(openPR) Regisseur Tobias Bühlmann sieht sein Schaffen pragmatisch: „Man kann natürlich stets ‘nein danke‘ sagen und rausgehen.“ Wer aber bleibt und sich seinem und Fabian Larssons Theatergewitter von asuperheroscape aussetzt, der erlebt in KINDER DES WOHLSTANDS eine furiose öffentliche, inquisitorische Zurschaustellung derjenigen, die in Zeiten der Krise die großen Ideale unserer Zeit – Autonomie, Selbstverwirklichung und Kreativität – verraten.
Dabei kommt KINDER DES WOHLSTANDS zunächst als Pippi-Langstrumpf-sanftes Spiel daher. Ein Zeremonienmeister in einem absurd gestylten Pferdekostüm (Kaspar Weiss) tritt mit seinen Assistenten Thomas (Johannes Suhm) und Annika (Franziska Wulf) auf. Dem Publikum präsentiert er sich als wissende und einfühlsame Autorität für die Probleme, Ängste und Unsicherheiten einer gewesenen Mittelschicht, die lange nur ein „immer mehr, immer besser“ kannte und glaubte, das auch für sich erhoffen zu dürfen.
Doch Bühlmann & Larsson wären nicht asuperheroscape, würden sie nicht das Beil anlegen. Weder Dokumentartheater noch seminar-theoretische Abhandlung gesellschaftlicher Zustände, sondern eine abstrakt-phantastische Performance, ein ästhetisch überhöhter Alptraum in Vollplastik.
KINDER DES WOHLSTANDS greift an. asuperheroscape will sich nicht zufrieden geben mit der Entsolidarisierung, der Entfremdung, der äußeren Entmächtigung und am Ende der Selbstentwürdigung in Zeiten des Neoliberalismus und des permanenten Wettbewerbs als Herrschaftsinstrument.
Es ist laut, es ist grell in dieser Inszenierung; die direkte Ansprache, die den physischen Mittvollzug der Dramaturgie fast schon erzwingt, und die arenenhafte Bühnensituation sollen – nicht immer angenehme – Gemeinschaftlichkeit erzeugen.
asuperheroscope empfinden diese Gegenwart als wuchtig, brutal und wahnsinnig. Sie verharmlosen nichts und beziehen mittels „guter“ wie „böser“ Predigt Position. Und doch suchen sie einen Ausweg, andere Bündnisse, gleichsam als Bedingung für die Geburt einer Neuen Generation.
Muss man nicht mögen. Ist heftig. Aber toll.
Mit: Johannes Suhm, Alexander Stolze, Kaspar Weiss, Franziska Wulf
Text, Konzept: Tobias Bühlmann, Fabian Larsson Regie: Tobias Bühlmann Bühne: Isabella Keldany Kostüm: Mimi Bühlmann Musik: Arvild Baud, Alexander Stolze Dramaturgie, Produktion (D): Fabian Larsson Produktion (CH): Lisa Letnansky Regieassistenz: Laura Guhl Grafik: Pierre Montani
In Koproduktion mit: Ballhaus Ost Berlin und Gessnerallee Zürich. Gefördert durch: Hauptstadtkulturfonds Berlin, Stadt Zürich, Kanton Zürich und Ernst-Göhner-Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung von: Theaterhaus Mitte Berlin.
Vorstellungen:
29./30. September und
01./02. Oktober 2016
jeweils 20.00 Uhr
Ort:
Ballhaus Ost
Pappelallee 15
10437 Berlin
Tickets:
15.- Euro
10.- Euro ermäßigt
Reservierung: www.ballhausost.de
030 440 39 168
oder
www.reservix.de
und an allen bekannten Vorverkaufsstellen
Informationen: www.asuperheroscape.com









