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Franz von Sickingen, der 'letzte Ritter'

22.06.201516:49 UhrKunst & Kultur
Bild: Franz von Sickingen, der 'letzte Ritter'
Harnisch Landgraf Philipps von Hessen, Kassel oder Frankfurt, 1534 © Kunsthistorisches Museum Wien
Harnisch Landgraf Philipps von Hessen, Kassel oder Frankfurt, 1534 © Kunsthistorisches Museum Wien

(openPR) Franz von Sickingen, „der letzte Ritter“

Landesmuseum Mainz zeigt „Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen und die Reformation“ vom 21. Mai bis 25. Oktober 2015

Die große kulturhistorische Sonderausstellung „Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen und die Reformation“ im Landesmuseum Mainz führt die Besucherinnen und Besucher in die Zeit der Ritter und Reformatoren vor rund 500 Jahren. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Franz von Sickingen, gelegentlich als letzter Ritter bezeichnet und zugleich eine der schillerndsten Figuren im 16. Jahrhundert. Unter seiner Führung war die Ritterschaft maßgeblich an der frühen reformatorischen Bewegung beteiligt.


„Rheinland-Pfalz hat wie kein anderes Land im Westen Deutschlands zentrale Erinnerungsorte der frühen Reformationszeit vorzuweisen. Insofern freut es mich, dass wir die Reformation und die Erinnerung daran in Mainz besonders lebendig halten“, erklärt Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die die Sonderausstellung mit ihrer Schirmherrschaft unterstützt und ergänzt: „Rheinland-Pfalz beteiligt sich seit Jahren aktiv an der Vorbereitung des 500. Reformationsjubiläums. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), die im Landesmuseum Mainz die faszinierende Gestalt des Franz von Sickingen in den Mittelpunkt stellt. Die in Kooperation mit der Universität Mainz erarbeitete Ausstellung ist denn auch der Hauptbeitrag des Landes Rheinland-Pfalz zur Lutherdekade.“
Thematisiert werden in der Ausstellung Sickingens Aufstieg zum Anführer der Ritterschaft und deren Lebenswelt, Luthers Auftritt vor Kaiser und Reich in Worms sowie die Vielfalt der adligen Reformation im Reich und in Europa. „Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen und die Reformation“ wird von der GDKE in Kooperation mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz realisiert – basierend auf einem Konzept von Prof. Dr. Wolfgang Breul (Evangelisch-Theologische Fakultät), und kuratiert von Dr. Karoline Feulner, Leiterin der Abteilung Gemälde und Skulpturen des Landesmuseums. Die Ausstellung wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Die rheinland-pfälzische Kulturministerin Vera Reiß betont: „Mit ‚Ritter! Tod! Teufel?‘ steht zum ersten Mal Franz von Sickingen im Mittelpunkt einer großen Ausstellung. Vorkämpfer der Reformation und Freund der Humanisten, Umstürzler von Kirche und Staat, letzter Ritter und deutscher Nationalheld – die Vergangenheit hat sich viele Bilder von ihm gemacht. Die Ausstellung entwirft ein neues Bild dieses Pfälzer Helden – wissenschaftlich fundiert und erlebnisreich für Besucherinnen und Besucher jeden Alters. Denn die Ausstellung feiert noch eine Premiere: Erstmals bieten im Landesmuseum auch Mitmachstationen und interaktive Lernspiele für Kinder (und Erwachsene ebenso) Einblicke ins mittelalterliche Ritterleben.“

Sickingen und die Reformation
Franz von Sickingen (1481-1523) führte Fehden in bis dahin unbekanntem Ausmaß, unter anderem gegen Worms, Trier und die mächtige Landgrafschaft Hessen, und eroberte sich damit die Bühne der großen Politik. „Ich bin sehr gespannt auf diese Ausstellung, weil sie ein Kapitel beleuchtet, das bislang noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stand – die Ritterschaft und die Reformation“, freut sich die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann. „Franz von Sickingen folgte den religiösen Ideen Martin Luthers. Auf seiner Ebernburg beherbergte er Humanisten wie Ulrich von Hutten und bedeutende protestantische Theologen. Die Ausstellung im Landesmuseum nimmt die Besucher mit auf eine spannende Reise in die bedeutendste Epoche der neuzeitlichen Kirchengeschichte“, fügt sie hinzu.
Sickingens Ebernburg, in der Nähe von Bad Kreuznach, wurde zu einem frühen Zentrum der Reformation. Ulrich von Hutten besang sie als „Herberge der Gerechtigkeit“. Am Ende wurde Sickingen Opfer seiner verwegenen Pläne. „Es ist für mich bis heute faszinierend, wie er zum Anführer der Ritterschaft wurde und wie er schließlich zum Helden stilisiert wurde, der bis in die Gegenwart hinein wirkt. Als Ritter, der Kaiser und Fürsten die Stirn bot, bleibt er im Bewusstsein der Region bis heute fest verankert. In Bad Münster am Stein-Ebernburg etwa trägt die Franz-von-Sickingen-Schule den Namen des Ritters. Landstuhl, bei Kaiserslautern, hat seit 1995 offiziell den Titel Sickingenstadt“, erklärt Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE.

Highlights
Die Direktorin des Landesmuseums, Dr. Andrea Stockhammer, zeigt sich erfreut über eine Vielzahl hochkarätiger Leihgaben und bisher selten gezeigter eindrücklicher Objekte: „Prunkharnische, Gemälde, Grafiken, Flugblätter, Medaillen sowie seltene Turnierbücher und Fehdebriefe ermöglichen es, die aufregende und von Umbrüchen geprägte Epoche des ausgehenden Mittelalters nachzuerleben. In Modellen, Inszenierungen und mit multimedialen Elemente lassen wir im Landesmuseum die vergangene Zeit des Rittertums neu auferstehen.“
Eigens aus der Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien wurde der Harnisch des Landgrafen Philipp von Hessen nach Mainz transportiert. Der Landgraf galt als einer der bedeutendsten Landesfürsten und politischen Führer der damaligen Zeit und war einer der größten Widersacher Franz von Sickingens. Nicht minder beeindruckend ist der Kupferstich von Albrecht Dürer, der einen Ritter zeigt, der vom Tod und Teufel begleitet eine düstere Felsenschlucht entlang reitet. Noch im 19. Jahrhundert war die Ansicht weit verbreitet, dass es sich bei diesem Ritter um Franz von Sickingen handelte. Ein Werk, das bis heute unsere Vorstellung vom Aussehen Franz von Sickingens prägt, ist die Eisenradierung des deutschen Künstlers Hieronymus Hopfer, die der Graphischen Sammlung des Landesmuseums Mainz entnommen ist.
„Wie jede große gesellschaftliche Umwälzung war auch die Reformation des 16. Jahrhunderts abhängig von vielen Faktoren. Für Luther und seine Mitstreiter war das insbesondere die dynamische Bewegung des Humanismus, die der Reformation die Aufgabe der Bildung und Förderung von Schulen und Universitäten mit auf den Weg gegeben hat. Es war die Mainzer Medienrevolution des Buchdrucks, die erst mit der Reformation zu einem Massenphänomen wurde und dafür sorgte, dass nun öffentliche Debatten über große Entfernungen geführt werden konnten – zuerst über die Luthersache, bald aber auch über andere Themen. Schließlich führte die Reformation erstmals in der Mitte Europas zu einer dauerhaften Pluralität religiöser Überzeugungen. Der Weg zu einem guten Miteinander war schwierig und mit vielen Opfern verbunden, aber schon im 16. Jahrhundert gab es beeindruckende Beispiele der Toleranz. All das zeigen wir in der Ausstellung ‚Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen und die Reformation‘“, so Prof. Dr. Wolfgang Breul von der Johannes Gutenberg-Universität, Fachbereich Evangelisch-Theologische Fakultät.

Mitmachausstellung und Ritterschule
Erstmals wird es auch eine speziell für Kinder konzipierte Mitmachausstellung zur Ritterwelt geben, die von Dr. Julia Ellinghaus kuratiert wurde. Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren können in einem eigens eingerichteten Ausstellungsbereich anhand von aktionsreichen Mitmach-Stationen und interaktiven Lernspielen die Themen „Burgenbau“, „Burgeroberung“ und „Ritterturnier“ erleben. Spielerisch tauchen sie in die Ritterwelt des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit ein. Hauptattraktionen sind ein großer Tretkran, die verkleinerte Nachbildung eines Katapultes und die Turnierbahn mit Turnierpuppe und Pferdchen, die allesamt darauf warten, von den kleinen und größeren Knappen, Rittern und Edeldamen in Bewegung gesetzt zu werden.
In der Ritterschule vermittelt Emil Hartmann als „Franz von Sickingen“ ritterliche Ideale, weist in die Kunst des simultanen Fechtens mit Schwertdegen und Dolch sowie in den Kampf mit Kurzschwert und Schild ein, und hilft Groß und Klein beim Erlernen höfischer Tänze und des Fanfarenspiels. Die Ritterschule wird regelmäßig donnerstags, freitags, samstags und sonntags um 11 Uhr, 14 Uhr und 15.30 Uhr sowie auf Anfrage angeboten. Alle Teilnehmer erhalten zum Abschluss eine Ritter-Urkunde.
Parallel zur Ausstellung wird es ein umfangreiches Begleitprogramm geben. Am 5. und 6. September veranstaltet die GDKE im Innenhof des Landesmuseums zudem ein Ritterfest für Familien mit Kindern. Themenführungen, Vorträge, Konzerte, Lesungen historischer Texte mit Schauspielern sowie ein Ausstellungsbesuch mit anschließendem Rittermahl ergänzen das bunte Rahmenprogramm.
„Franz von Sickingen war ein Ritter, aber auch ein Pfälzer, der bis heute seine Spuren im Land hinterlassen hat. Insofern ist die Ausstellung im Landesmuseum Mainz zugleich auch ein Aufruf zu einer Spurensuche in der Pfalz, in Rheinhessen, am Mittelrhein oder an der Nahe. Hier lebte und rebellierte Franz von Sickingen, der übrigens auch als Bergwerksunternehmer aktiv war. So gesehen empfehle ich nicht nur einen Besuch im Landesmuseum, nutzen Sie die Gelegenheit und werfen Sie einen Blick in den Geleitbrief, eine Publikation der GDKE ergänzend zur großen Sonderausstellung. Er bietet einen wunderbaren Überblick über alle Veranstaltungen in Sickingens Heimatregion. Die zahlreichen Sickingen-Stätten liegen in malerischen Landschaften im schönen Rheinland-Pfalz und seinen Nachbarregionen und sind in jedem Fall eine Reise wert“, so Kulturstaatssekretär Walter Schumacher.

Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – Wir machen Geschichte lebendig.

Video:
Kämpfende Ritter und ein historisches Pferd

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