(openPR) - Fraunhofer IAO möchte KMU in Baden-Württemberg für Smart Services gewinnen -
‚Unternehmen 4.0‘ ist das Leitthema des diesjährigen Landeskongresses der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW. Der Kongress am 9. Oktober in Stuttgart will KMU aus ganz Baden-Württemberg für das Thema ‚Industrie 4.0‘ sensibilisieren. Im Vorfeld des Kongresses interviewen die beiden Offensiven verschiedene Experten zu deren Einschätzungen über Industrie 4.0. Das Gespräch mit Walter Ganz, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, ist das letzte der insgesamt sechs Interviews.
Neue Dienstleistungen und Serviceplattformen sind eine Zukunftssicherung
„Das Fraunhofer IAO beschäftigt sich bereits seit 25 Jahren mit der Dienstleistungsforschung und -entwicklung“, erklärt Walter Ganz, Leiter des Geschäftsfelds Dienstleistungs- und Personalmanagement am IAO. Neben Forschungsprojekten und Veranstaltungen zu Industrie 4.0 habe es sich das IAO auch zur Aufgabe gemacht, beim Mittelstand ein Umdenken von der Produktion hin zur Dienstleistung zu forcieren. So brachte das Wirtschaftsministerium zusammen mit IAO und anderen Forschungspartnern den Praxisleitfaden ‚Service Engineering – in fünf Schritten zur neuen Dienstleistung‘ heraus. „Damit sind mittelständische Unternehmen in der Lage, neue Geschäftsfelder zu definieren und sogar völlig neue Geschäftsmodelle aufzubauen. Dieses Projekt aus unserer Dienstleistungsforschung ist die Vorstufe zu Smart Services“, bekräftigt Ganz.
„Wer Smart Services anbietet, der hat den Kontakt zum Kunden und erschließt sich zusätzliche Umsätze mit neuen Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen. Der Schlüssel dazu sind die Daten, die von den digital vernetzten Produkten bereitgestellt und auf neuen Serviceplattformen gesammelt und verarbeitet werden“, so Ganz.
Dass Serviceplattformen, die ein vorhandenes Nutzerbedürfnis auf einfache, neuartige Weise bedienen, den Markt etablierter Branchen umwälzen können, ist spätestens seit den weltweiten Portalen für private Taxivermittlung und Zimmervermietung bekannt. „Weniger bekannt hingegen sind die guten Beispiele von kleinen deutschen Unternehmen, die infolge der Digitalisierung Plattformen entwickelten und so ein Nutzerproblem auf neue, einzigartige Weise lösen“, meint Ganz. Er stellt zwei dieser erfolgreichen deutschen Portale und ein IAO-Projekt vor.
Smart Services Beispiel 1:
Neurologen bauen Portal zur Verbesserung der ambulanten Patientenversorgung auf
Für zwei Professoren an der Berliner Charité war die fehlende Koordination von Patienten, Ärzten, Therapeuten, Medizinprodukten und Dienstleistungen eine wesentliche Erfolgsbarriere in ihrem Ambulanzalltag mit seltenen neurologischen Krankheiten. Aus diesem Mangel heraus initiierten sie das gesicherte Internetportal AmbulanzPartner.de, das seit 2011 online ist. Das intuitiv bedienbare Onlineportal vernetzt Patienten, Ärzte, Therapeuten, Apotheken und Heilmittelhersteller. Als zentrale Schnittstelle bietet es allen Beteiligten ein Netzwerk für eine koordinierte Versorgung mit Hilfs-, Heilmitteln und Medikamenten. Es soll als elektronische Versorgungsakte und als Dienstleistungsplattform dienen. Patienten können ihre Versorgung dort bewerten, was die eigene Behandlung verbessert und die Forschung unterstützt.
Die Informationen sind der Website www.AmbulanzPartner.de entnommen.
Smart Services Beispiel 2:
Drei Bauhandwerker und Planer entwickeln interaktive Webplattform zur Vernetzung der gesamten Bausanierungsbranche
An einem Sanierungsprojekt sind heute oft mehr als zehn verschiedene Parteien beteiligt. Der dabei nur schwer zu bewältigende Abstimmungsaufwand führt auch zu Fehlern und Mängeln. Werkzeuge, die im Web 2.0 eine gemeinsame und effiziente Arbeit ermöglichen, gibt es kaum. Die drei Gründer des Berliner Start-ups Eccuro wollten diese Lücke schließen. Mit der interaktiven Online-Plattform eccuro.com verbinden sie seit 2014 die gesamte Branche der Bausanierung – Energieberater, Planer, Architekten, Handwerker, Hersteller – an einem zentralen Ort. Werkzeuge zur Kommunikation und zum Datenaustausch helfen Experten aus Bau und Sanierung dabei, Erfahrungen zu tauschen, Kompetenzen zu bündeln und Sanierungsprojekte gemeinsam und effizient zu bearbeiten. Der ‚Wissenspool für alle Stichworte rund um Bausanierung‘ sammelt und strukturiert die Informationen. Verbraucher können sich dort rundum informieren und finden die passenden Experten.
Die Informationen sind der Website www.eccuro.com entnommen.
Smart Services Beispiel 3:
Forschungsprojekt Smart Urban Services für zukunftsfähige Städte
Ideen für die Stadt der Zukunft zu entwickeln und zu erproben, darum geht es beim IAO-Forschungsprojekt ‚Smart Urban Services: Datenbasierte Dienstleistungsplattform für die urbane Wertschöpfung von morgen‘. In den Pilotstädten Reutlingen und Chemnitz wird untersucht, wie neue und intelligent vernetzte Dienstleistungen helfen können, Stadtsysteme integrativ und zukunftsfähig zu gestalten. Dabei werden neue, tragfähige Ansätze für Wertschöpfungs- und Dienstleistungsinnovationen in der Stadt von morgen identifiziert, erprobt und beispielhaft umgesetzt. Eine neu zu entwickelnde Plattform ermöglicht dann, die verschiedenen Stadt-Subsysteme – Mobilität und Logistik, Planen und Bauen, Umwelt, Ver- und Entsorgung, Gesundheit, Handel, Bürgerservices – zum Nutzen aller zu vernetzen.
Weitere Informationen gibt es auf der Website smart-urban-services.de.
Notwendige Veränderungen im Denken und Handeln von KMU
Walter Ganz bekräftigt, im Zuge der unaufhaltsamen Digitalisierung aller Produkte und Dienstleistungen sei es für die Unternehmen überlebenswichtig, den Endkundenkontakt nicht zu verlieren. Im Wesentlichen komme es auf drei Punkte an, um zukunftsfähig zu sein: „Eine Digitalisierungskompetenz auf allen Geschäftsebenen aufzubauen. Herauszufinden, wo die vorhandenen Potenziale sind und wo Potenziale für neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen liegen. Außerdem das Wissen, dass sich die Marktstrukturen weiter verändern werden und es in der Hand des Unternehmers liegt, ob er diese freiwillig mitgestaltet oder unfreiwillig erduldet“, so Ganz. Als erstes praktikables Hilfsmittel, um sich mit der Entwicklung neuer Dienstleistungen vertraut zu machen, empfiehlt er den Service-Engineering-Leitfaden.
Die Broschüre ‚Service Engineering – in fünf Schritten zur neuen Dienstleistung‘, kann als Pdf auf der Website des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg heruntergeladen werden: mfw.baden-wuerttemberg.de (www.mfw.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mfw/intern/Dateien/Publikationen/Mittelstand_Wirtschaftsstandort/Broschuere_Service_Engineering.pdf).
IAO-Fachforum am 21. Oktober: „Smart-Services-Weckruf“ an den Mittelstand
Die Smart-Services-Tagung (iao.fraunhofer.de/lang-de/veranstaltungen/eventdetail/303/) des Fraunhofer IAO am 21. Oktober 2015 in Stuttgart ist ein Fachforum für den Mittelstand in Baden-Württemberg. Das Besondere daran ist, dass mittelständische Unternehmen auf Augenhöhe über ihre erfolgreichen Smart-Service-Projekte berichten und diskutieren.
Landeskongress 2015 der beiden Offensiven in BW: Unternehmen 4.0
Der 4. Landeskongress (offensive-mittelstand-bw.de/uploads/media/Programm_Kongress_2015.pdf) der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW findet am 9. Oktober 2015 in den Bürgerräumen West, Stuttgart statt. Der diesjährige Kongress steht unter dem Leitthema ‚Unternehmen 4.0 – Herausforderungen, Ziele, Wege‘. Dabei wird vorgestellt und diskutiert, warum kleine und mittlere Unternehmen und Betriebe sich heute mit der Thematik 4.0 auseinandersetzen müssen, um auch morgen ihre Marktfähigkeit zu behalten. Beim Kongress spricht beispielsweise Frau Prof. Dr. Dr.-Ing. Dr.h.c. Jivka Ovtcharova vom Karlsruher KIT. Die Moderation übernimmt Edda Markeli vom SWR.
Die aktuelle Aufgabe der Offensive Mittelstand BW und Offensive Gutes Bauen BW ist es, den kleinen und mittleren Unternehmen Orientierung im 4.0-Dschungel zu geben, sie zur Selbstveränderung zu ermutigen und bei ihrer Neujustierung konkret zu unterstützen.



















