(openPR) In unserem digitalen Zeitalter haben Informationsverbreitung und Zugang enorm beschleunigt. Versagen wir unser kulturelles Erbe in Dokumenten und Bildern für zukünftige Generationen zu bewahren?
Als die Autorin dieser Zeilen versuchte Daten von einem acht Jahre alten Computer auf einen aktuellen PC zu übertragen misslang es. Überrascht war sie, dass die acht Jahre alte Maschine nur auf 3 ½” Floppy Disks schreiben kann, ein Laufwerk, das jüngeren Computernutzern antiquiert erscheinen muss, da sie wahrscheinlich nie eine schlottrige 5 ¼” Disk gesehen haben. Aktuelle Windows XP Maschinen haben meist keine Laufwerke für Floppies mehr. Dies führt zu einer Frage von fundamentaler Bedeutung: Was wird aus all den CD-ROMs, DVDs, USB Memory, SIM-Karten und mp3 Spielern auf denen wir unsere Musik und Bilder archivieren? Werden zukünftige Generationen Geräte haben, die derzeitig verwendete Medien lesen und unsere Erinnerungen in Text, Bild und Ton abspielen?
Ornamentierte ePost
Die Archive unserer Museen und Geschichtsfakultäten sind voll historischer Bücher und Korrespondenz, oft liebevoll mit Rahmen und Illustrationen gestaltet und von Generation zu Generation als historische Dokumente weitergegeben. Heute hilft Software wie SmartPic e-Post zu dekorieren und den Gemütszustand des Absenders widerzuspiegeln. Laut Entwickler Abelssoft werden „hübsch anzusehende, personalisierte Nachrichten vom Empfänger eher gelesen und aufgehoben.“ Dies natürlich nur so lange wie die Festplatte hält.
Immer digital
Selbst papierfreundliche Spiele, wie Kreuzworträtsel, KaKuro oder Sudoku kommen digital auf dem Handy oder PC. In diesem Monat bringt embalado in der „yes! Games“-Reihe „Su Doku Classic“ heraus und in Großbritannien veröffentlicht die greenstreet software gerade „Ka Kuro“ auf CD-ROM.
Weltweit synchron
Der Entwickler Somebytes, welcher sich auf erschwingliche Werkzeuge für Microsoft Outlook Benutzer (und damit die meisten Nutzer von PCs) spezialisiert, bietet asynchrone Synchronisierung der Outlook Ordner per e-Mail. Wer in einem räumlich getrennten Team arbeitet wird die Vorteile einer solchen Lösung sofort verstehen: - Termine, Kontakte, Aufgaben, Notizen vom PC daheim oder im Büro können mit den Daten von definierten Nutzern an jedem beliebigen Ort, in jeder Zeitzone der Welt aktualisiert werden, wobei die Zugriffsrechte individuel eingestellt werden. Während dies Arbeit heute sicherlich erleichtert, macht es gleichzeitig papierbasierende Kalender inkompatibel und redundant. Zukünftige Generationen von Historikern und Archäologe werden unsere Zeit nur verstehen können, wenn die Festplatten, die die digitalen Einträge enthalten lesbar bleiben. Die jüngste Geschichte lässt die Vermutung zu, dass dies wenig wahrscheinlich ist.
Die virtuelle Hand
Der Trend zu spurlosen Vorgängen lässt sich am Buyertools Reminder gut illustrieren. Dieses gratis Bietprogramm ermöglicht gleichzeitig verschiedene Gebote in der online Auktionsseite eBay abzugeben, wobei die Software dafür sorgt, dass im letzten Moment geboten wird, gerade noch vor Ende einer Auktion. Dies steigert des Bieters Chancen mit einem relativ niedrigen Gebot die Auktion zu gewinnen, da dies die Zeit die anderen Interessenten zum Reagieren verbleibt minimiert. Nach erfolgreichem Gebot wird ein wenig elektronische Kommunkation ausgetauscht. Mit Ausnahme der ersteigerten Güter ist alles voll automatisch und digital. Keine Spuren, kein Papier.
Spurlose Stellenausschreibung
Seit dem Aufkommen von Monster.com ist die Sektion Stellenanzeigen in allen Tageszeitungen so sehr geschrumpft, dass ihr gänzlicher Untergang absehbar erscheint. Die auf den akademischen Stellenmarkt spezialisierte Uni-Partners GmbH betreibt seit einigen Monaten eine Seite namens http://www.euni.de und geht dabei noch einen Schritt weiter als alle anderen. Personaler können im Internet selbst zentral Stellenanzeigen schalten, auf Mausklick wird die Anzeige auf den Stellenportalen von mehr als 30 Universitäten Deutschlands den potenziellen Bewerbern direkt „vorgesetzt“. Wenn der Buchungstermin der Anzeige abgelaufen ist verschwindet diese spurlos aus dem WWW. Wird eine Generation später noch jemand nachvollziehen können wie Universitätsabsolventen Ihre erste Stellen fanden und wie sie dafür angeworben wurden?
Networking online
Interaktives online Networking wird in der Geschäftswelt immer populärer. Dieser Trend wird von neuen Entwicklungen in „social Software“ (siehe http://www.socialbc.com und http://www.sossoon.net) getragen. Online Networking erreichte im vergangenen Jahr auch die Welt der Forschung und Lehre mit dem knowledge Network Academici. Dieses online Network bietet sofortigen Zugang zu aktueller Diskussion und den in Foren veröffentlichten Artikeln, sowie asynchrone Kommunikation mit Fachgruppen verschiedenster wissenschaftlicher und akademischer Disziplinen in aller Welt, rund um die Uhr. Wenn die Server erst einmal ausgestellt sind, wird das Wissen der verbleibenden Gesellschaft so aktuell sein wie das letzte gedruckte Buch. In unserer Gegenwart wird interaktives Networking jedoch gerade zu einem elementaren Tool für Geschäftsleute und Akademiker.
Das Fotobuch, gedruckt auf Papier und haltbar
Die einzige Neuheit der letzten Wochen die mit diesem Trend bricht und Erinnerungen festhält und in die Zukunft trägt sind gedruckte Fotoalben, wie das Fotobuch von http://www.FotoInsight.de. Vielleicht erblicken durch diesen Bilderservice die auf Festplatten versteckten digitalen Schätze einmal das Licht der Welt. Ordentlich angelegte, professionel gebundene Fotobücher können helfen in Bilder gefasste Erinnerungen zu konservieren und digitale Fotos in greifbare Geschichten und Anhaltspunkte zu konvertieren. Fotobücher sind offerbar ein beliebtes Geschenk, denn laut FotoInsight machte diese Neuheit im ersten Monat (Dezember 2005) bereits 12% des Umsatzes des Bilderdienstes aus. Die traditionelle Bildentwicklung ist dagegen 20% unter Vorjahresniveau.
Schlusswort
Eine Kultur, die es nicht schafft Ihre Erinnerungen in Wort und Bild zu bewahren, wird sich geschichtslos in Nichts auflösen. Nutzer von digitalen Systemen sollten nicht davon ausgehen, dass Ihre Kinder die Daten, die auf Memory Sticks, CD-ROMs oder DVDs gespeichert werden, lesen können.











