(openPR) Martin Groß (* 1984, Plauen), der Anfang des Jahres sein Studium bei Prof. Annette Schröter an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig abschloss, erschafft Bilder an der Schnittstelle zwischen Chaos und Ordnung. In seinen sorgfältig ausgeführten Zeichnungen formen sich aus zarten Linien, dunkel schraffierten Flächen, papierweißen Segmenten und harten Schattenrissen komplexe Raumvisionen, die sich einer vordergründigen Nutzfunktion auf subversive Weise entziehen.
Der Künstler wurde bereits mit einigen Preisen und Stipendien ausgezeichnet: Dem Kunsthüttenpreis des Museums für zeitgenössische Kunst/Neue Sächsische Galerie in Chemnitz (2010), dem Studienpreis der HGB Leipzig (2011) und der Woodmill Artist Residency in London (2013). Seine Werke waren zuletzt in der Ausstellung At it‘s Best! der Sächsischen Landesvertretung in Berlin (2013) zu sehen, in der besonders talentierte Studierende und Meisterschüler der HGB Leipzig vorgestellt wurden. Die Galerie FELDBUSCHWIESNER freut sich die Arbeiten des jungen Künstlers nun erstmals in einer großen Einzelausstellung zu präsentieren.
Martin, was wird in der Ausstellung von Dir zu sehen sein?
Gezeigt werden Arbeiten auf Papier, vor allem Zeichnungen: großformatige und kleinere Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahren.
Du arbeitest in erster Linie mit der Zeichnung. Woran orientieren sich Deine Konstruktionen und wie läuft der zeichnerische Prozess ab?
Ich beschäftige mich mit Raumdarstellungen; mit Objekten und den damit verbundenen Verhältnismäßigkeiten von Struktur, Form, Funktion, Zeit, Maßstab und deren Wahrnehmung im weiteren Sinne. Die Auseinandersetzung basiert auf der zeichnerischen De- und Rekonstruktion unterschiedlicher raumbezogener Strukturen. In der Praxis funktioniert das über das Löschen von bereits Aufgebautem mittels Radiergummi und dem Wiederaufbau mittels Zeichnung. Die Grundlage meiner älteren Arbeiten waren gegenständliche Vorzeichnungen. Der ausgewählte Bildraum wurde in seine Bestandteile zerlegt, fragmentiert, abstrahiert und neu arrangiert. Mein Impuls war das Verhältnis des Fragments gegenüber der vorangegangenen Konstruktion und zukünftiger Rekonstruktion.
Welche Bedeutung hat das Fragmentarische und Ruinöse heute für Dich? Friedrich Schlegel sagte, dass nur das Fragment in angemessener Weise auf das Unendliche verweisen kann.
Die Aufmerksamkeit meiner jüngeren Arbeiten gilt der Autonomie des Fragments. Das Auseinandernehmen gegenständlicher Dinge durch Abstraktion ist durch das Überschreiben und Neuzusammensetzen von ruinösen Fragmenten älterer Arbeiten erweitert worden. Durch das Kompostieren und Aufbrechen dieser Fragmente werden vergangene Zustände wieder erinnert und neue Möglichkeiten hervor gebracht. Die aus Ruinen gebauten, visionären Objekte folgen aber erneut den Regeln von Perspektive und Raum. Ich glaube außerdem, dass es ein großes Interesse für Orte gibt, an denen Zeit verzerrt dargestellt wird. Orte, die einst als Zukunftsversprechen errichtet wurden und heute für Vergangenheit stehen. Mich interessieren Übergangszustände zwischen Werden und Zerfallen! Palimpsesthafte Überlagerungen, die durch Auslöschung, Auflösung und anschließendes Überschreiben entstehen. Das Fragment wird zum Rest vorher da gewesener Bildzustände.
Was hat es mit Rutur, dem Titel der Ausstellung, auf sich?
Rutur ist der Titel einer Arbeit, die in der Ausstellung zu sehen ist. Der Großteil meiner Werktitel ist von Italo Calvinos Buch Die unsichtbaren Städte inspiriert. Darin berichtet Marco Polo dem alternden Mongolenherrscher Kublai Khan von Orten, die er auf seiner Reise besucht hat. Die beschriebenen Städte sind fiktiv und eigentlich Metaphern für bestimmte historische, geografische oder alltägliche, soziale Konstellationen. Wie das Buch beschreiben meine Zeichnungen Orte, Räume und Objekte, die in dieser Form im Grunde nicht existieren. Losgelöst vom Buch sollen meine Titel beschriebenen und überschriebenen Raum verorten.













