(openPR) Etwa 7% aller verordneten Arzneien besitzen ein Suchtpotenzial - v.a. "Schlaf- und Beruhigungsmittel vom Benzodiazepintyp, zentral wirksame Analgetika, codeinhaltige Medikamente, koffeinhaltige analgetische Kombinationspräparate und Psychostimulanzien. Etwa ein Drittel dieser Medikamente werden nicht wegen akutmedizinischer Probleme, sondern langfristig zur Suchtunterhaltung und zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet", schreibt der Arzt Dr. Horst Baumeister in seiner Studie "Psychotherapie bei Medikamentenabhängigkeit".
"Frauen konsultieren doppelt so häufig Ärzte wie Männer, unterziehen sich damit einer gezielteren Diagnostik und bekommen auch entsprechend häufiger Medikamente verschrieben." Daher ist Medikamentenabhängigkeit bei Frauen (mit knapp vier Prozent) wesentlich stärker verbreitet als bei Männern (knapp drei Prozent).
Im Hintergrund der Medikamentensucht sieht Baumeister v.a. bei Frauen meist "Beziehungprobleme, Partnerschaftskonflikte, Aufgabe persönlicher Entwicklungsinteressen, passive Grundorientierung und soziale Isolation, insbesondere bei Älteren. Ein häufig wiederkehrendes Thema als Lebensmodus ist die selbstschädigende Beziehungsgestaltung.
Da Psychopharmaka und Analgetika sozial integrierende Funktionen mit deutlich antiaggressiver Wirkung haben, erfolgt durch die Therapie `Chemie gegen Symptome´ noch mehr Anpassung, was zur Verfälschung des Bewußtseins, des Erlebens und des Realitätsbezuges führt." Der Arzt nennt die Arznei die "weiblichste" Suchtsubstanz und bringt sie mit "passivem Leiden" in Verbindung.
Baumeister stellt sein Gruppeninterventionsprogramm vor: In der späteren Nachbeobachtung blieb etwa die Hälfte seiner PatientInnen abstinent.
Baumeister und KollegInnen der Psychosomatischen Fachklinik Münchwies (Neunkirchen-Münchwies) beschreiben in dem neu vorgelegten Aufsatzband "Psychotherapie der Sucht" die Substanzabhängigkeiten und die breite Palette moderner Behandlungsmethoden (Kognitive Verhaltenstherapie, Gruppentherapie, Gesprächspsychotherapie, körperorientierte Psychotherapie, imaginative Verfahren).
Petra Schuhler, Monika Vogelgesang (Hrsg.):
Psychotherapie der Sucht
Methoden, Komorbidität, klinische Praxis
Pabst Science Publishers, 2006
ISBN 3-89967-277-1, 488 Seiten, 35,- Euro










