(openPR) Aus Anlass des bevorstehenden Luther-Jahres hat Rainer Bruno Zimmer kürzlich fünf neue Texte im Internet veröffentlicht. Wie die Trilogie über Eigentliche Religion von 2009 und die vier Essays von 2012 gründen auch Zimmers neue Schriften in der Daseinsphilosophie. In ihrem Licht wird der Stand der Reformation betrachtet.
Der Essay "Religiöse Autonomie heute – Von der Unmündigkeit des Christenmenschen –" konstatiert, dass die Reformation den Menschen ein Stück religiöser Autonomie gebracht hat, indem Luther es den Menschen durch seine Bibelübersetzung ermöglichte, die Bibel selbst zu lesen statt glauben zu müssen, was andere ihnen davon vermitteln. Aber seither gibt es keinen Fortschritt, denn die Menschen sind immer noch darauf angewiesen, dass man ihnen erklärt, was die Inhalte der Bibel bedeuten, und die gebotenen Erklärungen führen in die Irre. Das Christentum versteht die Bibel und die Lehre Jesu nicht. Was das Christentum unter der Bezeichnung "Gott" verkündet, ist nicht der absolute Gott sondern Innerweltliches. Was es damit tatsächlich bietet, ist Gottvermeidung – gegen die Zusicherung, dass das Verhältnis des Menschen zu Gott in Ordnung ist oder kommt, wenn er bestimmte Aussagen über Gott als wahr annimmt. Solche Angebote werden weltweit von Milliarden Menschen nachgefragt, und diese Situation ist selbststabilisierend. Es herrscht rundum totale religiöse Unmündigkeit. Zimmer führt aus, dass Gottvermeidung mehr oder weniger "normal" ist, weil das Dasein von Grund auf so angelegt ist.
Die Erzählung "… den sollt ihr hören – Fragen an Christen und andere" baut darauf auf, dass Jesus derlei auch schon gesehen und vielfach dagegen angeredet hat. Man liest das heute immer nur auf die religiöse Elite und das "Volk" seiner Zeit bezogen, es ist aber zeitlos. Der fiktive Monolog malt aus, wie Jesus heute das Christentum in gleicher Weise angehen würde. Der Titel ist angelehnt an die Verklärungsszene Jesu, in der am Ende diese Worte aus der Wolke tönen. Jesus fragt, wie die Christen heute auf ihn hören, ob und wie sie seine Worte verstehen und umsetzen, was von seiner Lehre noch lebt. Die daseinsphilosophische Argumentation ist nicht auf die Jesus-Worte angewiesen, aber wenn sie von Jesus kommt, ist sie eine beschämende Anklage.
"Das Gleichnis vom neuerdings verlorenen Sohn", der nicht ankommt, fasst die obigen Inhalte auf verstörende Weise in wenigen Zeilen zusammen.
Obwohl dies alles auf Sicht nicht zu ändern ist, kann Zimmer es anscheinend nicht einfach so stehen lassen. Das Ende des Essays über die Religiöse Autonomie bildet ein "Utopischer Nachtrag", der darauf hinweist, dass der Einzelne das alles nicht mitmachen muss, sondern selbst sein Dasein und damit Gott in den Blick nehmen, den Sinn des Daseins erkennen, und in optimaler Daseinshaltung leben kann. Und "vielleicht findet sich ja irgendwann ein neuer Luther, der die Menschheit einen weiteren Schritt voranbringt …". Zwei weitere Texte bieten Material für solche Schritte an.
"Das Vaterunser – teilrestauriert zum unauffälligen Mitbeten mit den Christen" setzt die Erkenntnis um, dass das Vaterunser eine ziemlich komplette Daseinsbeschreibung ist. Zimmer hat das in seinem früheren Essay "Das Absolute" näher ausgearbeitet. Die "Teilrestaurierung" stellt die Original-Bedeutung so her, dass gegenüber dem gebräuchlichen Text dennoch nur wenige Buchstaben geändert und so die Sprachmelodie und der Rhythmus erhalten geblieben sind.
Der fünfte neue Text ist "Das Gleichnis von der virtuellen Welt". Jeder Mensch kann ausprobieren, ob er sieht, worauf dieses Gleichnis zeigen will. Vor allem soll es dazu ermuntern, weitere und bessere, zeitnahe Gleichnisse zu erfinden, die einem effektiv in den Blick bringen, was außer der Welt an unserem Dasein noch daran ist. –
Der Autor weiß natürlich, dass die neuen Schriften wieder weit neben dem Mainstream-Denken liegen. Wem die kurzen Übersichten nur befremdlich erscheinen, den verweist der Autor für den ersten Einstieg in die Problematik auf den früheren Essay "… denn ihr habt nicht recht von mir geredet – Von der notorischen Verletzung des Zweiten Gebots". Jeder kann nachvollziehen, dass Aussagen Begriffe in Relation zueinander setzen, und dass deshalb Aussagen über begrifflich nicht Fassbares, Absolutes sinnlos sind. Aussagen über Gott zu verfechten ist wahnhaft. Irgendwann wird sich das Christentum diesem Problem stellen müssen, und die Folgeprobleme sind riesig.
Die genannten Schriften sind veröffentlicht unter eigentliche-religion.de >>> zum Luther-Jahr












