(openPR) ROSENHARZ – Die neue Kollegin ist sehbehindert. Um sich an ihrem Arbeitsplatz orientieren zu können, braucht sie Unterstützung. In einer Blindenbegleiterschulung haben acht Beschäftigte der Liebenauer Arbeitswelten in Rosenharz (Stiftung Liebenau) gelernt, ihre Kollegin zu führen.
Wie geht das?
"Führen bedeutet, wir Sehende begleiten die neue Kollegin durch den Flur, über die Treppe oder über das Gelände in die Kantine", erklärt Alexander Lutz. Er arbeitet in der Werkstatt in Rosenharz und wurde von den Beschäftigten oft gefragt: "Ich will die neue Kollegin unterstützen, aber wie geht das?" Im Rahmen seiner Ausbildung zum Arbeitserzieher entwickelte Lutz ein Konzept für eine Blindenbegleiterschulung. Um die Teilnehmer für das Thema zu sensibilisieren, lässt er sie mit verbundenen Augen experimentieren. "So erfahren sie, was es bedeutet, blind zu sein, und bekommen ein Gespür dafür, welche Unterstützung gebraucht wird", sagt Lutz.
Die richtige Technik
Die Teilnehmer verbinden sich gegenseitig die Augen. Sich "blind" im Raum zu orientieren, fällt schwer. "Wir brauchen einen Partner, der uns führt und uns den Weg erklärt, damit wir nicht über Hindernisse stürzen oder uns stoßen", erklärt Lutz. "Wenn wir uns führen lassen, legen wir Daumen und Zeigefinger wie eine Zange um den Ellenbogen des sehenden Begleiters. Es ist wichtig, dass jeder die gleiche Technik anwendet. Damit geben wir der Person, die wir führen, Sicherheit und sie lernt uns zu vertrauen.“ Die Teilnehmer sind sich einig: "Unsere Kollegin soll sich so frei wie möglich bewegen können, ohne dass sie das Gefühl hat, wir schieben oder ziehen sie irgendwohin."
Achtsam führen
Vor der Werkstatt hat Lutz mit Pylonen einen Parcours aufgebaut. Jeder Teilnehmer muss mit seinem "blinden“ Partner im Slalom um die Hindernisse gehen. Für viele ist es neu, den Weg beschreiben zu müssen. "Achtung, vor uns steht ein Hütchen. Wir müssen rechts herum gehen." Gekonnt führt Linda Carayon ihre "blinde" Partnerin durch den Parcours. Sigrid Zuckschwerdt, der es anfangs schwer fiel, sich "blind" ihrer Begleiterin anzuvertrauen, fühlt sich zunehmend sicherer und staunt über sich selbst: "Jetzt habe ich keine Angst mehr davor, zu stolpern oder zu fallen."
Zertifikate für alle
Die nächste Herausforderung ist das Treppensteigen. Jetzt ist Linda Carayon die "blinde" Partnerin. Sich nicht mit den Augen orientieren zu können und sich auf die ungewohnte Situation einzulassen, ist für viele eine neue Erfahrung. Am Ende staunen die Teilnehmer über sich selbst: "Wir haben uns nicht gegenseitig ausgelacht." Alle haben die Qualifizierung zum sehenden Begleiter erfolgreich bestanden. Gerlinde Walka, begleitender Fachdienst der St. Gallus-Hilfe, bescheinigt den Teilnehmern "enorme Fortschritte und ein gutes Miteinander" mit einem Zertifikat.
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Weitere Infos zu den Arbeitswelten der Stiftung Liebenau finden Sie unter www.liebenauer-arbeitswelten.de.
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