(openPR) Wenn die Benutzung einer Bibliothek deren tiefe Bestimmung ist, hat der Nutzer eine entscheidende Bedeutung: Er lässt die Sammlung lebendig werden, ganz im Sinne der Zweckbestimmung. Umso stärker die Erwerbung von den Wünschen des Nutzers getragen ist, desto lebendiger ist sie und umso enger ist die Verbundenheit mit Ihren Nutzern, wie Veränderungen der Ausleihstatistik zeigen werden. Nutzer können zwar nicht mit bibliothekarischer Kompetenz aufwarten und werden sich in ihren Wünschen auch weniger an den langfristigen Zielen der Bibliothek orientieren. Nutzer setzen aber initiale Impulse, die im Rahmen kompetenter bibliothekarischer Bearbeitung in die Erwerbung einfließen sollten . Diese Impulse macht sich die nutzergesteuerte Erwerbung von vub bei Monographien zunutze: PDA Print!
Mit der Erwerbungsleiterin für Monographien an der USB Köln, Birgit Otzen, hat vub | Wissen mit System im vergangenen Jahr eine nutzergesteuerte Erwerbung für gedruckte Bücher (PDA-Print) entwickelt. Diese Methode setzt auf einem elektronischen Approval-Plan auf und entwickelt ihn weiter.
Am Startpunkt legt erst einmal der bibliothekarische Fachreferent gemeinsam mit vub den Umfang der Titeldaten fest, die zu einem bestimmten Fachgebiet („afroamerikanische Skulptur des 16. Jahrhunderts“) in den bibliothekarischen Bestandskatalog eingespielt werden sollen. Über die Bestände in der Sammlung entscheidet also an dieser Stelle mitnichten „der Mann von der Straße“, weil schon an dieser Stelle das bibliothekarische Fachwissen in den Prozess einfließt und nicht verloren geht: Ein- und Ausschlusskriterien, Verlagsangaben, Preislimits und andere Beschränkungen sorgen für die Kontinuität qualifizierter bibliotheka-rischer Arbeit. Diese wird mit Hilfe von entsprechenden Algorithmen der Systeme bei vub umgesetzt. und bis zu diesem Punkt ist noch keine Monographie bestellt, erworben oder bezahlt worden. Lediglich der Katalog wird um Datensätze ausgewählter Monographien erweitert, soweit sie dem Bibliothekar sinnvoll und nützlich erschienen sind.
Wöchentlich wächst der Katalog mit Titeldaten von Neuerscheinungen zu eben diesem Themengebiet, die über eine Webschnittstelle an den OPAC geliefert und nach einem Abgleich mit Dubletten für jeden Nutzer erreichbar sind. Die Erwerbung kann diese Datenlieferungen vorher noch einmal kontrollieren, einschränken, strei-chen, erweitern, also dem als Sinnvoll erachteten anpassen. Dafür werden, unter Umständen in einer Genehmigungskaskade der bibliothe-karischen Fachreferenten, weitere beschränkende Kriterien eingeführt oder bestehende Beschränkungen aufgehoben. Im OPAC landen dann nur Titeldaten, von deren Nützlichkeit die Bibliothek überzeugt ist.
In dieser ersten Stufe kann die Bibliothek dem Nutzer also einen deutlich erweiterten OPAC zur Verfügung stellen. Sie bietet dem Nutzer ein erheblich größeres Angebot an ausleihbaren Titeln, selbst wenn diese noch nicht in den Bestand eingeflossen oder noch nicht einmal erschienen sind. Das PDA Print Konzept ist damit dem Paketverkauf großer Verlage überlegen, weil in diesem Fall ja ein kompletter „Paketteil“ der Verlagsproduktion körperlich abgenommen und bezahlt werden muss, ohne dass die Nützlichkeit der einzelnen Monographien für den Nutzer erwiesen wäre, weil die Erwerbung im Paket und damit „auf Verdacht“ erfolgt.
Erst im zweiten Schritt steuert der Nutzer den weitern Prozess, zumindest stößt er ihn an: Trifft nämlich einer der gelieferten Datensätze im OPAC auf das Interesse des Nutzers, löst er einen Bestellwunsch aus. Mit dem Bestellwunsch kann je nach Präferenz der Bibliothek umgegangen werden. Die Erwerbung kann sich die Prüfung und Freigabe des Bestellwunsches vorbehalten. Sie und nicht der Nutzer hat damit durch die fachliche Arbeit der Fachreferenten die Oberhand über die Entwicklung der Sammlung. Der Bestellwunsch kann aber auch sofort in eine Bestellung umgewandelt werden und der Band steht dem Nutzer binnen 24 Stunden zur Ausleihe zur Verfügung. Diese soeben getätigte Erwerbung führt dann zeitgleich zu einer Ausleihe und schlägt sich in der Ausleihstatistik nieder.
Der Einsatz beider Modelle hat sich seit der stufenweise Modellierung, Erprobung und Umsetzung bei der USB Köln bezahlt gemacht. Der Datenbestand ausgewählter Fachge-biete hat sich im OPAC deutlich vergrößert, ohne dass die Kosten in der Erwerbung gestiegen wären. Der Nutzer freut sich über eine deutlich vergrößerte Auswahl von Titeln und leiht in diesem Rahmen Titel aus, die noch nicht körperlich im Bestand der Bibliothek sind. Er wird im Zweifel nur die Monographien auswählen, an denen über kurz oder lang auch andere Nutzer Interesse finden.
In der Ausarbeitung von Nardini. hat sich nämlich gezeigt, dass nutzergesteuert erworbene Titel öfter ausgeliehen werden, als die auf den üblichen Wegen erworbenen Titel. In der Folge stiegen im Rahmen seiner Untersuchung die Buchtransaktionen bei gleichbleibendem Erwerbungsetat um das sechsfache in den Bibliotheken an, die ihre Nutzer an der Erwerbung beteiligen. Im Zweifel ist es eine gute Entscheidung, sich ergänzend zu den bisherigen Erwerbungsmethoden auch mit dem PDA Print von vub zu befassen und gemeinsam Erfahrungen zu sammeln. Diese werden je nach dem Profil der Bibliothek ganz individuell ausfallen und bedürfen auch in der Methode der individuellen Anpassung.
vub | Wissen mit System, ist aus einer 1845 in Breslau gegründeten Verlagsbuchhandlung hervorgegan-gen. Die Leistungen für Bibliotheken werden von Köln aus gemeinsam mit bibliothekarischen Kunden entwickelt und erprobt, bevor sie bundesweit und länderübergreifend für Bibliothe-ken zum Einsatz kommen. Als Mitglied der Kölnischen Bibliotheks-gesellschaft wird Wert auf die Bedeutung der Institution Bibliothek gelegt, die auch künftig einen wichtigen Baustein für die Informa-tionsgesellschaft darstellt.
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