nach dem Schleusen von Bord zu gehen, um Leinen zu bedienen. Das Wasser in der Schleuse ist nie kräftig bewegt, es wirken daher keine starken Kräfte auf das Schiff.
Nach dem Schleusenmanöver verlässt man erst, wenn das Schleusentor zur Gänze geöffnet ist, die Schleuse in Richtung Sevilla.

Die Schleuse abwärts
Sinngemäß gilt das Gleiche wie fürs Hochschleusen.
Für das Abwärtsschleusen ist es offiziell zwingend nötig, dass der Liegeplatzbetreiber mit dem Schleusenwart kommuniziert und diesem das Kommen der Yacht ankündigt.
Möchte man nach dem Abwärts-Schleusen noch möglichst weit entlang des Guadalquivirs Richtung Atlantik kommen, wählt man sich einen Schleusentermin kurz vor „Hochwasser von Puerto Gelves“ oder spätestens bei Hochwasser. Somit hat man nur wenige Dutzend Zentimeter Niveauunterschied; und kann unterhalb der Schleuse mit dem einsetzenden Ebbstrom Richtung Atlantik.
Puebla del Rio (unterhalb der Schleuse)
An der Position 37°15'51.4"N 6°03'37.0"W liegt das verschlafene Dörfchen Puebla del Rio und ist einen Stopp wert.
Es ist möglich, vor dem einzigen Steg mit Bug- oder Heckanker zu ankern und Landleinen an den Steg auszubringen, um trocken an Land zu kommen. Man hat ein Zeitfenster von maximal vier Stunden, also zwei Stunden plus/minus „Hochwasser von Puerto Gelves“, weil außerhalb dieses Zeitraumes die Wassertiefen selbst am Kopf des Steges nicht mehr ausreichen.
Alternativ ankert man außerhalb des Fahrwassers im Fluss entweder auf Dorfseite oder gegenüber, wobei bei zweit Genanntem die Aussichten und der Sonnenuntergang hübscher sind.
An Land neben dem Steg gibt es rechterhand ein angeblich gepflegtes Restaurant; linkerhand eine landestypische Bar mit rustikaler, aber sehr freundlicher Bedienung, mit an allem und speziell an Seglern interessierten Gästen und sehr netten Aussichten auf den Fluss. Es gibt mindestens einen mittelgroßen Supermarkt im Dorf.

Puerto de Gelves (im Nebenarm; ohne Schleuse zu erreichen)
Puerto de Gelves ist ein ruhiger Ort mit gepflegter Marina etwa 15 Autominuten vom Zentrum Sevillas entfernt. Ab der Marina sind es 15 Gehminuten zum nächsten Aldi.
3 Kabellägen unterhalb der Schleuse gabelt sich der Guadalquivir an Position 37°18'56.3"N 6°00'56.6"W. Der Ostarm führt zur Schleuse, der Westarm nach Puerto Gelves.
Die Wassertiefen auf dieser etwa zwei Meilen langen Strecke sind selbst bei Ebbe und sogar knapp unter Land ausreichend. Zuerst unterfährt man eine Hochspannungsleitung mit Leitungshöhe in 27 (siebenundzwanzig) Metern, danach folgt eine weitere, deutlich niedrigere Stromleitung.
• Laut mündlicher Aussage des Marineros von Puerto Gelves ist die Durchfahrt für Yachten bis zu Masthöhe von 19 (neunzehn) Metern möglich.
• Gleiche Höhe gibt eine große, offensichtlich handgemalte Tafel kurz flussabwärts der Leitung als maximale Masthöhe an.
• Die RCC Pilot Foundation erwähnt 19 (neunzehn) Meter als maximale Masthöhe.
• Die digitale Seekarte Navionics erwähnt die Höhe der Kabel mit 16,5 (sechzehn komma fünf) Meter.
Wenn man sich für die Durchfahrt entscheidet: man fühlt sich bei Durchfahrt besser, wenn man möglichst auf der Westseite des Flussarms sehr knapp unter Land fährt und zusätzlich bei Ebbe.
In Puerto Gelves gibt es einen Schwimmsteg mit Wasser- und Stromanschlüssen, der etwa acht Yachten Platz bietet. In den Hafen selbst gelangt man aufgrund der Barre nur bei Hochwasser. Die Tiefe der Barre ist beim Marinero unter Tel. +43 955 761212 zu erfragen. Alternativ kann man auf der dem Hafen gegenüberliegenden Flussseite ankern.

Hercules Marina Sevilla (oberhalb der Schleuse)
Etwas eine Seemeile oberhalb der Schleuse und etwa drei Seemeilen vor dem Stadtzentrum liegt die Hercules Marina Sevilla an Position 37°20'01.1"N 5°59'32.5"W. Das Personal ist freundlich, es gibt Toiletten und Duschen, der Preis pro Nacht für eine 13-Meter-Yacht beträgt um die EUR 20. Eine Reservierung unter E-Mail ist zu empfehlen.
Sevilla
In Sevilla selbst gibt es nach Wissen des Autors keine Anlegemöglichkeiten für Yachten in Transit. Aus diesem Grund werden an dieser Stelle keine Öffnungszeiten der Brücke angegeben.


Alle hier gegebenen Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Dennoch kann keine Garantie auf Richtigkeit oder Vollständigkeit gegeben werden. Aus diesem Grund übernimmt der Autor keine Haftung für etwaige Schäden, die durch Anwendung der hier gegebenen Informationen resultieren.

Hansjörg Winkler, Skipper und Gründer von www.sailorama-segelreisen.at
Mallorca, den 25.5.2017

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