(openPR) Trierer Modedesign-Studenten entwerfen Kunst zum Anziehen - Das Historische Museum in Luxemburg präsentiert die Gewinner des Designwettbewerbs
Am Freitag, den 8. Juni, war es endlich soweit. Das Musée Historique de la Ville de Luxembourg eröffnete die große Sonderausstellung „ABC - Luxemburg für Anfänger ... und Fortgeschrittene“, die nach 26 Buchstaben des Alphabets ein originelles Portrait des kleinen Großherzogtums zeichnet.
Luxemburg ist zwar eine der kleinsten Nationen der Welt, präsentiert sich aber dennoch äußerst facettenreich. Von A wie Aanescht (anders als die Anderen) bis Z wie Zefridden (zufrieden), von der nationalen Identität bis hin zu Antworten auf viele kleine Fragen, auf die selbst Einheimische oft keine Antwort wissen, erfährt der Besucher auf informative und unterhaltsame Weise viel Wissenswertes und Interessantes. Ob Politik oder Gesellschaft, Wirtschaft, Kunst, Kultur oder Eigenart – Geschichte und Gegenwart stehen dabei stets in Bezug zueinander.
Zu den Highlights der Ausstellung gehören auch die drei Kleider, die im oberen Stockwerk zum Buchstaben F präsentiert werden. Und die eigens dazu von den Modedesign-Studenten der FH Trier im Rahmen eines Wettbewerbs angefertigt wurden.
Wochenlang hatten die Studenten des 2. Semesters unter Leitung von Prof. Bettina Maiburg skizziert und drapiert. Meterweise Stoff in den luxemburgischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot auseinander geschnitten, in Falten gelegt und neu zusammengefügt. F wie Fändel – die Fahne Luxemburgs war Thema des Designwettbewerbs, den das Historische Museum der Stadt Luxemburg an der FH Trier ausgeschrieben hatte und zu dem die Studenten eine ästhetisch anspruchsvolle Robe gestalten sollten. Dabei sollten die Farben der Trikolore ebenso berücksichtigt werden wie Bekleidung, Stimmung und Attitude auf Gemälden und Fotos von den beiden Portraitisten des Luxemburger Bürgertums des 19. Jahrhunderts, Jean-Baptiste Fresez (1800-1867) und Charles Bernhoeft (1859-1933). Kragenformen, Knopfleisten oder Ärmel von den historischen Vorlagen finden sich darum auch als schnitttechnische Details, abstrahiert oder sogar zweckentfremdet in vielen Entwürfen wieder. Und selbst der rote Löwe als umstrittenes Wappentier zeigt sich hier und da in unterschiedlichster Form: stilisiert, ganz versteckt oder plakativ - oder auch nur als Prankenhieb, der seine Spuren auf der Flagge hinterlassen hat.
Männlich oder weiblich, offen oder verschlossen, traditionell oder modern – auf unterschiedlichste Weise interpretierten die Studenten die vielen Facetten der nationalen Identität Luxemburgs und es entstanden 26 außergewöhnliche und einzigartige Roben, deren Inspirationen und Entstehungsgeschichten in Skizzenbüchern dokumentiert wurden.
Die Jury um Danièle Wagner, Direktorin der Luxemburger Museen – Dr. Elisabeth Dühr, Direktorin des Städtischen Museums Simeonstift in Trier; Dr. Christina Threuter, Professorin für Kunst, Kostüm und Kulturgeschichte an der FH Trier; Guy Thewes, Conservateur am Musée d´Histoire de la Ville de Luxembourg und Alexandra von Schledorn, Modejournalistin – hatte bei all den fantastischen Ausführungen keine leichte Wahl, denn schließlich wollte das Museum die drei schönsten Kleider für die eigenen Sammlungen ankaufen.
Bewertet wurden Kreativität, Ausarbeitung und Originalität sowie insbesondere auch der künstlerische Aspekt.
Eric Schieler, Brayonna Taylor und Jana-Lea Zimmat sind die glücklichen Gewinner des Wettbewerbs. Ihre Modelle beeindruckten nicht nur durch eine spannende Interpretation und kunstvolle Umsetzung, sie repräsentieren auch gemeinsam ein ganzheitliches Bild der nationalen Identität Luxemburgs.
Macht und Männlichkeit strahlt das Modell von Eric Schieler aus. Mit einer futuristisch wirkenden Rüstung möchte er Schutz vor dem Verlust der eigenen Identität wie auch Sicherheit und Geborgenheit ausdrücken. Jana-Lea Zimmat forschte in der Mythologie und griff die Sage der Nymphe Melusina auf. Schönheit, Weiblichkeit und Leidenschaft der schicksalsträchtigen Figur Luxemburgs spiegeln sich in ihrem Modell ebenso wider wie auch die Geografie des Landes in der Silhouette und die Debatte um den Löwen.
Für Brayonna Taylor spielte der Konflikt um die gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau eine wichtige Rolle, dafür stellte sie historische Frauen- und Männerportraits gegenüber. Die Studentin bringt Details aus der Herren- und Damenmode in gleichberechtigter Aufteilung sehr harmonisch zusammen und macht Nationalität tragbar: Die Flagge wird zum Kleid!
Die drei Gewinner erhalten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 1500 Euro. Und präsentieren ihre künstlerischen Kreationen zur Fahne Luxemburgs jetzt da, wo Geschichte erlebbar wird: in der Ausstellung „ABC – Luxemburg für Anfänger… und Fortgeschrittene!“
Vom 8. Juni 2012 bis 31. März 2013
Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg, 14, rue du Saint-Esprit, L-2090 Luxembourg
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, montags geschlossen
www.mhvl.lu
Autor Text: Alexandra von Schledorn












