(openPR) Ein vierstimmiger Streichersatz - a quattro - steht im Mittelpunkt des Konzertes in der Reihe "Harmonia Mundi - Musica Coelestis" der Cammermusik Potsdam, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert.
Am 22. September 2013 um 17 Uhr wird im Freidensaal der Villa Tieck am Park Sanssouci das Konzert "A Quattro" erklingen. Erklingen weden Werke von Christoph Schaffrath, Johann Gottlieb Janitsch und Georg Anton Bendas Melodram "Ariadne auf Naxos". Bei letzterem wird das Cammermusik-Ensemble durch die Mezzosopranistin Alexandra Broneske und den Schauspieler Andreas Hueck bereichert.
Es wirken mit:
Die Kleine Cammermusik (Marek Niewiedzial – Oboe, Wolfgang Hasleder und Rahel Mai - Violine, Heinrich Kubitschek - Viola, Kathrin Sutor - Violoncello, Sabine Erdmann - Cembalo) sowie Alexandra Bronneske und Andreas Hueck.
Das 18. Jahrhundert hat den musikalischen Formenkanon hervorgebracht, der bis zum heutigen Tag seine Gültigkeit bewahren konnte. Ein Beispiel ist die Entwicklung des Streichquartetts aus der mit Basso Continuo begleiteten Ensemble - Sonata a4 ( a quattro). Diese Form der Sonate, die auch als "Quadro" bezeichnet wurde, hatte durchaus ihre kompositorischen Tücken und zählte als Herausforderung ersten Ranges an den Schöpfer, da ja drei vom Bass unabhängige Stimmen durchaus Vierklänge hervorbringen und damit eine auf die völlige Unabhängigkeit der Stimmen setzende kontrapunktische Schreibweise an ihre Grenzen stieß. Trotzdem - oder gerade deswegen - trugen die also notwendigen Verdopplungen der Akkordtöne zu so großer Klangpracht und Tonfülle bei, dass zur Mitte des Jahrhunderts das Komponieren von Sonatae a4 große Mode wurde, genannt seien die berühmten Pariser Quartette Georg Friedrich Telemanns oder die Quartette Johann Friedrich Faschs. Nun zeigte sich aber plötzlich, dass der vierstimmige Streichersatz auf die Mitwirkung des Cembalos oder Harmonieinstruments verzichten konnte, ja die Beweglichkeit und Klangreinheit unter Umständen sogar zunahm, wenn die Streicher allein spielten. Die Geburtsstunde des Streichquartetts hatte geschlagen!
Es blieb Joseph Haydn vorbehalten, die Gattung des klassischen Streichquartetts innerhalb weniger als zwanzig Jahren zur höchsten Vollendung zu führen. Im Raum Berlin blieb die Sonata a4 eine wichtige Institution, auch ein Meister wie Johann Gottlieb Janitsch wurde im großen Umkreis für seine Quadri gelobt wurde, die er auch in seinen freitäglichen Berliner Privatakademien zur Aufführung brachte, einem der ersten Beispiele bürgerlichen Musiklebens. Charakteristisch, dass der Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" als Verbeugung vor der "alten" Kammermusik des Übervaters Johann Sebastian Bach im langsamen Satz seines Quadros in g-Moll erscheint, allerdings in ein Kostüm aus rokokoartigen fröhlich-sehnsüchtigen Seufzerketten gekleidet, die dem Choral jede Gedrücktheit und Trauer vorenthalten. Hält man sich dann die für die "Königliche Cammermusik" komponierten Werke Christoph Schaffraths vor Augen, hier eine elaborierte Ouverture a4 und ein erstmals erklingendes Oboenquartett, so ist es nur ein kleiner Schritt bis Georg Anton Benda im Vorwort seiner gedruckten Partitur zur Streichquartettfassung des Melodrams "Ariadne auf Naxos" schreiben wird:
"..... so habe ich mich entschlossen, um die Aufführung dieser Musik kleineren musikalischen Gesellschaften und Privattheatern zu erleichtern, davon einen Auszug von vier Instrumenten, wie der Titel anzeigt, zu liefern. Hiervon darf keine Stimme stärker als einfach besetzt werden."
Dazu wäre noch zu ergänzen, dass der unmittelbare Anlass für Bendas Bearbeitung die Kunde von entstellenden Aufführungen des höchst erfolgreichen Melodrams gewesen war, die durch willkürliche Besetzungskürzungen zustande kamen. Da erschien nun das Streichquartett durchaus als das Mittel der Wahl um diesem Missstand abzuhelfen.
Tickets zu 14 Euro / ermäßigt 10 Euro
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