(openPR) Mehr Kooperation im Gesundheitswesen
Auf dem Brühler Campus der Europäischen Fachhochschule (EUFH) trafen sich zum zweiten Mal Gäste aus Theorie und Praxis zu einem Themenabend des Fachbereichs Angewandte Gesundheitswissenschaften. Diesmal ging es um die Anforderungen der Gesundheitsversorgung von morgen und eine angemessene Qualifikation des Nachwuchses in Therapieberufen.
Angesichts der demografischen Entwicklung und der wachsenden Herausforderungen für die Gesundheitsversorgung von morgen sind die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in Medizin- und Therapieberufen in Gesellschaft und Politik ein heiß diskutiertes Thema. Auch wenn es hier sicherlich keine Patentrezepte gibt, so existieren doch bereits heute eine Reihe von Studien und Papieren, die den Blick aus nationaler, europäischer oder weltweiter Perspektive in die Zukunft und auf die morgen besonders gefragten Kompetenzen richten.
Prof. Dr. Monika Rausch, Professorin im Studiengang Logopädie an der EUFH, gab den Gästen zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand der internationalen Diskussion. Schon 2007 hatte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen das Gesundheitswesen insgesamt in den Blick genommen. Das Gutachten stellte schon damals die Kooperation als wichtiger werdendes Charakteristikum von Heilkunde in den Fokus. Die Zusammenarbeit im Team mit anderen Heilberufen und „Poolkompetenzen“, also das Wissen nicht nur über den eigenen, sondern auch über angrenzende Berufe, nehme an Bedeutung zu.
Ein Jahr später forderte ein Memorandum der Robert-Bosch-Stiftung ebenfalls mehr interdisziplinäre Kooperation. In einer Expertenrunde hatte die Stiftung, die regelmäßig mögliche Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen aufzeigt, festgestellt, dass die zukünftig so wichtige Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe bislang weder strukturell noch institutionell im Gesundheitswesen verankert sei. Es sei aber nötig, dies bereits früh in der Qualifikation zu berücksichtigen. Eine stärkere Kompetenzorientierung in der Ausbildung ist ein Schritt in diese Richtung. „Wir sollten uns auf das konzentrieren, was hinten rauskommt“, so Frau Prof. Rausch. „Bei einer guten Zusammenarbeit muss ja jeder wissen, was der Andere kann.“
Auch international setzen die Experten ganz ähnliche Schwerpunkte. Eine unabhängige globale Kommission mahnte 2010 im LANCET-Report unter anderem an, das „Silo-Denken“, bei dem sich jede Berufsgruppe in ihrem eigenen Fachwissen einschließt, müsse überwunden werden. Außerdem forderten die weltweiten Experten eine viel stärkere Verknüpfung von Ausbildungs- und Gesundheitsplanung. Die aktuellste Studie ist ein Arbeitspapier von 2013. In ihrem Arbeitspapier fordert die unabhängige Careum-Stiftung aus Zürich, die sich mit der Bildung im Gesundheitswesen beschäftigt, ebenfalls eine Verstärkung der Kooperation. Demnach müssen die Absolventen von morgen viel mehr Funktionen als „nur“ die gewohnte patientenbezogene Versorgung wahrnehmen. Wichtig sei deshalb, ein breiteres Wissen aufzubauen und sich nicht ausschließlich auf das Fachwissen des eigenen Berufs zu konzentrieren.
In die gut gefüllte Veranstaltungshalle waren Logopädinnen und Logopäden aus ganz Deutschland gekommen, um sich über die aktuelle Debatte auszutauschen. An der anschließenden Diskussion beteiligte sich auch Prof. Dr. Julia Siegmüller, die Dekanin des Fachbereichs. An der EUFH seien die Bachelor- und Masterprogramme in Logopädie, Ergo- und Physiotherapie von Beginn an nach einem eigenen Kompetenzmodell entwickelt worden, das von vornherein eine verstärkte Kooperation mit „benachbarten“ Berufen berücksichtige. Die Studieninhalte sind Handlungsfeldern zugeordnet, disziplinspezifische und interdisziplinäre Inhalte werden miteinander kombiniert. Quer zu den Disziplinen gibt es außerdem besondere Vertiefungsmöglichkeiten, bei denen Ergo- und Physiotherapeuten mit Logopäden gemeinsam im Seminarraum sitzen.







