(openPR) Zwei Köhler aus Koblitz lassen derzeit im Höfemuseum in Kramsach dichten Rauch aufsteigen. Holzkohle wird nach Tradition hergestellt.
Kramsach/Tirol. Mit „Gut Brand“ begrüßen Klaus Benze und Wolfgang Nileburg die Besucher bei der Eröffnungsfeier der Köhlertage. Und das, obwohl ihre Arbeit vor allem darin besteht, einen Brand tunlichst zu vermeiden.
Die beiden Köhler aus Koblitz, nahe Magdeburg, machen für eine Woche lang im Museum Tiroler Bauernhöfe Station, um hier nach alter Tradition Holzkohle herzustellen. Keine leichte Aufgabe, wie der 72-jährige Klaus Benze bestätigt, denn so feierlich die Festtage beim Anzünden und Entnehmen der Kohle sind, so hart gestalten sich die Arbeitstage, die dazwischen liegen. Beißender Rauch, Ruß, Schlafentzug und die stündliche Kontrolle der Glut – auch in der Nacht – gehören zum Alltag der beiden Männer. Bei der Köhlerei handelt es sich um eine uralte Handwerkstechnik, die auch in Kramsach bis in die 1920er Jahre praktiziert wurde. Mittels trockener Destillation wird das Holz unter Luftabschluss erhitzt und über mehrere Tage durchgekohlt. Heute ist das Handwerk fast ausgestorben, nur noch eine Handvoll Leute wissen um diese Arbeitsweise. „Schon als Steppke habe ich meinem Vater geholfen“, erzählt Klaus Benze, der noch bis 1963 vom Köhlern lebte. Heute ist es nur noch ein Hobby für die beiden, allerdings ein aufwändiges¬.
Zwei Tage lang schichteten sie 23 Raummeter Buchenholz zwei Meter hoch aufeinander und deckten das Holz mit Laub und Erde luftdicht ab. „Dann fängt die Kunst des Köhlers erst an“, verrät Benze, denn „beim Kohlenmeiler ist es wie mit einem faulen Zahn. Man sieht von außen nicht, wohin sich die Glut im Inneren frisst – da braucht es viel Gespür.“
Bis zu 400 Grad wird der Meiler im Inneren heiß, der nur über die Luftzufuhr gesteuert wird. Dazu sticht Benze immer wieder Luftlöcher mit dem „Rugen“, einer Holzstange mit Eisenspitze, in den Meiler oder deckt die Löcher mit Erde ab. Und das Tag und Nacht, Stunde für Stunde und immer gemeinsam.
Wie hält man sich so lange wach? „Sobald der Meiler angezündet ist, können wir mehr schlafen, das ist in einem drin“, so Benze. Ihr Lager befindet sich in einer alten Rindenhütte, wenige Meter neben dem Meiler. Am dritten Tag breitet sich der Rauch auf den ganzen Meiler aus. Gefährlich wird es, wenn Benze dann auf den Meiler steigt, um die Glut zu prüfen: „Ich könnte durchbrechen, aber deshalb sind wir immer zu zweit, wir vertrauen uns blind.“
Und warum der ganze Aufwand, wenn es in jedem Supermarkt Grillkohle zu kaufen gibt? „Diese Kohle glüht viel länger als die industriell gefertigte Holzkohle, der Rauch riecht nicht und man braucht viel weniger davon für seinen Grillabend“, schwärmen beide für ihre Kohle. Bei einem Abschlussfest wird die Holzkohle am Samstag, den 18. August, im Museum verkauft. Bis dahin kann man die Köhler besuchen und ihnen bei ihrer Arbeit zusehen.















