(openPR) Vom 11. bis zum 20. Juni 2015 ist das Impulse Theater Festival wieder der Ort für heraus-ragendes Freies Theater aus dem deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr findet die Veranstaltung des NRW KULTURsekretariats am zentralen Spielort Mülheim an der Ruhr sowie in den Partnerstädten Düsseldorf und Köln statt. Zum zweiten Mal steht das Festival unter der künstlerischen Leitung von Florian Malzacher. Für zehn Tage dieses Festival-sommers wird der Ringlokschuppen Ruhr ab kommenden Donnerstag zum pulsierenden Zentrum für Performances, Diskussionen und auch Partys – ein lebendiger Ort für inspirierende Kunstbegegnungen und intensive Gespräche mit vielen internationalen Größen der Freien Szene über die Möglichkeiten des Theaters als politisches und soziales Labor der Gegenwärtigkeit.
Los geht es am 11. Juni bereits um 18 Uhr! Dann starten der britische Künstler Phil Collins mit Daniela Kinateder und Studierenden der Kunsthochschule für Medien in Köln und der Riwaq Biennale in Ramallah von Düsseldorf aus ihr Projekt „Our Position Vanishes“. Per Bus reisen sie mit ihren Gästen nach Mülheim an der Ruhr und verschneiden die Eindrücke der Fahrt über die Autobahnen des Ruhrgebietes mit den Erlebnissen ihrer Exkursion nach Ramallah. Versprochen ist die pünktliche Ankunft am Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim, wo um 19.30 Uhr Gob Squad seine Produktion „Western Society“ zeigt. Die Live-Art-Meister portraitieren sich wieder einmal selbst – aber das glitzernde Portrait ist nostalgisch geworden: Es zeigt eine Gesellschaft, die es so eigentlich schon nicht mehr gibt, nicht mehr geben darf. Im Anschluss daran gibt es die offizielle Festivaleröffnung, u. a. mit NRW-Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf. Gefeiert wird die Eröffnung dann ab ca. 22 Uhr im von raumlaborberlin gestalteten Festivalzentrum im Ringlokschuppen.
An den folgenden neun Tagen untersucht Impulse weiter, wie sich Gesellschaft selbst spielt, für wen sie spielt und: wen sie mitspielen lässt. Wie kann Theater heute noch und wieder ein politischer, öffentlicher Raum sein: in seinen Inhalten, aber auch in seiner jeweiligen Form. Neben Gob Squad, deren „Western Society“ am zweiten Festivaltag nochmals zu sehen ist, blickt auch Milo Rau auf die westliche Gemeinschaft. Allerdings suchen die Schauspieler in der international euphorisch aufgenommenen Arbeit „The Civil Wars“ Antworten auf die Frage, warum europäische Jugendliche als Krieger in den Djihad ziehen, nicht in der Repräsentation der Anderen, sondern in ihren eigenen Biografien. Gintersdorfer/Klaßen räumen ihre Bühne seit Jahren für andere Repräsentationsformen und unterlaufen in „Das Neue Schwarze Denken – Chefferie“ mit ihrer ivorisch-ruandisch-kongolesisch-deutschen Formation mit viel Witz das aktuelle Afrikabild, das europäische Medien und Alltagssprache häufig verwenden. Mit vielen Stimmen sprechen auch andcompany&Co. in „Sounds Like War: Kriegserklärung“, wenn sie fragen, was Sprache überhaupt noch kann, aber auch, wie man Kriege beendet, die nie erklärt wurden.
„Ibsen: Gespenster“ der jungen Theatermacher Markus&Markus ist ein theatrales Denkmal für einen Menschen und für die Konfrontation mit einem realen Freitod: Wie wahr, wie nah, wie ernst, wie voyeuristisch darf es sein? Ebenso persönlich wie politisch ist es auch, wenn Rabih Mroué in „Riding on a Cloud“ seinen Bruder auftreten lässt, für den Repräsentation nach einer schweren Verwundung im libanesischen Bürgerkrieg tatsächlich keine Bedeutung mehr hatte: Er verlor die Fähigkeit, die Realität in Worten und auf Bildern wiederzuerkennen.
Wie Theater nicht nur repräsentiert, sondern zugleich ein realer Ort mit realen Verhandlungen zwischen Menschen sein kann, zeigen Herbordt/Mohren: „Die Aufführung“ ist Repräsentation einer Aufführung und das Ding an sich, bei dem die Zuschauer maximale Entscheidungsfreiheit behalten, viel dürfen, aber nichts müssen. Dass solche Entscheidungsfreiheit im Zeitalter umfassenden geheimdienstlichen und kommerziellen Datensammelns zunehmend erodiert, ist auf beklemmende Weise in „Anonymous P.“ von Chris Kondek & Christiane Kühl zu erleben: Unterstützt von IT-Profis verwandeln sie das Festival in eine interaktive Hackerzentrale. Und „Der Ur-Forst“ von Hendrik Quast & Maika Knoblich, eine durational performance vom Nachmittag bis in die Nacht, in deren Mittelpunkt eine erst gefällte und dann mühevoll wieder zusammengebaute deutsche Eiche steht, macht klar: Die Utopie einer selbstbestimmten Identität ist fragil.
Dank der Förderung der Kulturstiftung des Bundes kann Impulse in diesem Jahr gemeinsam mit seinen Partnern studiobühneköln, FFT Düsseldorf und Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim neben der Präsentation von Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum auch drei Projekte nicht-deutschsprachiger Künstler realisieren, die Theater als Ort des gesellschaftlichen Ausprobierens in lokalen Kontexten begreifen. Die niederländische Theatermacherin Lotte van den Berg untersucht mit „Building Conversation“ in Düsseldorf Formen und Bedingungen des Gesprächs, das schon erwähnte Projekt „Our Position Vanishes“ des britischen Künstlers Phil Collins mit Daniela Kinateder und Studierenden aus Köln und Ramallah erprobt im Pendelverkehr zwischen den Festivalstädten Mülheim, Köln und Düsseldorf kollektive Erfahrungsräume für Zuschauer, Performer, Musiker und Theoretiker, und in Mülheim an der Ruhr eröffnet der Ringlokschuppen Ruhr die vom kurdischen Künstler Ahmet Ögüt initiierte Silent University Ruhr, eine autonome Plattform für den Wissensaustausch zwischen Geflüchteten, Asylsuchenden, Migranten und Nicht-Migranten.
Impulse 2015 untersucht das Theater als agonistischen Raum, in dem soziale und politische Gegensätze offen ausgetragen werden können. Patin für diese Überlegungen ist die Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe, die bereits die Vorbereitungen – als eine Art Festivalphilosophin – im Gespräch begleitete. Theoretisch unterfüttert wird Impulse zudem durch eine Konferenz, Vorträge, Inputs u. a. von Armen Avanessian, Boris Buden, Joy Kristin Kalu, Oliver Marchart, Chantal Mouffe, Gerald Raunig, Jonas Staal, Vassilis Tsianos, Tirdad Zolghadr.
Eine Materialsammlung im Netz greift spezifische Fragen der freien Theaterszene auf und stellt sie zur Diskussion.
Im Juni 2016 wird dann Düsseldorf mit dem FFT Hauptaustragungsort des Impulse Theater Festivals sein, mit den assoziierten Partnerhäusern in Köln (studiobühne) und Mülheim (Ringlokschuppen Ruhr).
Das Programmheft sowie alle Informationen zum Programm und zum Kartenvorverkauf finden Sie unter www.festivalimpulse.de.
Info-Hotline Impulse: +49 (0) 208 99 31 60, täglich 10 – 18 Uhr











