(openPR) SCHMETTERLINGE DER REGION ANTALYA
Fliegende Monarchen, Sultane und Prinzen Anatoliens
Farbenfroh, scheinbar schwerelos und elegant wie sie sind, betrachtet man Schmetterlinge universell als ein Symbol der Schönheit und Freiheit.
Für Kinder sind Schmetterlinge eine Art fliegende Vergegenwärtigung der Freude. Für Künstler sind sie ein Symbol der Reinheit
Prof. Olcay Yegin, Leiter der kleinen Gruppe der Amateur Schmetterlings Forscher der Region Antalya, hat uns mit seinen Berichten zu der Herausgabe eines Buches über die Schmetterlinge von Antalya inspiriert.
Aufgrund der klimatischen Bedingungen, kann man in Antalya den Schmetterlingen fast während des ganzen Jahres bei ihrem Flug zuschauen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist allein die Region Antalya auffallend reich an endemischen Pflanzen und Blumen. Ein weiterer Reichtum Antalyas ist die Artenvielfalt der Schmetterlinge.
Insgesamt haben wir 182 Spezies verzeichnet, drei davon sind endemisch.
Damit übertrifft Antalya an Artenreichtum europaweit viele Länder.
Obwohl es in der Türkei bisher eigentlich gar nicht so viele Schmetterlingsforscher gibt, konnten genügend Daten für das Jahr 2013 gesammelt und 180 Arten fotografiert werden. Zählt man den Scolitantides orion (Fetthennen Bläuling) und Parnassius apollo (Roter Apollo, beim Tota Berg in der Nähe von Antalya beobachtet) auch hinzu, kommt man auf 182 Spezies. Über diese beiden Schmetterlingsarten existieren jedoch nur ältere Aufzeichnungen. Innerhalb der Grenzen unserer Provinz wurden sie von unserer Gruppe der Schmetterlingsforscher noch nicht fotografiert.
Im Vergleich zu anderen Ländern zeigt sich der Artenreichtum der Region Antalya besonders deutlich. Während hier 180 Arten gezählt wurden, sind dies in Irland lediglich 28, in Großbritannien 55, Norwegen 99, Schweden 107, Finnland 116, Portugal 118, Weißrussland 131, Polen 151, in Slowenien 167 und 179 in Rumänien.
Das Buch “Schmetterlinge in Antalya” veranschaulicht die Vielfalt von 182 Faltern, die hier in der Provinz Antalya beobachtet und in ihrer natürlichen Umgebung fotografiert wurden. Die Gruppe der Schmetterlingsforscher mit deren Hilfe wir das Buch vorbereitet haben, beobachtet die Schmetterlinge lediglich. Die Schmetterlinge werden grundsätzlich nicht gefangen, es sei denn zu Forschungszwecken. Nach Möglichkeit wurde bei den Nahaufnahmen (Makrofotografie) so fotografiert, dass der natürliche Lebensraum des Schmetterlings zu erkennen ist oder die Blüten, die von dieser Spezies bevorzugt aufgesucht werden.
Schmetterlinge werden in zwei Gruppen eingeteilt, Tag- und Nachtfalter. Während die Tagfalter – wie der Name schon sagt – tagsüber aktiv sind und sich nach der Sonne richten, sind die Nachtfalter nachtaktiv. Sie orientieren sich am Mondlicht, werden dabei aber oft von künstlichen Lichtquellen angezogen und verwirrt. Einige Nachtfalter sind jedoch auch tagsüber aktiv. Man kann Tag- und Nachtfalter an einigen Merkmalen gut voneinander unterscheiden, denn Fühler und Flügel sind unterschiedlich geformt. Die Fühler der Tagfalter sind glatt und enden in einer Verdickung, einer kleinen Keule. Während der Tagfalter in Ruhestellung seine Flügel auf dem Rücken senkrecht aufstellt, hält der Nachtfalter seine Flügel zu beiden Seiten an den Körper gedrückt bzw. seitlich ausgestreckt.
Unser Wissen über Schmetterlinge ist oft von Verallgemeinerungen geprägt. So wird angenommen, dass Schmetterlinge nur einen Tag leben. Dabei gibt es einige Arten, die bis zu einem Jahr leben können und den Winter im Winterschlaf verbringen (Ei, Puppe oder auch als Raupe im Boden).
Der Schmetterling beginnt sein Leben als Raupe. Kaum ist diese aus dem Ei geschlüpft, vertilgt sie zuerst dessen Rückstände, dann geht es an die Wirtspflanze. Hat die Raupe ihre volle Größe erreicht, spinnt sie ihren Kokon an einem bewachsenen Felsen oder an einem Blattstiel. Dieser Zeitraum wird als das Puppenstadium bezeichnet. Die Länge dieses Stadiums variiert je nach Art des Schmetterlings und kann von einer Woche bis zu drei oder vier Monaten dauern.
Endlich - in der Regel im frühen Morgenlicht - schlüpft der Schmetterling und beginnt seinen Lebenszyklus.
Der Zyklus richtet sich nach den Jahreszeiten, denn für die Raupen müssen die Wirtspflanzen Futterspender sein, also grün sein oder in Blüte stehen. Männliche Schmetterlinge benötigen für die Spermienbildung Mineralien, die sie in feuchten Böden finden. Deshalb sieht man manchmal Dutzende oder sogar Hunderte von Schmetterlingen dicht beieinander auf geeignetem Untergrund verharren. Weibliche Schmetterlinge suchen bald nach der Paarung nach einem geeigneten Ablageplatz für die Eier.
Schmetterlinge sind ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems, denn sie helfen bei der Bestäubung und sind außerdem eine Nahrungsquelle für andere Organismen. Man könnte Schmetterlinge als eine Art Umweltbarometer betrachten - und verringerte Populationen als ein Indiz für verschlechterte Umweltwerte einer Region. Schutz und Erhalt unserer natürlichen Werte sind Grundvoraussetzung für einen nachhaltigen Tourismus.
Aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae) gibt es in Antalya 8 Arten.
Der Falsche Apollo (Archon Apolllinus) wird in Antalya als Frühlingsbote betrachtet, denn besonders von Mitte Februar bis Anfang Mai kann man sich an seinem Anblick erfreuen.
Obwohl in Antalya oft anzutreffen, handelt es sich um eine gefährdete Art. Man findet ihn sowohl in strauchigem Gelände, als auch auf Lichtungen der Kiefernwälder. Oft kann man beobachten, wie er auf einem Stein sitzend versucht, seine Flügel (bis zu 3 cm) zu erwärmen.
Von einer weiteren bedrohten Art konnten in Antalya in den letzten Jahren mehrere Kolonien bestimmt werden Es handelt sich um den Schmetterling mit dem schillernden Namen „Osmanisches Feuer“ (Lycaena ottomana). Sein bevorzugter Lebensraum sind Bereiche mit überwiegend mediterraner Macchia, dort vor allem Feuchtgebiete. Dieser Schmetterling, den man in der Türkei „Osmanli Atesi” nennt, kann von Anfang März bis Ende Oktober beobachtet werden. Die Flügelspannweite beträgt 1,8 cm.
Ein Schmetterling mit dem treffenden Namen „Feuer Anatoliens“, türkisch „Anadolu Atesi“ (Lycaena asabinus) kann in hoch gelegenen Tälern und auf blühenden Berghängen beobachtet werden. Flugzeit ist von Mitte Mai bis Ende August und die Spannweite der Flügel liegt bei 1,7 cm. Er gehört zu den Feuerfaltern (Lycaenidae)
Der Südliche Kurzgeschwänzte Bläuling (Tarucus balkanicus) ist ein eher kleiner Schmetterling, mit einer Flügelspanne von 1,2 cm. Seine Raupen ernähren sich von Stechdorn. Als Lebensraum wählt er Gegenden mit Macchia, wobei eine Vorliebe für Regionen in Strandnähe besteht. Flugzeit ist von Mitte April bis Oktober.
Einige Experten bezeichnen den “Attalos Bläuling” (Polyommatus schuriani attalaensis) als eine Sub-Spezies. In Antalya wurde der Attalos lediglich in hochgelegen Tälern der Region Korkuteli beobachtet. Flugzeit ist von Ende Juni bis Ende Juli, Flügelspanne 1,6 cm.
Der “Prinz Anatoliens”, auf türkisch „Anadolu Sehzadesi“ (Thaleropis ionia) zählt zu der Familie der Edelfalter (Nymphalidae). Er gehört zu einer der selteneren Arten, die in Antalya nur in Gebirgstälern anzutreffen ist. Die Flügelspanne beträgt 2,5 cm. Flugzeit ist von Anfang Mai bis Ende August.
Die Schmetterlinge dieser Familie sind in der Regel groß und von auffälliger Farbe. In Antalya haben wir 25 Arten von Edelfaltern.
Der als Blauschwarzer Eisvogel (Limenitis reducta) bezeichnete Edelfalter lebt in bewaldeten Gebieten und an Orten mit Strauchbewuchs. Zum Ausruhen sitzt er gerne auf Baumblättern. Flügelspanne 2,5 cm. Flugzeit ist von Ende April bis Mitte Oktober.
Die Kleine Monarch - auf türkisch Sultan (Danaus chrysippus) - zählt zu den Wanderfaltern und kommt daher überall vor, vorgezogen wird die Nähe von Feuchtgebieten. Flugzeit ist von Mitte Juli bis Mitte Dezember, verstärkt ist er im Herbst zu sehen. Flügelspanne 4 cm. Die Raupen ernähren sich zum Beispiel von Seidenpflanzen und schützen sich so durch ungenießbare Alkaloide vor Fressfeinden. Die Spezies Danaidae findet man überwiegend in tropischen Gebieten. In der Türkei und in Antalya kommt nur eine Art vor und das ist der Kleine Monarch (auch Afrikanischer Monarch).
Alle Augenfalter (Satyridae) zeigen in der Regel verschiedene Schattierungen von Braun. Mit den auffälligen Augenflecken nahe am Flügelrand sollen Fressfeinde wie zum Beispiel Vögel irritiert werden. Als Lebensraum bevorzugen diese Schmetterlinge eher halbschattiges Gelände. Bevorzugte Rastorte sind Steine und Baumstämme. In Antalya haben wir 32 Spezies dieser Familie.
Der Weiße Waldportier (Brintesia circe) - auf türkisch Kara Murat - sitzt gerne auf Baumblättern oder Zweigen, wo er durch seine Zeichnung kaum auffällt. Flugzeit ist von Ende Mai bis Mitte Oktober. Bevorzugten Lebensraum bilden Wald- und Strauchgebiete im Gebirge. Die Flügelspannweite beträgt 3,6 cm.
ANMERKUNG:
Für manche Schmetterlingsarten gibt es nach unserem Wissensstand noch keine deutschen Bezeichnungen. Wir haben diese daher in Gänsefüsschen gesetzt, z.B. “Prinz Anatoliens”.
Amateur Schmetterlingsforscher der Region Antalya:
Gülten Yegin, Olcay Yegin, Alperen Yayla, Cemal Yayla, Fatih Kisa, Mehmet Çakir, Eylem Göksu, Erkan Göksu, Nurdan Çakir, Lütfi Öte, Bayram Göçmen, Dilara Kocacik Uygun, Vedat Uygun
Text und Bilder entstammen dem Buch “Antalya Schmetterlinge”, herausgegeben von Nizamettin Sen für die Antalya Promotion Stiftung (ATAV).













