(openPR) Johannes Wohnseifer zeigt in seiner dritten Einzelausstellung bei Johann König, Berlin mit dem Titel „Enhance potential quality“ eine Serie von Textbildern, die Inhalte und Methoden von unerwünschten Massennachrichten, so genannten Spam-Emails, beinhalten.
Wohnseifer ( http://www.johannkoenig.de/3/johannes_wohnseifer/biography.html ) verwendet hierfür gefundenes und selektiertes Sprachmaterial und setzt es in der dem Material inhärenten Logik in Kombination mit abstrakten Bildelementen zusammen. So trifft der Satz „VicodineCodeine is what everyone takes for pain“ im Spam-Painting #7 mit einer orange-braunen Farbfläche zusammen. Das Angebot von Penisverlängerungspillen verbirgt sich auf dem Spam-Painting #12 hinter einem Zebramuster.
Zu lesen sind auf den Bildern Teile jenes Sprachmülls, der das Ziel hat, möglichst vielen Menschen Viagra, Fake-Rolex, günstige Kredite oder Universitätsabschlüsse etc. anzubieten. Die zu lesenden Sprachfetzen „s.exual potency“, „p1lls“ oder „g1rfriend“ sind Schreibweisen von Index-Wörtern, die bei korrekter Schreibweise von Spam-Filtern erkannt und aussortiert würden. Für die Tarnung der Nachrichten durch Blindtexte oder Wortentstellungen setzt Johannes Wohnseifer sinnbildlich verschiedene malerische Abstraktionen ein. Zum Ausdruck kommt eine verdrehte Lesbarkeit: Durch die Unleserlichkeit im Detail wird die gesamte Botschaft der Nachrichten erst lesbar. Sinnstiftung und Sinnvernichtung treffen aufeinander. Damit gelingt in den Bildern Wohnseifers ebenso eine Analyse des durch Verschlüsselung und Codierung geprägten typographischen Erscheinungsbildes der sogenannten Spam-Emails.
Die Reihe der ausgestellten Spam-Paintings knüpft an unterschiedliche Bildserien des Künstlers an. Eine vergleichbare Aneignung und Umwertung von Sprache und Text in der Malerei hatte Wohnseifer in verschiedenen Reihen entworfen, in denen es um punktuelle Sinnveränderungen geht. Beispielsweise wird im Bild „people are not in control“ aus dem Markennamen „Panasonic“ durch das Auslassen einiger Buchstaben das Wort „Panic“. Hier wird der Farb-Malgrund zum Sinnverdreher. Anders die Serie „Thin commandments“, 2003 im Aachener Ludwig Forum ausgestellt. Slogans des Schlankheitswahns wie z.B. „You shall not eat without feeling guilty“ werden als Alltags(schrift)kultur in der Tradition von Pop Art zum künstlerischen Material.
Die derzeitige Ausstellung ist gewissermaßen eine Fortsetzung dieser Sprachaneignung. Waren es zuvor Worte und Sätze, die dem Repertoire eines sprachlichen Kanons - Schlankheitswahn und Markennamen - entstammten, so ist es nun der aus Tarnzwecken entstandene Sprachmüll, der das Material bildet.
Eine Schlüsselfunktion nimmt dabei das Wort „Spam“ selber ein. Groß steht es auf dem Bild mit dem Titel „Spam-Painting #19“, das selber keine Spam-Emails sondern ein anderes Bild zitiert. Es handelt sich um das 1962 von Ed Ruscha gemalte „Actual Size“, worin Ruscha das Bild einer Dose verwendete, die „Spam“ (Spam = Spiced Ham, Press- oder Restefleisch) enthält.
Johannes Wohnseifer
Enhance potential quality
3. September bis 9. Oktober
http://www.johannkoenig.de/31/3/johannes_wohnseifer/exhibitions/enhance_potential_quality.html
Galerie Johann König
Weydinger Str. 10
D 10178 Berlin
Tel: 030/ 30 88 26 88







