(openPR) Studie zur CO2-Stabilität im Schaumwein auf Reiseflughöhe
Hattenheim, 17. April 2012
Öffnet man eine Flasche Sekt auf Reiseflughöhe, so entweicht die Kohlensäure (in Form von Kohlenstoffdioxid bzw. CO2) schneller als unter Normaldruck am Boden. Dies ist das Resultat einer aktuellen Studie, die Mark Barth im Rahmen seiner Bachelor-Thesis im Studiengang Weinbau und Oenologie an der Hochschule RheinMain, Fachbereich Geisenheim durchgeführt hat. Er untersuchte die CO2-Stabilität im Schaumwein auf Reiseflughöhe. Die Ergebnisse der Studie wird sich der Winzer zukünftig für eine für die Luftfahrt optimierte Sektherstellung im heimischen Wein- und Sektgut Barth, Hattenheim, zunutze machen.
Ob zur Entspannung oder in Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub – Fluggäste gönnen sich gerne mal ein Gläschen Sekt auf ihrer Reise. Die Kohlensäure sorgt nach dem Öffnen der Flasche für das typische Perlen des Schaumweins. Absolvent Mark Barth hat nun nachgewiesen, dass durch niedrigen Druck im Flugzeug auf Reiseflughöhe CO2 im Sekt schneller verfliegt als am Boden. Die größte Abgabe findet mit dem Öffnen der Flasche und in den darauffolgenden fünf Minuten statt. Auf Reiseflughöhe ist dieser Effekt um ein Vielfaches verstärkt.
Die Studie bestätigte außerdem eine unterschiedliche sensorische Wahrnehmung bei Normal- und Niederdruck. Bei einer Verkostungsreihe verschiedener Schaumweine im Hinblick auf Geruch und Geschmack nahmen die Probanden vorhandene Süße unter Niederdruck geschmacklich weniger stark wahr. Die Säure wurde im Gegensatz dazu als deutlich intensiver empfunden. Die olfaktorische Wahrnehmung (Wahrnehmung durch den Geruchssinn) war unter Niederdruck abgeschwächt. Das bedeutet, eine unter Normaldruck empfundene Fruchtigkeit war unter Niederdruck verschwunden.
Aromen nehmen wir in Reiseflughöhe völlig anders wahr. Während Speisen zu schwach gesalzen und gewürzt wirken, ist beim Sekt – ebenso wie beim Wein – die Wahrnehmung von Süße, Säure und Fruchtigkeit verschoben. Folglich ist es möglich, dass wir einen Sekt, der uns auf dem Boden angenehm schmeckt, auf Reiseflughöhe als zu säureintensiv empfinden. Für Sektliebhaber bedeutet dies keinesfalls den zukünftigen Verzicht auf den prickelnden Genuss im Flugzeug. Möglicherweise wird es aber in Zukunft Schaumweine geben, die bei der Herstellung auf unsere sensorische Wahrnehmung im Flugzeug angepasst werden.
„Viele Aspekte, die wir in der Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa AG empirisch nach Beobachtung analysiert und dann umgesetzt haben, wurden durch die Bachelor-Arbeit bestätigt“, resümiert Markus Del Monego, Master of Wine und Sommelier-Weltmeister 1998. „Darüber hinaus hat Mark Barth mit seiner Thesis auch eine ganze Reihe von Denkanstößen gegeben, die für eine zielgerichtete Erzeugung von Schaumweinen für den Einsatz an Bord eines Flugzeuges sehr hilfreich sein können.“ So ist mit der Studie der erste Schritt getan, um eine Empfehlung für die Produktion von Sekt zu formulieren, der auf die Gegebenheiten in Reiseflughöhe zugeschnitten ist. „Damit haben wir als Wein- und Sektgut einen Wissensvorsprung“, erklärt Mark Barth. „Diesen Vorteil wollen wir zukünftig natürlich auch nutzen. Mehr wird aber noch nicht verraten.“
Die Untersuchung fand in der Flight Test Facility (FTF) des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik am Standort Holzkirchen, einem weltweit einmaligen Fluglabor, und in Zusammenarbeit mit der Lufthansa sowie deren Tochtergesellschaft LSG Sky Chefs statt. In einer Niederdruckkammer wurden die exakten Umgebungseigenschaften eines Fluges nachgestellt. Mark Barth analysierte in mehreren Untersuchungsreihen die verschiedenen Eigenschaften von Sekt auf Reiseflughöhe, das heißt unter Niederdruck, und verglich sie mit den Ergebnissen unter Normaldruck. Ziel der Studie war es, Faktoren zu identifizieren, die für eine für die Luftfahrt optimierte Sektherstellung relevant sind.
Mit der Bachelor-Thesis hat Mark Barth sein Weinbau- und Oenologie-Studium in Geisenheim erfolgreich abgeschlossen. Nun arbeitet der Absolvent mit vollem Elan und Einsatz im Wein- und Sektgut Barth.













