(openPR) Am Dienstag, den 3. Mai 2016 zeigt die Ufa Fabrik erstmals das DDR-Flucht- und Gefängnisdrama Krokodil im Nacken. Und das gleich zweimal am selben Tag: die erste Vorstellung beginnt vormittags um 11:00 Uhr und wendet sich insbesondere an Schüler und Lehrer. Die zweite Aufführung, adressiert an ein deutlich breiteres Publikum, erfolgt dann am Abend um 20:00 Uhr.
Das Stück basiert auf dem autobiographischen Roman von Klaus Kordon, der dafür 2003 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Für die atmosphärisch dichte Bühnenfassung zeichnet das Regie-Duo Lorenz Christian Köhler und Nanda Ben Chaabane von der Drehbühne Berlin verantwortlich. Ihre Inszenierung, ein virtuoser Mix aus Schauspiel, Film und Objekttheater, vermittelt tiefe Einblicke in das repressive System des einstigen Staatssicherheitsapparats der DDR und thematisiert dabei eindringlich die verstörenden Haftbedingungen im Berliner Stasi-Knast zu Beginn der siebziger Jahre.
1972. Manfred Lenz wird mit Frau und Kindern bei der Republikflucht gefasst. Einzelhaft, Schikanen, endlose Verhöre durch die Sicherheitsorgane. Während Lenz sein Leben vor dem inneren Auge Revue passieren lässt, nehmen Gedanken und Erinnerungen Gestalt an: Angefangen von der Kindheit im Nachkriegs-Berlin der 40er Jahre, über die Zeit des Mauerbaus, bis hin zu den Frustrationen und Kuriositäten des Alltags in der DDR. Die Gegenstände seiner kargen Zelle beginnen zu sprechen. Zwischen den nicht enden wollenden Vernehmungen entspinnt sich ein tragikomischer Dialog des inhaftierten Republikflüchtlings mit den Figuren seiner Vergangenheit.
Sowohl dank stimmiger Dramaturgie, wie auch durch das drastische und dennoch einfühlsame Spiel von Hauptdarsteller Matthias Zeeb als Manfred Lenz, gilt Krokodil im Nacken so manchem Theaterkenner an der Spree als Referenzwerk zum Thema Freiheit und fundamentale Menschenrechte.
Bei dem Gastspiel in der Ufa Fabrik handelt es sich um die 2015 mit Mitteln des Wiederaufnahmefonds des Berliner Senats komplett überarbeitete Uraufführungsinszenierung der Drehbühne Berlin aus dem Jahr 2006. Gespielt wurde das Werk mehrfach direkt am Ort des Geschehens, dem ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis und heutigem Sitz der Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. Förderer des Theaterprojektes sind die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Bundeszentrale für politische Bildung und der Regierende Bürgermeister von Berlin.
Vor dem Hintergrund alltäglicher Flüchtlingstragödien an den Außengrenzen Europas und einer zugleich EU-weit erbittert geführten Demokratie- und Wertedebatte erhält Kordons deutsch-deutscher Geschichtsbeitrag hochaktuelle Bezüge: Viele der heute Asylsuchenden entfliehen ihren autokratisch oder totalitär regierten Heimatländern, in denen sie jeder Zeit Willkür und Verfolgung ausgesetzt sind. Dem Protagonisten des Theaterstücks vergleichbar riskieren daher auch sie ihr Leben und das Ihrer Familien für ein menschenwürdiges Dasein in Freiheit. Laut Amnesty International ist in den Gefängnissen von 141 Ländern noch immer Folter an der Tagesordnung. Weltweit sind mehr Menschen auf der Flucht, als nach dem Zweiten Weltkrieg.
Es ist kein Zufall, dass in derart bewegten Zeiten ausgerechnet die Ufa Fabrik als gewichtiges Hauptstadtforum dieses eindringliche Schauspielplädoyer für Menschenwürde auf den Spielplan gesetzt hat. Denn seit 1979 pflegt man hier die Vision eines offenen, selbstbestimmten, toleranten und vielfältigen Lebens miteinander. Ein Krokodil im Nacken kann Grundprinzipien wie diesen nur zuträglich sein.
drehbühne berlin präsentiert
Krokodil im Nacken
in der Ufa Fabrik
Termine: Dienstag, 3. Mai 2016, 11:00 Uhr und 20:00 Uhr
Spielort: ufaFabrik Berlin – Internationales Kulturzentrum, Viktoriastraße 10-18, in 12105 Berlin-Tempelhof
Ticketpreise: Eintritt um 11:00 Uhr: 7 Euro / Eintritt um 20:00 Uhr: 17 Euro, ermäßigt 12 Euro
Besetzung:
Manfred Lenz: Matthias Zeeb
Stasi-Vernehmer: Lorenz Christian Köhler
Hannah Lenz (im Video): Nanda Ben Chaabane
Bühnenbild: Jeannine Cleemen und Moritz Weisskopf
Video: Marc Poritz
Bühnenfassung & Regie: Nanda Ben Chaabane und Lorenz Christian Köhler
Weitere Informationen und Tickets:
www.drehbuehne-berlin.de
www.ufafabrik.de
Gefördert durch:
- Bundeszentrale für politische Bildung
- Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Vergangenheit
Wiederaufnahme (2015) gefördert durch:
- Regierender Bürgermeister von Berlin. Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten (Wiederaufnahmefonds)













