(openPR) Nachhilfe kann hilfreich sein, wenn es darum geht, Wissenslücken zu schließen. Meiner Erfahrung nach ist sie jedoch in vielen Fällen der falsche Ansatz. Oft sind Wissenslücken bei Kindern und Jugendlichen lediglich ein Symptom für eine tieferliegende Problematik, wir sprechen in diesem Zusammenhang von sogenanntenLernblockaden.
Lernblockaden bestehen zunächst einmal aus “Ursprungsereignissen” oder “-erfahrungen”, die das Kind bzw. der Jugendliche als äußerst negativ abgespeichert hat. Das kann beispielsweise eine schlechte Erfahrung nach einer miserablen Note sein oder ein unbedachter, vielleicht sogar nicht wertend gemeinter Kommentar eines Lehrers oder Elternteils sein, den der Schüler dahingehend interpretiert, er sei nicht gut genug und könne demnach die (nun schier unerreichbaren) Leistungsanforderungen nicht erfüllen. Zu den Ursprungsereignissen gehört auch das Schreckgespenst, das durch alle Schulen spukt: Mobbing.
Egal welcher Art das jeweilige Ursprungsereignis letztendlich ist – die Folge ist im Wesentlichen dieselbe: Das Kind baut um sich herum einen Schutzwall auf, der von außen durch Lehrer und Eltern als „Rückzug ins Schneckenhaus“ oder als Aufmüpfigkeit respektive extreme Coolness wahrgenommen wird. Dies ist oft der Moment, in dem sich die betroffenen Schüler bereits vom normalen Lern- und Schulalltag “verabschiedet” und den Anschluss verpasst haben.
Lernblockaden sind häufig die Ursache dafür, dass der Lernstoff nicht aufgenommen wird bzw. werden kann – sei es in der Schule oder im Rahmen von Nachhilfestunden. Das äußert sich vorzugsweise darin, dass der Schüler aufgepasst bzw. fleißig gelernt hat und den Stoff zu Hause auch gut beherrscht, aber dann dennoch eine schlechte Note schreibt. Er kann sein Wissen also in Prüfungs- bzw. Stresssituationen nicht abrufen. Oder er bekommt den Stoff gar nicht erst „in den Kopf“, weshalb ihm häufig eine schlechte Konzentration attestiert wird.
Die Eltern sind in der Regel überfordert, fühlen sich rat- und hilflos und suchen dann nach Unterstützung – und zwar in Form von Nachhilfe. Liegt eine (unentdeckte) Blockade vor, zeigt sich jedoch bald, dass die Problematik – vielleicht nach einer kurzen „Aufwärtsphase“ – bestehen bleibt: Die Noten werden mittel- bis langfristig nicht besser!
Unter Umständen beginnt dann ein sich selbst aufrechterhaltender Kreislauf: Das Kind ist frustriert – schließlich bekommt es Nachhilfe, und schafft es dennoch nicht, sein „Soll“ zu erfüllen. Das nagt am Selbstwert, und schnell verankern sich Sätze bei den betroffenen Kindern bzw. Jugendlichen wie „Ich bin zu dumm!“oder „Das schaffe ich nie!“ – leider sind die Schüler davon fälschlicherweise auch felsenfest überzeugt.
Diese Selbstzweifel führen zu Angst, vor allem zu Angst vor weiterem „Versagen“ – und die nächste schlechte Note ist vorprogrammiert. Häufig verspüren die Kinder und Jugendlichen diesen seelischen Druck auch körperlich und klagen über Bauchschmerzen und Migräne. In Fällen von Mobbing wollen manche Kinder gar nicht mehr zur Schule gehen, was dann für die gesamte Familie zu einer besonderen Belastungsprobe wird.
Es ist einleuchtend, dass hier das reine Vermitteln von Wissen nicht weiterhelfen kann. Vielmehr ist es notwendig, dass die Lernblockaden, also die “Ursprungsereignisse”, Ängste und schädlichen Vorurteile des Kindes über sich selbst identifiziert und gelöst werden. Hier sollte gezielt ein professionelles Training – d.h. ein spezielles Lerncoaching – stattfinden, um dem Schüler zu helfen. Denn dadurch wird erreicht, dass Selbstwert, Selbstbewusstsein und sicheres Auftreten aufgebaut werden, eine positive Einstellung zum Lernen generiert und die Lebensqualität des Kindes und der Familie verbessert wird.
Erst wenn eine gewisse Stabilität erreicht ist, kann Nachhilfe also wirklich fruchten. Allerdings sollte auch hier berücksichtigt werden, dass Kindern und Jugendlichen durch die Vermittlung von Lernstrategien bzw. lernorganisatorischem Know-how gezeigt werden sollte, WIE sie effektiv und erfolgreich lernen können. Auf diese Weise erhalten die Schüler ein „Gerüst“, das sie dabei unterstützt, eigenverantwortlich zu arbeiten, wodurch ihr Selbstbewusstsein ebenfalls gestärkt wird: Sie erfahren, dass sie “selbstwirksam” sind, sich also selbst helfen können – genau das, was sie bislang nicht (er)leben konnten.











