(openPR) Immer mehr Ursachen für Krebs werden bekannt. Immer öfter werden sie im Erbgut eines Menschen Jahre oder Jahrzehnte vor dem Krankheitsausbruch identifizierbar. Die optimale Krebsprävention kann darin bestehen, das noch gesunde, aber gefährdete Organ chirurgisch zu entfernen. Prophylaktische Brustamputationen sind das prominenteste Beispiel. Dr. Johanna Kirchberg und Prof. Dr. Jürgen Weitz (Universitätsklinik Dresden) berichten detailliert über das gesamte Spektrum. Ihr Beitrag erschien in dem aktuellen Reader "Krankheitsprävention in der Kontroverse".
- Mehrere Formen von Darmkrebs sind erblich bedingt. Der Arzt spricht vom hereditären kolorektalen Karzinom. Vor allem Colitis Ulcerosa prädestiniert zu einer Krebsentstehung im Darm. Immer sollte zunächst die Entwicklung individuell engmaschig beobachtet und kontrolliert werden. Auch der minimalchirurgische Eingriff ist nicht ohne Risiko und wesentliche Folgen. Z.B. kann die Fertilität wesentlich eingeschränkt werden.
- Etwa fünf Prozent der Pankreaskarzinome sind mit einer angeborenen Komponente verbunden. Ein einheitliches verantwortliches Gen wurde bisher nicht identifiziert. Die Diagnose erfolgt anhand klinischer Faktoren; zwei oder mehr erstgradige Verwandte müssen betroffen sein. Wer raucht, erkrankt etwa zehn Jahre früher als Nichtraucher. Alles sollte getan werden, um eine Operation vermeiden zu können; denn sie ist auch in spezialisierten Kliniken hochriskant.
- Etwa zehn Prozent der Magenkarzinome haben einen erblichen Hintergrund. Hier lassen sich genetische Veränderungen als Diagnosegrundlage identifizieren. Zunächst ist eine kontinuierliche endoskopische Überwachung empfehlenswert, jedoch bleiben u.U. okkulte diffuse Magenkarzinome unentdeckt. Daher tendieren Ärzte dazu, bei Risikopatenten ab dem 20. Lebensjahr frühzeitig eine Operation vorzunehmen.
- Bei der Disposition für ein hereditäres medulläres Schilddrüsenkarzinom wird weltweit in der Medizin eine vorbeugende Entfernung der Schilddrüse (totale Thyreoidektomie) bereits in den ersten Lebensjahren empfohlen.
- Bei etwa fünf bis zehn Prozent der Frauen mit Brustkrebs wird eine ursächliche Genmutation gefunden. Oft ist gleichzeitig das Ovarialkrebs-Risiko erhöht. Daher kann die Mutation, frühzeitiger entdeckt, zur Empfehlung einer Operation führen - beidseitige Mastektomie und u.U. Oophorektomie.
Kirchberg und Weitz betonen: "Durch das zunehmende Verständnis der (molekularen) Pathogenese verschiedener maligner Erkrankungen öffnet sich das Fenster für präventive Maßnahmen. Die Indikationsstellung zu einem chirurgischen präventiven Eingriff muss bei diesen scheinbar gesunden Patienten besonders gut abgewogen sein. Die chirurgischen Maßnahmen müssen immer auch die Lebensqualität im Auge haben." Und nur wenige erfahrene Kliniken können eine präventive Chirurgie in optimaler Qualität durchführen.
>> Johanna Kirchberg, Jürgen Weitz: Chancen und Risiken präventiver Operationen der viszeralen Organe. In: H.W. Hoefert, Ch. Klotter (Hrsg.) Krankheitsprävention in der Kontroverse. Pabst, 404 Seiten, ISBN 978-3-95853-018-8










