(openPR) DELIO GENNAI
Eröffnung 25.4.2012 19 Uhr
Einführung Prof. Avinoam Shalem
Professor für islamische Kunstgeschichte an der LMU
Institut für Kunstgeschichte
26.4. – 11.5.12
kuratiert von Marcus Pilz und Emily Barsi
http://www.gedok-muenchen.de/gedok_aktuell/veranstaltungen/2012/Gennai.pdf
In dieser, eigens für die Galerie Gedok München geschaffenen Installation verarbeitet Delio Gennai ein beinahe schon in Vergessenheit geratenes Zeugnis der Türkenkriege des 17. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um ein erbeutetes osmanisches Banner, das in der Münchner Frauenkirche für über 200 Jahre als Zeichen des christlichen Sieges über die Osmanen ausgestellt wurde. Die Fahne ging im zweiten Weltkrieg verloren und nur wenige Abbildungen dokumentieren sie und ihre ehemalige Anbringung als Trophäe im Kirchenraum.
Unter dem Titel „HILAL – above the rubble“ wird Delio Gennai die verlorene „Türkenfahne“ der Münchner Frauenkirche nun virtuell wiedererstehen lassen, indem er die markanten Symbole des Banners wie Spolien aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herauslöst und den Blick des Betrachters so auf diese konzentriert. Neben dem legendären Schwert Mohammeds, mit dem dieser und später auch sein Schwiegersohn Ali die frühen Siege der Truppen des Islam errungen hatten, nahm das Motiv des Halbmondes (arab.: Hilal) auf dem Banner eine zentrale Position ein. Besonders unter den Osmanen wurde der Halbmond geradezu zum Signum des Islam obwohl er in der christlichen Ikonographie eine mindestens ebenso lange Tradition hat.
Die Technik Gennais regt mit ihrem Spiel von Materialität, von Transparenz und Geschlossenheit unmittelbar zur Reflexion über die Vermischungen und Widersprüchlichkeiten der Fahnensymbolik und ihrer politischen sowie historischen Konnotationen an. Der freie Umgang des Künstlers mit dem Vorbild hebt seine Arbeit über das bloß dokumentarische hinaus und lädt zum Weiterdenken über Symbole und Bedeutungen ein. Damit ermöglicht er einen Brückenschlag in die Gegenwart mit ihrem andauernden Ringen um Freiheit und Selbstbestimmung, in deren Zentrum im Moment die muslimische Welt steht. Was ist Freiheit und wer darf Licht und Schatten definieren?
Um diese Deutungsvielfalt auszuloten wird die Ausstellung unter dem Titel „Tell us about the splintered flag“ von drei Abenden mit kurzen Vorträgen begleitet. Neben der „Biographie“ der Münchner Fahne und historischen Schlaglichtern wird der Blick auf die moderne und zeitgenössische Kunst die Kontinuität und das Fortwirken von Symbolen aufzeigen, die weit über die „Türkenfahne“ hinausreichen. Den Abschluss des Programms wird eine Präsentation des Films „Women without Men“ von Shirin Neshat bilden.
http://www.gedok-muenchen.de/gedok_aktuell/veranstaltungen/2012/Gennai.pdf
DELIO GENNAI
Der in Pisa lebende und arbeitende Delio Gennai setzt sich in seinem Schaffen mit islamischen Motiven auseinander, die er an und in Monumenten seiner Heimatstadt vorfindet. Sein besonderes Interesse gilt islamischen Fahnen, die in der Kirche Santo Stefano als Trophäen der Siege über die osmanische Flotte zur Schau gestellt wurden. Gerade diese demonstrative Präsentation der teils äußerst aufwendig gestalteten Banner inspirierte Gennai zu zahlreichen Arbeiten, in denen er sich mit Struktur und Motivik dieser Stücke auseinander setzt.
Diese Ausstellung findet im Rahmen eines Austauschprogrammes der Galerie Gedok München mit dem Studio Gennai in Pisa statt.
Ausgewählte Einzelausstellungen: 2010 “Delio Gennai – CONSONANZE” Centro per l'Arte Otello Cirri, kuratiert von Ilario Luperini Pontedera PI, 2009 “Pensieri sospesi” ex Fornace Pasquinucci kuratiert von Maria Francesca Pepi Capraia FI, 2008 “INVASIONE AL CASTELLO” Museo Archeologico del Castello di San Giorgio La Spezia, 2007 “AFFIORAMENTI” Museo Nazionale di San Matteo kuratiert von Ilario Luperini, Pisa.
Ausgewählte Gruppenausstellungen: 2011“In LIBER-tà”, SMS centro Espositivo Museale San Michele degli Scalzi, Studio Gennai, Edizioni ETS und Biblioteca La Sapienza, kuratiert von Studio Gennai Pisa, 2010 “BREEZE THROUGH THE FOREST” Medialia...Rack and Hamper Gallery, New York, 2008 Jean Cocteau Le Joli Coeur “ Omaggio alla Moda Di Un Seduttore”, Centro culturale Francese, Palazzo delle Stelline, Milano, 2006 “Fourth Intenational Artsts' Book Exhibition” The King St. Stephen Museum / Citu Gallery – Deàk Collection, Szèkesfehèrvar Ungar.








