(openPR) Zu Beginn der Heizperiode machen sich über 100.000 österreichische Haushalte besorgt Gedanken darüber, wie hoch ihre Energierechnung dieses Jahr wohl ausfallen wird. Hier stellt sich nun die Frage, inwiefern auf ein beheiztes Zimmer und die damit verbundene Lebensqualität verzichtet werden kann, um eine Überschuldung zu vermeiden? In Österreich sind v.a. alleinerziehende Elternteile, Pensionisten, Menschen mit Migrationshintergrund und Studierende von Energiearmut betroffen.
In den letzten Jahren ist das Bewusstsein hinsichtlich Energiearmut gestiegen, nicht zuletzt durch die EU Strom- und Gasbinnenmarktrichtlinien und die Energieeffizienzrichtlinie. Immer häufiger werden Maßnahmen gesetzt, um die negativen Auswirkungen von Energiearmut – Verschuldung, Krankheiten und Komfortverlust – zu lindern. Diverse öffentliche und private Einrichtungen bieten bereits Hilfestellung an, bzw. beraten Betroffene direkt vor Ort – in deren Wohnung.
Im Rahmen des EU-Projektes EC-LINC (Energy Check for low income Households) wurde auf der einen Seite untersucht, wie erfolgreich die österreichische Vor-Ort-Energieberatung ist und wo deren Schwachstellen liegen. Dazu wurde bei rund 300 Haushalten in Niederösterreich und Kärnten eine Vor-Ort Energieberatung durchgeführt. Um den Anreiz zur Mitwirkung bei betroffenen Haushalten zu erhöhen, aber auch um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, erhielten die Haushalte im Rahmen der Beratung zusätzlich Energiesparhelfer. Das sind u. a. elektrische Wasserkocher, Fenster- und Türdichtungen, Entlüftungsschüssel für Heizkörper oder Wasserspareinrichtungen, durch deren Einsatz Einsparungen in den entsprechenden Bereichen erzielt werden sollen. Die Evaluierung dieses Ansatzes läuft derzeit, erste Ergebnisse werden somit im Februar 2014 verfügbar sein.
Um aber überhaupt Hilfestellungen im Rahmen der Vor-Ort Energieberatung geben zu können, wurde parallel dazu umfangreiches Ausbildungsmaterial erstellt. Während österreichische Energieberater ihre Expertise sicher im Bereich der thermischen Sanierung und Heizungserneuerung haben, ist bei armutsgefährdeten Haushalten ein anderes Vorgehen gefragt. In diesen Haushalten fehlt es an finanziellen Möglichkeiten, wodurch eher Verhaltensänderungen und der Einsatz von dem einen oder anderen Energiesparhelfer (z.B.: Fensterdichtungen, schaltbare Steckdosenleisten) gefragt sind. Bei den Beratern ist daher sowohl spezielles Kommunikationsgeschick als auch das Eingehen auf das jeweilige individuelle Schicksal gefragt.
Die Ausbildung umfasst einen 60 stündigen Kurs, für den umfangreiches Schulungsmaterial (derzeit nur in Englisch) erstellt wurde. Die Schulungsunterlagen reichen von Fragen des Klimaschutzes, über die berühmten kleinen Tipps wie „richtig Lüften“ bis hin zum Kommunikationstraining. Gleichzeitig wurde ein Softwaretool erstellt, um Organisationen auch Hilfestellung bei der Abwicklung der Vor-Ort Beratungen zu geben. Dieses hilft nicht nur bei der Verwaltung der Beratungsfälle, sondern liefert auch einen Beratungsbericht, der die wichtigsten Empfehlungen für die Klienten noch einmal zusammenfasst. Sowohl die Schulungsunterlagen als auch das Softwaretool werden auf Anfrage bei der e7 Energie Markt Analyse GmbH kostenlos zur Verfügung gestellt bzw. sind über die Webseite http://www.ec-linc.info/ec-linc/downloads/ erhältlich.
Das EU Projekt fand in Zusammenarbeit mit Partnern aus Deutschland, Belgien, Ungarn, Schottland und Österreich statt. Die österreichischen Partner sind die Konsulenten von e7 und die Energie- und Umweltberatung Niederösterreich. Im Fokus des Projektes stand die Übertragung des erfolgreichen deutschen Stromsparchecks auf weitere europäische Länder.
e7 beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Fragestellungen der Energiearmut und berät öffentliche und private Einrichtungen zu energiewirtschaftlichen Themen. 2012 wurden in Zusammenarbeit mit der Katholischen Sozialakademie Österreichs sowohl politische Handlungsempfehlungen als auch Energie-Tipps erstellt, die den Sozialberatern helfen, das Thema Energie im Rahmen der Klientenkontakte leichter zu kommunizieren.
Im Oktober 2013 wurde im Auftrag des Klimafonds ein weiteres Projekt gestartet, das sich dem Thema Energiearmut und Gebäudesanierung widmet und bei dem in drei Untersuchungsregionen in Wien und Niederösterreich unterschiedliche Ansätze gemeinwesenorientierter Arbeit erprobt werden. Dieses Projekt läuft bis September 2015 und wird von e7 in Kooperation mit der Katholischen Sozialakademie Österreichs, der Donau-Universität Krems sowie Beratungsstellen vor Ort umgesetzt.








