(openPR) Alltagsbegleiter betreuen alte, behinderte oder kranke Menschen, die ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können.
Blutzucker messen, waschen oder der Gang ins Bett: Private Pflegedienste zu Hause oder Betreuer in den Heimen können sich meist nur um solche klassischen Pflegeaufgaben kümmern. Für mehr persönliche Zuwendung in Gesprächen, auf einem gemeinsamen Spaziergang oder durch einfache Anwesenheit bleibt selten ausreichend Zeit. Hier kommen die Alltagsbegleiter ins Spiel. Als ausgebildete Kräfte übernehmen sie die psychosoziale Betreuung alter, kranker oder behinderter Menschen. Je nach Verfassung der Betreuten unterstützen sie außerdem bei alltäglichen Aufgaben wie Kochen oder Einkaufen.
„Neben der Betreuung ist es unsere Aufgabe, dementen Menschen Sicherheit zu geben und sie zu beruhigen, wenn sie die Orientierung verlieren“, berichtet die 54-jährige Alltagsbegleiterin Petra Widera, die in einem Hamburger Pflegeheim arbeitet. Der Sicherheitsaspekt ist ihr bei der Arbeit besonders wichtig, denn Demenzkranke haben oft mit einer Vielzahl von Ängsten zu kämpfen, die je nach Krankheitsstufe und ihrer jeweiligen Ausprägung variieren können. „Ich habe schon Bewohner erlebt, die Angst vor ihrem eigenen Spiegelbild haben“, sagt Widera.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Erkrankte in den Heimen eine Phase erreicht haben, in der sie sich nicht mehr klar verständigen können. „Worte werden zu großen Rätseln“, sagt die frühere Fußpflegerin und ehemalige Hauswirtschaftsleiterin. Sie können häufig nicht mehr ausdrücken, was sie mitteilen wollen, und haben Schwierigkeiten zu verstehen, was die Begleiter ihnen sagen. „Aber auch wenn sie es nicht mehr sagen können, merken wir, dass viele der Bewohner sehr dankbar für unsere Arbeit sind“, weiß Widera.
Die Arbeit mit dementen Menschen, die den Schwerpunkt der Alltagsbegleiter bildet, ist jeden Tag eine große, aber auch schöne Herausforderung. Auch wenn die Eignung für den Beruf vom mitgebrachten Einfühlungsvermögen abhängt, lassen sich die grundlegenden Verhaltensregeln und Aufgaben in passenden Kursen erlernen. Petra Widera hat ihre Qualifizerung gemäß Paragraph 87b SGB beim Hamburger TÜV NORD Schulungszentrum in der Gründgensstraße 6 absolviert. „Wir haben viel gelernt“, erinnert sich Widera an die insgesamt viermonatige Ausbildung, die sie im Juni dieses Jahres abschloss. „Von verschiedenen Konzepten der Beschäftigungstherapien über Erste Hilfe, Hauswirtschafts- und Ernährungslehre bis hin zum richtigen Umgang mit dementen und psychisch veränderten Menschen.“
Einen hohen Stellenwert misst die 54-jährige Alltagsbegleiterin der im TÜV NORD Schulungszentrum erlernten Biografiearbeit bei, die sie im anschließenden Praktikum erproben konnte. „Um einem Menschen, der sich nicht immer oder nie artikulieren kann, einen guten Lebensabend zu bereiten, muss man ihn kennen“, sagt Widera. „Wenn ich weiß, dass ein Bewohner sein Leben lang immer Tee getrunken hat, dann verstehe ich besser, warum er nur wenig von seinem Frühstückskaffee trinkt. Oder wenn ich weiß, dass jemand immer schon gern gemalt hat, dann kann ich mit ihm malen und das Thema Kunst mit einbeziehen.“
Die Betreuung durch einen Alltagsbegleiter wird über die Krankenkassen bewilligt. „Viele Angehörige wissen oft gar nicht, dass es uns gibt und dass wir sie gegebenenfalls unterstützen können“, so Widera. Oft hilft es, einfach mal bei der Krankenkasse nachzufragen, ob ein Anspruch besteht. Klar ist, dass der Bedarf stetig wächst. Demenz betrifft immer jüngere Menschen, wodurch die Gruppe der zu Betreuenden kontinuierlich größer wird.
Petra Widera macht allen Menschen Mut, sich für diese Ausbildung zu entschließen: „Es war die richtige Entscheidung. Hier kann ich Gutes tun, Menschen helfen und ihnen einen möglichst schönen Lebensabend bescheren. Und das ist ein wirklich tolles Gefühl!“
Die nächsten Fortbildungsmaßnahmen zum Alltagsbegleiter starten am 16. Januar 2012 im TÜV NORD Schulungszentrum, Gründgensstraße 6, Hamburg-Steilshoop. Interessierte können jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 10:00 und 15:00 Uhr den Infotag besuchen und sich unter der Telefonnummer: 040-780 814 0 oder im Internet unter www.tuevnordschulungszentrum.de informieren. Eine Förderung durch die Agentur für Arbeit, die Jobcenter sowie den Berufsförderungsdienst oder sonstige Kostenträger ist möglich.













