(openPR) Pressemitteilung
Eröffnung der internationalen Gruppenausstellung „Mensch und Raum“ mit Künstlern und Künstlerinnen aus China, Deutschland und Iran im Kunsthaus Rheinlicht am 23.3.2014, 16.00 Uhr. Die Ausstellung zeigt Exponate aus den Bereichen Malerei, Holzschnitt,Skulptur. Die ausgestellten Kunstwerke werden in einer Laudatio von Beatrice Fermor eingeführt und treten in den Improvisationen des Komponisten und Pianisten Josef Marschall in Dialog mit dem musikalischen Klangraum.
Am 23. März 2014, 16.00 Uhr, lädt das Kunsthaus Rheinlicht in Remagen zur Vernissage der Ausstellung „Mensch und Raum“. Es präsentiert vier international renommierte Künstlerinnen und Künstler, die in ihrem Schaffen das Verhältnis von Mensch und Raum auf spannende Weise und aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten.
Die Iranerin Mahtab Firouzabadi fängt in großflächigen, farbintensiven Bildern die Dynamik von Naturkatastrophen ein. Die Kraft von Tsunamis, Vulkanausbrüchen, Stürmen bannt sie auf Leinwand in ein abstraktes Kondensat von Form und Farbe. Ihre Arbeiten stellen die Frage nach dem spannungsreichen Verhältnis von Mensch und Natur. Der Eigendynamik der Natur steht der Mensch schutzlos gegenüber, ist aber zugleich Eindringling in diesen Raum, den er grenzenlos für seine Zwecke missbraucht. So wohnt den Bildern Firouzabadis auch eine prophetische Dimension inne: Wer radikal in diesen natürlichen Raum eingreift, Flüsse begradigt, Wälder rodet, das Klima erwärmt, wird sich mit den Folgen seines Handelns früher oder später auseinandersetzen müssen.
Die filigranen Bronzefiguren von Sibylle Waldhausen inszenieren den Menschen im Beziehungsraum, zeigen ihn in seiner Vereinzelung, als Paar oder im Beziehungsgeflecht der Gruppe. In ihren schlanken, zarten Arbeiten gewinnt die Verletzlichkeit des Menschen eindrücklich Transparenz. Die Oberflächen ihrer Bronzen erzählen von der Haut als dünner Grenze zwischen Innen- und Außenraum.
Die lebensgroßen Holzplastiken Clemens Heinls strahlen in ihrer außerordentlichen Präsenz weit in den Raum hinein. Sie machen in besonderer Weise sensibel für den Zwischenraum als atmosphärisch bewegten Schwingungsraum, in dem sich nonverbale Information kommuniziert.
Die im Stil des Pointillismus gehaltenen großformatigen Holzschnitte und Bilder Ren Huis spielen mit dem Raum als Wahrnehmungsparameter. Das von ihm aus tausenden von Punkten Dargestellte - Gesichter, Blüten, Tiere - ist oft nicht auf den ersten Blick fassbar und gewinnt Struktur im Prozess der Wahrnehmung. Der Betrachter muss sich auf die ganz eigene Raumgestalt des Bildes einlassen, sich bewegen, mit Nähe und Distanz spielen, Abstand gewinnen und verlieren, um das Dargestellte zu erkennen.
Clemens Heinl, 1959 in Schwabach geboren, studierte von 1986-1992 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. 1991 schloss er sein Studium als Meisterschüler bei Prof. Uhlig ab und hat für seine beeindruckenden Plastiken bereits zahlreiche Kunstpreise und Auszeichnungen erhalten.
Clemens Heinls Skulpturen sind keine Darstellungen menschlicher Idealbilder. Seine Figuren verdichten menschliche Charaktere in ihren Stärken und Schwächen. Ihnen wohnt eine außergewöhnliche Präsenz inne, die, bedingt durch den groben Werkstoff und die hohe Kunstfertigkeit, mit der sie ausgeführt sind, unwillkürlich Raum greift. Der Natürlichkeit und Ausdrucksstärke der lebensgroßen Skulpturen kann sich der Betrachter kaum entziehen Geschaffen hat sie der Künstler mit der Motorsäge aus Linden- und Pappelholz - oft bemalt oder auch kombiniert mit Köpfen und Händen in Bronze.
Mahtab Firouzabadi, 1970 in Teheran geboren, ist eines der herausragenden Talente Irans. Sie studierte an der Azad Kunstakademie in Teheran und schloss dieses Studium mit dem Bachelor of Arts ab. Als Preisträgerin wurde die Künstlerin auf der Internationalen Expo 2006 in China ausgezeichnet. Ihre großflächigen, abstrakten Kompositionen auf Leinwand entwickeln einen Tiefensog, dem das Auge des Betrachters magisch folgt. Immer wieder sind es Naturkatastrophen, die die Iranerin künstlerisch verarbeitet: Stürme, Tsunamis, Vulkanausbrüche. Eine faszinierende Dynamik ist ihren Werken eigen, die sich in kraftvollen Farboszillationen inszeniert. Farben verlaufen ineinander, changieren, bilden expressive Räume des Übergangs. Mit intensiven Farben und lichthellen Brüchen gefriert sie den Moment, an dem der Tsunami auf Land stößt oder ein Vulkan eruptiv seine Asche über Siedlungen schleudert. Dabei ist Mahtab Firouzabadi dennoch eine stille Beobachterin, die sehr gefühlvoll, in zurückgenommener Abstraktion, den Pinsel führt. Die Titel ihrer Werke betonen die Dramaturgie der ungebändigten Natur, die sich in die geordnete Welt des Menschen stürzt und sich ihrer Fesseln entledigt. „The city under water“, „collapse“ oder „the wave“ beschreiben Horrorszenarien, die kleinen und großen Tode einer vom homo sapiens geschaffenen Kulturlandschaft.
Ren Hui, 1957 in Nanjing/China geboren, gehört zu den Avantgardisten der modernen Kunst in China. Von 1977-1989 war er schriftstellerisch tätig und veröffentlichte in diversen asiatischen Literaturmagazinen. Seit 1989 konzentriert er sich auf die bildende Kunst. Ren Hui arbeitet mit einem weiten Spektrum von Materialien und Techniken: Papierschnitt, Holzschnitt, Malerei in Tinte auf Reispapier und in Öl auf Leinwand. Im Stil des Pointillismus erstellt der Künstler mit unzähligen feinen Punkten Portraits, Blüten oder Tiere, fotogenau wiedergegeben und dennoch verfremdet. Licht- und Schattenbereiche entstehen durch Verdichtung, Ausdehnung oder Verfeinerung der Punktierung. Welches Medium Ren Hui auch nutzt, seine Arbeiten sind von expressiver Plastizität und Klarheit, die sich bedingt durch die Verfremdung der Darstellung im aktiven Betrachten seiner Werke erschließt. Seine Arbeiten sind ein spannendes Spiel mit der Wahrnehmung, Ren Hui: „Wenn jemand meine Kunst betrachtet, dann hoffe ich, dass er beides empfindet: eine emotionale und eine materielle Freude. Das Gefühl, etwas Vertrautes zu sehen, aber in einer neuen, frischen Weise.“
Neben Einzelausstellungen, werden seine Werke weltweit in Galerien und auf Kunstmessen ausgestellt und sind in vielen privaten sowie öffentlichen Sammlungen (z.B. Morgan Stanley Investment Bank) zu finden.
Sibylle Waldhausen, 1963 in Berlin geboren, studierte von 1992-1998 Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie modelliert mit ihren Händen filigrane, aufstrebende Figuren aus Bronze, welche an die Alberto Giacomettis erinnern. Die mit mehreren Preisen ausgezeichnete Künstlerin lässt ihre Figuren einzeln oder in der Gruppe auftreten. Der Mensch in der Isolation oder im Beziehungsgeflecht der Gruppe ist ein wiederkehrendes Thema ihrer Arbeiten. In der gebrochenen Oberfläche ihrer schlanken Bronzen spiegelt sich die Zartheit und Verletzlichkeit des Menschen.

















