(openPR) Sehr geehrte Medienpartner,
Liebe Kollegen und Freunde der kulturellen Vielfalt,
Das Quellkollektiv e. V. ist seit 2011 die Interessenvertretung der Kulturschaffenden im Quellegebäude. Wir sind am 21.5. mit einer Petition an die Öffentlichkeit getreten, in der wir Oberbürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg bitten, die Quelle zu retten.
Vielleicht ist für manche eine solche Forderung erst einmal im Bereich der Utopie anzusiedeln, liegt doch die Zukunft des Gebäudes in der Hand des zukünftigen Eigentümers:
Am 09. Juni 2015 findet die Zwangsversteigerung statt, bei der mit hoher Wahrscheinlichkeit der portugiesische Immobilienentwickler Sonae Sierra von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wird, um auf 250.000 qm seine ausschließlich profitorientierte „Vision“ zu realisieren.
Manche glauben, die Stadt Nürnberg könnte froh sein, so von der Last eines derart gigantischen Leerstands befreit und aus der politischen Verantwortung entlassen zu sein. Schließlich handelt es sich beim ehemaligen Versandzentrum der Quelle, zusammen mit dem Berliner Flughafen Tempelhof, um die größte leerstehende Immobilie Deutschlands .
Unserer Meinung nach werden dabei einige wichtige Umstände fahrlässig außer acht gelassen:
In den letzten Jahren ist auf den Industriebrachen AEG und Quelle ein fruchtbarer Nährboden für neue Ideen und Möglichkeiten entstanden. Kreative aller Disziplinen arbeiten dort alleine und im Team und bereits jetzt entwickelt sich dort ein neues, kreatives und kulturelles Zentrum mit internationaler Strahlkraft. Nürnberg ist dadurch attraktiver geworden für AkteurInnen der Kreativwirtschaft aus der ganzen Republik, die jetzt hierherziehen.
Wir sehen die QUELLE als eine „Stadt in der Stadt“, als Denkfabrik und Werkstatt für die europäische Großstadt der Zukunft.
Auf europäischer Ebene existieren zahlreiche erfolgreiche Projekte, die zeigen, wie Leerstand in kreative, kulturelle und wirtschaftliche Impulsgeber transformiert werden kann. Erfolgreiche Beispiele dafür sind die Tabakfabrik Linz oder die Spinnerei Leipzig.
Dieser Entwicklung würde durch die anstehende Umwandlung der Quelle in ein Spekulationsobjekt mit einem Einkaufszentrum als Kernprojekt ein jähes Ende gesetzt werden. An ihre Stelle tritt dann eine fantasielose und ökonomisch ungewisse Zukunft, die außerdem ein großes politisches Risiko in sich birgt: hier wird einem Investor die Kontrolle über einen hochverdichteten Stadtteil unter einem Dach überlassen – nichts anderes ist die Quelle. Einkaufstempel mit den immer gleichen internationalen Handelskonzernen und teuren Wohnraum, der auch die Mieten der Anwohner steigen lässt, halten wir für keine wünschenswerte Perspektive. Statt dessen könnte ein großer Teil von Nürnbergs Kreativen schon bald auf der Straße sitzen und sich in alle Winde zerstreuen.
Wir fordern eine zukunftsweisende Entwicklung der Quelle, die die Interessen der Bürger berücksichtigt und lokale Ressourcen nutzt. Was dort bereits jetzt, in kurzer Zeit entstanden ist, zeigt, wie groß und greifbar dieses Potential in Nürnberg ist.
Wir bitten die Stadt Nürnberg, die Zukunft „unserer Quelle“ nicht leichtfertig aus der Hand zu geben und im Interesse einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung ihren Einfluss geltend zu machen. Als Unternehmer der Kreativwirtschaft und Künstler sehen wir es als unsere Aufgabe, uns für eine verantwortungsvolle Entwicklung unserer Stadt einzusetzen.
Quellkollektiv e.V.
Initiative Quelle retten
Nürnberg, 01. Juni 2015












