(openPR) … oder, wie ein ganz normaler Fußball-Fan sich seinen eigenen Fußball Talk baut
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen abends auf dem Sofa und zappen sich durch die Talk-Sendungen Ihres Vertrauens. Illner, Plasberg und Co aber überzeugen nicht, stellen ihren horchrangigen Gästen die falschen Fragen oder äußern merkwürdige Schlussfolgerungen. Stehen Sie dann auf vom Sofa und rufen „Das kann ich besser“ ? Wohl eher nicht.
Einer hat es getan! Ralf Friedrichs (48) konnte es am Karnevalssonntag 2009 nicht mehr ertragen, das beim beliebten Fußball-Talk „Doppelpass“ des damaligen Senders DSF (heute Sport1) sein 1.FC Köln in der Diskussion nur aus der Ferne und dabei – wie er fand – völlig falsch bewertet wurde. „Die diskutieren aus München, haben das Geißbockheim teilweise noch nie gesehen und kennen die Gemengelange vor Ort gar nicht. Das muss man von hier aus machen“ folgerte der glühende, aber auch kritische Fan seines Lieblingsvereins und wurde aktiv.
Keine zwei Wochen später saß mit dem Ex-Premiere League Profi und Fußball-Bestseller Autor Lars Leese („Der Traumhüter“) der erste prominente Fußballfachmann an seinem FC-STAMMTISCH - so sollte sein neues Baby von nun an heißen - und analysierte mit Friedrichs und den Fans Rolf Bauer und Martin Schlüter den 2:0 Sieg des FC in Cottbus. Ebenso stimmte sich die Runde auf das bevorstehende Nachbarschaftsduell gegen Leverkusen ein. Sinnigerweise hospitierte Leese zu dieser Zeit als Trainer gerade bei Bayer und konnte „Spionagedienste“ leisten.
Die Aufnahme wurde mit einer einfachen Digicam vorgenommen, es gab keine Scheinwerfer, keinen Weißabgleich, keine Mikros und auch sonst nichts, was nur an ansatzweise an eine echte Fernseh-Sendung erinnert hätte. Die gelbstichigen Aufnahmen waren technisch gesehen TV-Schrott, allerdings überzeugte der Inhalt. Die Gespräche verliefen launig, aber auch inhaltlich interessant. „Diese erste Runde war ein großes Glück“ meint Friedrichs im Rückblick. „Leese ist ein echter Fußball-Erklär-Bär, ein bisschen wie Klopp … dazu die verbal überzeugenden Fans Bauer und Schlüter, das passte alles.“
Nicht nur den Fans gefiel die inhaltlich überzeugende Runde, schon bald wurden die Kölner Medien aktiv und durch die Präsentation des Talks in diversen Internet-TV Angeboten wurde aus dem Underground-Provisorium mehr und mehr eine echte Marke, bis heute, zur 100. Sendung.
Das Erfolgsgeheimnis der Sendung ist die Einfachheit, über die aktuellen Ergebnisse und Vorgänge beim 1.FC Köln reden Medienvertreter mit Fans und bekannten Fußballgrößen, alle mit Bezug zum 1.FC Köln. Ralf Friedrichs konnte bereits viele Titelträger, Bundesliga-Trainer- und Manager und anerkannte Fachgrößen an seinem Stammtisch empfangen. Die prominente Gästeliste bracht dabei den Vergleich mit dem Hochglanz-Vorbild „Doppelpass“ nicht zu scheuen. Wichtig ist die Teilnahme des „normalen Fans“ des 1.FC Köln, der in der Talkrunde auf Augenhöhe mitdiskutiert.
Ein weiterer Faktor für die Beliebtheit des Formats ist der Moderator selbst. Zwar hat Friedrichs nie eine Moderatorenschule von innen gesehen und so mancher TV-Profi würde sicher vieles zu bemängeln haben, aber gerade die authentisch-kölsche Art des moderierenden Fans gefällt den meisten Zuschauern. Er ist einer von ihnen und stellt zumeist die richtigen Fragen. Und er ist bei aller Liebe zum Verein kritisch. „Ein reiner Jubeltalk wäre für mich niemals in Frage gekommen. Das würde auch niemanden interessieren, dafür gibt es die offiziellen Club-Organe. Wir äußern unsere Kritik … die aber immer mit Herz- und FC-Fanblut“ fügt der Rheinländer noch an.
Dies hat ihn beim Verein selbst nicht immer nur beliebt gemacht. Als Claudia Banach, die Witwe des bei einem Autounfall 1991 verunglückten FC-Stümers Maurice Banach, beim FC-Talk klagende Worte für das Verhalten des FC´s in der Zeit nach dem Unfall fand, löste dies einen, für den Verein nicht angenehmen Pressewirbel aus. Zudem galt der FC-STAMMTISCH für viele FC-Offizielle aus der Ära des Präsidenten Wolfgang Overath als Keimzelle der Opposition (FC-Reloaded). „Das stimmt nicht“ entgegnet Friedrichs „wir haben lediglich als erster und fast einziger den Oppositionellen eine Argumentations-Plattform geboten. Ebenso haben wir aber auch, teils in der gleichen Sendung, Overath-Anhänger zu Wort kommen lassen. Darüber hinaus konnte sich der damalige Vize-Präsident Glowacz intensiv zu diversen Vorwürfen seitens der Opposition in gleich zwei Sendungen äußern.“
Das Verhältnis blieb trotz diverser Talk-Teilnahmen von Vereinsoffiziellen wie u.a. Claus Horstmann und Frank Schaefer ein wenig unterkühlt. Doch so langsam weichen sich die Fronten auf. Die neue Führung verschließt sich nicht mehr, auch wenn Neu-Präsident Werner Spinner mit den jüngsten Äußerungen des Stadionsprechers Michael Trippel beim FC-STAMMTISCH nicht einverstanden war, so hat er Friedrichs in einem persönlichen Gespräch versichert, nun auch selbst an einem Talk teilnehmen zu wollen. „Es wäre eine schöne Sache, wenn dies zustande käme, schließlich reden wir ja FÜR den FC, nicht dagegen“ so der Moderator eines Formats, welches am 4.12.2012 um 20 Uhr zum 100. Mal seine Gäste im Gaffel am Dom begrüßen wird.
Wie lange es diese Sendung noch geben wird, kann das FC-Mitglied Friedrichs nicht sagen „Sicher bis zum Ende der Saison 2012/2013. Danach wird neu entschieden, denn einfach ist die Sache ja nicht. Wir haben fast kein Budget, die Gäste kommen außer der Verköstigung im Gaffel am Dom ohne Gage und auch die Vorbereitungen auf so einen Talk sind erheblich. Eigentlich rechnet sich das nicht. Es ist so gesehen ungewöhnlich, das wir überhaupt 100 Sendungen geschafft haben und dementsprechend wird jedes Jubiläum auch gut gefeiert“ schlussfolgert der Vater zweier FC-begeisterter Söhne.
Den Zuschauern vor den Monitoren, die aus allen Erdteilen via Internet zuschalten, wie Zuschriften zeigen, würde dieses kleine, aber feine kölsche Format sicher genau so fehlen, wie den Live Zuschauern vor Ort, die kostenlos im Gaffel am Dom den Aufnahmen zuschauen. Somit kann man Ralf Friedrichs und seinem FC-STAMMTISCH nur wünschen, dass es weitere Jubiläen zu feiern gibt.











