(openPR) Bernard Glassman: Zeugnis ablegen. Buddhismus als engagiertes Leben, edition steinrich 2012, Hardcover, 272 Seiten, ISBN 978-3-942085-27-3, Euro 22,50
Bernard Glassman, Zen-Meister und Autor, lebt und lehrt eine außergewöhnliche buddhistische Praxis. Normalerweise denken wir bei Meditationsseminaren an Rückzug an Orte der Stille und Beschaulichkeit, deren äußerer Rahmen den Teilnehmenden ideale Bedingungen bietet, um auch innerlich zur Ruhe zu kommen.
Nicht so Bernard Glassman: Er geht mit seinen Retreats bewusst an Orte, an denen viel Leid erfahren wurde oder wird, und das er durch seine Arbeit transformieren will.
Die Retreats in Auschwitz-Birkenau sind für alle Beteiligten eine große Herausforderung, denn niemand kann sich den tiefen leidvollen Erfahrungen, die dort geschehen sind, entziehen. Zumal viele Teilnehmende eine persönliche Betroffenheit haben. Aber Glassman gelingt es, u. a. mit seinem Mut, seiner Entschlossenheit und seinem Mitgefühl, das Leid anzuschauen, anzuerkennen und zu transformieren. Wie diese Retreats ablaufen und welche Erlebnisse er und viele Teilnehmer dabei haben, berichtet er in dem Buch. Es ist sehr berührend zu lesen, wie die Menschen in Auschwitz zunächst pures Entsetzen spüren und im Laufe des Retreats Heilung geschieht. „An einem Abend sprach ein Franzose das aus, was die Herzen vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewegte. Michel Dubois hatte hier seine Verwandten verloren. Der Besuch an diesem Ort war für ihn eine traurige und schmerzliche Wiederbegegnung mit diesen Menschen. Doch mit dem wachsenden Schmerz, den er empfand, nahm auch seine Freude und Liebe zu. Er sagte, er habe das Gefühl, von den Seelen, die an diesem Ort weilten, gehe Liebe aus. Und das ist tatsächlich so: Von Auschwitz und Birkenau strahlt Liebe aus. Diese Liebe hat uns hier zusammengebracht. Die Unterschiede, die zwischen uns bestanden, trennten uns nicht mehr. Das anfängliche Schweigen und die Gefühle der Angst und Wut hatten sich in Harmonie, Humor und ein Gefühl tiefer Wertschätzung unserer selbst und aller anderen Anwesenden verwandelt. Wir waren eine Familie geworden.“, lesen wir in dem Teil über Auschwitz.
Ein weiterer Bestandteil seiner Praxis sind die Straßenretreats. Das bedeutet, dass er sich mit einer Gruppe Menschen für einen bestimmten Zeitraum auf die Straße begibt, dort lebt, bettelt und in Obdachlosenunterkünften übernachtet. Als er anfing, für Obdachlose Wohnungen zu bauen und ihnen Arbeitsmöglichkeiten zu bieten, wollte er mit den Menschen auf der Straße Einheit erfahren. Dazu musste er jedoch selbst auf der Straße gelebt haben. Wie diese Retreats ablaufen, was es bedeutet, bewusst auf der Straße zu leben, was die Betreffenden erleben und wie sie sich immer wieder als Ausgestoßene behandelt fühlen, davon schreibt Glassman sehr eindrücklich.
Und wir erfahren, wie er den Peacemaker-Orden als Orden des Frieden Stiftens gegründet hat und was dessen Ziele sind und wie er und die Beteiligten diese umsetzen.
Es ist ein Buch von jemandem, der lebt, was er lehrt, tief gehend und doch auch mit Humor. Glassman lässt sich nie vom Leid niederdrücken, sondern er sucht Wege, damit es heilen und transformiert werden kann. Es sind ungewöhnliche Praxiswege, die aber auch ungewöhnlich heilend wirken können. Außerdem sind sie nie abgehoben, sondern immer ganz alltagstauglich.
http://www.edition-steinrich.de













