openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Kinderschutz: Denkfehler und Praxisirrtümer sind häufig

29.03.201211:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Fehlerrisiken im Kinderschutz sind auch für qualifizierte und engagierte Fachkräfte hoch. Daher werden strukturierte, wissenschaftlich fundierte Einschätzungsverfahren immer häufiger eingesetzt. Ob damit das Irrtumspotential im Kinderschutz signifikant reduziert wird, ist noch offen. Dr. Heinz Kindler (Deutsches Jugendinstitut München) hat eine persönlich gefärbte, reichhaltige Fehler-Übersicht zusammengestellt. Sie erschien im Handbuch "Erfassung von Kindeswohlgefährdung in Theorie und Praxis".

Als Beispiel alltäglicher Schwachstellen nennt Kindler die sogenannte "Verfügbarkeitsheuristik": Eine Fachkraft sieht eine unspektakuläre Problemfamilie und fühlt sich an ein desaströses Ereignis erinnert; letzteres "koloriert" die aktuelle Beobachtung und löst eine Fehleinschätzung aus. Auf diese Weise kann nach einem Todesfall die Bereitschaft zu Zwangsmaßnahmen überproportional steigen.

Noch häufiger entwickeln sich Fehlschlüsse, wenn die Fachkraft initial eine Arbeitshypothese aufstellt und im Anschluss selektiv v.a. die Beobachtungen verarbeitet, die die Annahme zu bestätigen scheinen; andere Informationen werden unterbewertet oder ignoriert.

Immer wieder beobachtet Kindler eine "negative Mobilisierung": Risiken werden stärker wahrgenommen als Chancen. Negative Mobilisierung ist einerseits sinnvoll, da eine Gefährdung zu irreversiblen Schädigungen bei Kindern führen kann. Daraus folgt u.U. die Entscheidung: Lieber einmal zu oft ein Kind Inobhut nehmen als einmal zuwenig. Es wird nicht mehr ernsthaft geprüft, ob eine weniger einschneidende Maßnahme angezeigt wäre.

Kindler warnt allerdings vor dem Eindruck, "in der deutschen Kinderschutzpraxis komme es im Alltag nur mit viel Glück nicht täglich zu mehreren schwerwiegenden Fehlschlägen." Er sieht in kritischer Selbstreflexion und interdisziplinärer Kollegialität optimale Chancen für eine Qualitätssicherung.


H. Kindler: Denkfehler und andere Praxisirrtümer im Kinderschutz.
in: W. Körner, G. Deegener (Hrsg.): Erfassung von Kindeswohlgefährdung in Theorie und Praxis.
Pabst, Lengerich/Berlin/Wien, 553 Seiten, ISBN 978-3-89967-669-3

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 620279
 167

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Kinderschutz: Denkfehler und Praxisirrtümer sind häufig“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Pabst Science Publishers

Bild: Praxis der Peritonealdialyse: Viele Vorteile werden bisher unterschätztBild: Praxis der Peritonealdialyse: Viele Vorteile werden bisher unterschätzt
Praxis der Peritonealdialyse: Viele Vorteile werden bisher unterschätzt
Die Handhabung und Ergebnisse der Peritonealdialyse haben sich während der letzten Jahrzehnte wesentlich verbessert. Das Verfahren kann in der primären, differenzierten Indikationsstellung - je nach individueller Situation des Patienten - der Hämodialyse überlegen oder gleichwertig sein. Dies wird bisher in der Fachwelt häufig übersehen. Die Autoren der European Best Practice Guidelines favorisieren, die Indikation für die Peritonealdialyse großzügiger zu stellen als bisher. Proff. Wolfgang Pommer, Andreas Vychytil und 41 nephrologische Kolle…
Bild: Politische Psychologie: Bundestagsabgeordnete nehmen Ungerechtigkeit anders wahr als ihre WählerBild: Politische Psychologie: Bundestagsabgeordnete nehmen Ungerechtigkeit anders wahr als ihre Wähler
Politische Psychologie: Bundestagsabgeordnete nehmen Ungerechtigkeit anders wahr als ihre Wähler
Bundestagsabgeordnete orientieren sich in Fragen der Verteilungsgerechtigkeit tendenziell eher am Bedürftigkeitsprinzip, während WählerInnen mehrheitlich das Leistungs- bzw. Gleichheitsprinzip vorziehen. Die Fachzeitschrift "Politische Psychologie" publiziert die empirische Studie "Gerechtigkeitsüberzeugungen von Bundestagsabgeordneten" in der aktuellen Ausgabe mit überraschenden Befunden. Die Psychologen Dres. David Reinhaus, Holger Jelich und Volker Tschuschke (Universität Köln) diagnostizieren bei den Parlamentariern eine "hohe Ungerechtig…

Das könnte Sie auch interessieren:

Kinderschutz: zuviele Institutionen, zuwenig Wissenschaftlichkeit
Kinderschutz: zuviele Institutionen, zuwenig Wissenschaftlichkeit
… mehr als sieben Institutionen aufgesucht ..." Dr. Heinz Kindler (München) analysiert in einer persönlich gefärbten Übersicht reichhaltige "Denkfehler und andere Praxisirrtümer im Kinderschutz" - z.B. fehlerhafte Alltagstheorien und missverstandene Forschungsergebnisse: Selbst wenn wissenschaftliche Studien "vorliegen, ist es für interessierte Fachkräfte …
kinderschutz-report.de ab sofort Online
kinderschutz-report.de ab sofort Online
Seit dem 28. Februar 2011 ist mit kinderschutz-report.de eine neue Art von Kinderschutz im Internet Online. Auf kinderschutz-report.de hat ab sofort jeder die Möglichkeit sich über das Thema Kinderschutz im Internet zu informieren. Das junge Team von kinderschutz-report.de bietet nach Erwerb des Kinderschutz Reportes einen Support für Fragen aller Art …
Bild: 3. Sommerhochschule Kinderschutz markiert neue fachliche WegeBild: 3. Sommerhochschule Kinderschutz markiert neue fachliche Wege
3. Sommerhochschule Kinderschutz markiert neue fachliche Wege
Vom 1. bis 3. September 2017 fand in Hamburg die 3. Sommerhochschule Kinderschutz statt, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren e.V. (BAG) in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie durchgeführt wurde. 230 Studierende der Sozialen Arbeit und anderer Fachrichtungen aus 33 Hochschulen und Universitäten …
Bild: 3. Sommerhochschule Kinderschutz - Einladung PressegesprächBild: 3. Sommerhochschule Kinderschutz - Einladung Pressegespräch
3. Sommerhochschule Kinderschutz - Einladung Pressegespräch
An der Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie findet vom 1. bis 3. September 2017 die 3. Sommerhochschule Kinderschutz statt. Drei Tage lang befassen sich Studierende und Fachkräfte mit Bildung und Qualifizierung künftiger Fach- und Leitungskräfte. Im Rahmen dessen wird am Freitag, 1. September 2017 zum Pressegespräch eingeladen. --- Der Schutz …
Bild: Kein Raum für Kinderschutz in NiedersachsenBild: Kein Raum für Kinderschutz in Niedersachsen
Kein Raum für Kinderschutz in Niedersachsen
„Kein Raum für Missbrauch“ ist der Slogan einer Kinderschutz-Initiative der Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Die niedersächsische Landesregierung scheint diesen Slogan nun völlig falsch interpretiert zu haben. Ganze vier Sätze räumen die Koalitionspartner SPD und die GRÜNEN dem Thema Kinderschutz …
Bild: Kinderschutz-Fachkräfte ziehen in Gelsenkirchen ZwischenbilanzBild: Kinderschutz-Fachkräfte ziehen in Gelsenkirchen Zwischenbilanz
Kinderschutz-Fachkräfte ziehen in Gelsenkirchen Zwischenbilanz
Das Institut für soziale Arbeit Münster e.V. (ISA), der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V. (DKSB NRW) und die Bildungsakademie (BiS) laden Journalisten und Journalistinnen ein zu einem Pressegespräch über die Aufgaben und den Alltag von Kinderschutz-Fachkräften. Im Jahr 2005 hat der Gesetzgeber im Sozialgesetzbuch VIII (hier: §8a) festgelegt, …
Bild: Blog des Kinderschutzbundes geht online: fair-quer.deBild: Blog des Kinderschutzbundes geht online: fair-quer.de
Blog des Kinderschutzbundes geht online: fair-quer.de
Der Deutsche Kinderschutzbund in Nordrhein-Westfalen geht mit dem digitalen Zeitalter. Dabei ist er „fair und quer“. Deswegen heißt das neue Kinderschutz-Blog auch fair-quer.de. Hier kommentieren, analysieren und diskutieren kompetente Fachleute aktuelle Entwicklungen rund um den Kinderschutz. Die Artikel sind verständlich geschrieben und bieten Informationen …
Bild: Schlank-Pusher: Denken Sie sich schlank!Bild: Schlank-Pusher: Denken Sie sich schlank!
Schlank-Pusher: Denken Sie sich schlank!
… Schlanke ihr Gewicht stets ausbalancieren. Nach einer Völlerei wird automatisch unbewusst bei der nächsten Mahlzeit kürzer getreten. Dabei umgehen Schlanke ganz automatisch fatale Denkfehler, die das Ernährungsverhalten negativ beeinflussen. Eine gesunde Ernährung beginnt nämlich nicht in der Küche, sondern im Kopf. Und so vermeiden Schlanke automatisch …
Bild: Eine "Wunschbaumaktion" ließ keine Wünsche offenBild: Eine "Wunschbaumaktion" ließ keine Wünsche offen
Eine "Wunschbaumaktion" ließ keine Wünsche offen
… von Richterin Kristina Thies und Richter Andreas Lyra konnten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtsgerichtes anonymisierte Wünsche von bedürftigen Kindern aus dem Märkischen Kinderschutz-Zentrum erfüllen. "Weihnachtszeit ist auch die Zeit des Schenkens und Gebens. Und dabei soll keiner leer ausgehen", freut sich Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender …
Sie lesen gerade: Kinderschutz: Denkfehler und Praxisirrtümer sind häufig