(openPR) HEGENBERG/LIEBENAU - Schüler der Don-Bosco-Schule gedenken der 501 Euthanasieopfer der Stiftung Liebenau
An diesem Morgen ist es kalt und ungemütlich, der Himmel ist grau. Schüler der Don-Bosco-Schule wandern durch die herbstliche Landschaft von Hegenberg nach Liebenau. Mit sich tragen sie Listen, auf denen Namen stehen. Eine Schülerin hat ihren Zettel fest an sich gedrückt, aus Angst ihn zu verlieren, stehen darauf doch alle 501 Namen der Getöteten.
"Gemeinsam unterwegs - gegen das Morden"
So lautet das Motto des Gedenktages der Don-Bosco-Schule für Geistigbehinderte. Renate Hermenau und Maren Hochgesand, beide Lehrerinnen, sowie Wolfgang Ilg, Pastoraler Dienst der St. Gallus-Hilfe, haben diesen Tag von langer Hand geplant. "Die anfängliche Frage lautete, wie man einen Gedenktag gestaltet für junge Menschen, die selber keine Erinnerung an diese Zeit haben. Es entstand die Idee des Weges mit unterschiedlichen Stationen, an denen auch eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema geschehen kann", erklärt Wolfgang Ilg.
Keiner kam zurück
In den Jahren 1940 und 1941 wurden 501 Bewohner der Stiftung Liebenau im Rahmen der "Aktion Gnadentod" umgebracht. Mit der Begründung einer "Verlegung" wurden sie in Bussen abtransportiert. Die meisten brachte man auf die Schwäbische Alb, nach Grafeneck, wo kranke und behinderte Menschen systematisch ermordet wurden. "Alle sind gestorben, keiner kam zurück", erzählt Maren Hochgesand den Schülern und mit diesen Worten im Kopf und den Namenslisten in den Händen wandern sie los.
Das soll nie mehr passieren
An verschiedenen Stationen machen sie Halt. In einen Baum am Wegesrand hängen sie bunte Zettel, auf die sie ihre Wünsche notieren. In kindlicher Schrift und mit Buntstift geschrieben flattern Sätze wie "Das soll nie mehr passieren." oder "Die Menschen sollen toleranter werden und sich akzeptieren wie sie sind." im Wind. Ein gutes Wegstück weiter sammelt jeder einen Stein auf, wärmt ihn mit den Händen und legt diesen auf dem Friedhof ab. Sie wollen ein Zeichen setzten dafür, dass man die Opfer nicht vergisst, dass die Erinnerung an sie fest und ewig wie ein Stein ist. Und weiter führt der Weg, denn beim stillen Laufen kommen viele Gedanken. Kerzen zünden sie an, an der schwarzen Granitplatte, die markant am Aufgang zum Schloss an die Abtransportierten erinnert. Sie denken darüber nach, wie unvorstellbar groß die Angst der Menschen, die in den Bussen saßen, wohl gewesen sein muss.
Jeder Name ein Mensch
Die letzte Station führt sie in die Kirche St. Maria in Liebenau, an die kreuzförmige Tafel, die dort schon vor Jahren errichtet wurde, um das Schicksal der ehemaligen Bewohner nicht zu vergessen. Mit ihren kalten Fingern tasten die Schüler über die leicht erhöhten Metallbuchstaben und lesen. Anna und Michael, Josef und Katharina, das sind nur vier der 501 Namen, die dort geschrieben stehen, und anhand der Masse an Buchstaben, beginnt man ein Stück weit zu begreifen - jeder Name ein Mensch.












