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Allgäu-Geheimtipp: Freilichtbühne Stiller Winkel Eglofs

07.07.201113:01 UhrKunst & Kultur

(openPR) Neuinszenierung Diebslichter als gelungene Bogenspannung durch die Jahrhunderte


Der Brunnen plätschert und der Dorfplatz von Eglofs steht einer italienischen Piazza in Nichts nach, wenn die Besucher der urigen Freilichtbühne Stiller Winkel sich in der Hofwirtschaft Löwen mit den Spezialitäten von den selbst gezüchteten Weiderindern und aus dem regionalen Sortiment der LandZunge auf einen urigen Abend einstimmen und mit Josef Elgass dort einen Wirt von echtem Schritt und Korn kennen lernen.



Hinter dem ehemaligen, heute vorwiegend als Museum dienenden Kempterhaus finden an die 250 Gäste Platz und lassen sich unter der Regie der weit über das Allgäu hinaus renommierten “Freilicht-Päpste“ Hanns und Tristan Schuschnig aus Altusried von über 40 hoch engagierten LaiendarstellerInnen in lange zurück liegende Zeiten versetzen.

Eglofs, das Dorf der Freien Leut, hat sich verschrieben, seine Geschichte zu spielen.

Eglofs – eigentlich ein Dorf wie jedes andere. Kirche, Schule, Wirtschaft, Bank und Laden. Wer näher hinschaut spürt jedoch das Besondere. Gleich mehrere gut gehende Gastwirtschaften gibt es da – und alle legen Wert auf die einheimische gute Küche. Ein Pfarrer erfüllt noch seine seelsorgerischen Aufgabe und eine lebendige Grund- und Hauptschule findet man vor Ort. Viele Vereine gestalten das Alltagsleben und doch ist Alles etwas anders.
Da ist einmal der prächtige Dorfplatz mit dem neugotischen Brunnen in dessen Mitte. Auf diesen ist man besonders stolz. Ein Eglofser Schultes hat das Prachtstück 1925 den Isnyern abgekauft zum Schrottpreis, weil die ihn nicht mehr haben mochten. Damals erhielt Eglofs auch seine barocke Fassade. Josef Sichler war der Maler aus Pfronten, der dem Dorf von 1925 bis 1930 sein heutiges Gesicht gab.

Der aufmerksame Besucher sieht beim Abbiegen, dass das Dorf auf einer Anhöhe liegt. Zur Zeit der Gründung im Mittelalter suchten die Menschen für ihre Siedlungen möglichst uneinnehmbare Plätze. Dass Eglofs auf einem sicheren Ort gebaut ist, davon zeugen noch die tiefen Tobel rings um den einstigen Dorfkern. Ein erst vor wenigen Jahren entdeckter mächtiger, nahezu vollkommen erhaltener Wehrgraben unterhalb der Kirche beweist, dass das Dorf in unsicheren Zeiten errichtet wurde “Egilolves“, so hieß der heute knapp 1700 Seelen zählende und 662 über dem Meer liegenden Ort damals.

Am Südhang des Argentales, wie auf einer Kanzel, genießt der Besucher an schönen Tagen, und davon gibt es nicht wenige, die Sicht auf das hügelige Westallgäu mit der Nagelfluhkette und seinem König, dem Hochgrat. Gleich am Eingang zum Dorfplatz ein alter Bauernhof, liebevoll restauriert. Dorfstadel steht über dem Eingang geschrieben. Er beherbergt einen Saal, eine gute Stube. Liebevoll ist er gestaltet, einer alten Bauernstube nachgeahmt. Er ist eines der vielen Kleinode von Eglofs. Er wurde von den Bürgern in Eigenregie renoviert und erbaut. Im Wohnungsteil des alten Bauernhofes ist ein Musik- und Ofenkachelmuseum eingerichtet.

Neben vielen musikalischen Veranstaltungen findet hier auch Theater statt. Hinter dem Hof, am der ehemaligen Einfahrt zur Tenne liegt der Stille Winkel versteckt. Er ist Schauplatz der Eglofser Freilichtspiele. Das Dorf schreibt keine trockenen Geschichtsbücher, es spielt seine Geschichte seit vielen Jahren. Eglofs ist das Dorf der “Freien“. Einst, im Jahre 1243 haben sich die Eglofser mit 1000 Mark in Silber freigekauft von der fürstlichen Herrschaft, eine bemerkenswerte Gemeinschaftsleistung. Als Lohn erreichten sie die Reichsunmittelbarkeit. Sie unterstanden ab diesem Zeitpunkt direkt dem Kaiser und waren frei und nicht mehr Leibeigene.

1282 wurde das kleine Dorf mit seiner Burg, die leider restlos verschwunden ist, zur Stadt erhoben. Die Rechte der Stadt Lindau genoss das kleine Volk. Seitdem führen die Eglofser den Reichsadler mit dem Lindenzweig im Schnabel und wählten ihren Amman ohne obrigkeitlichen Einfluss. Nicht nur am Ort, denn zu Eglofs gehörten einst auch die Freien im Allgäu – von Oberstdorf bis zum Pfänder. Rechte, die sie sich immer wieder erkämpfen mussten. Davon zeugen die heute noch im Archiv des Ortes vorhanden Kaiserurkunden.

Der Kampf um die Freiheit ist das prägende Merkmal Eglofser Geschichte, so schreiben die Historiker. Und das zeichnet Eglofs heute noch aus. Eine freie und unabhängige Gemeinschaft zu sein, das wollen die Leute im Dorf der Freien heute noch.

Damit diese bewegte Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, führt der seit 1982 rührige Geschichts- und Heimatverein immer wieder Historienstücke auf der Bühne in Stillen Winkel auf und nimmt sich 2011 eines, neben den heroischen und romantisierend daher kommenden Stücken und Balladen vom Räuber Kneißl, dem bayerischen Hiasl oder der schwarzen Vere in Oberschwaben bislang eher weitgehend unbeachtet gebliebenen Themas an: des Bettler- und Gaunermilieu der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Oberschwaben.

Die Neuinszenierung des 1998 erstmals zur Aufführung gekommenen Stückes von Karl Stiefenhofer handelt vom heruntergekommenen und von der Gesellschaft ausgestoßenen Bürckenbauer, welcher nach dem Tod seiner Frau Genofev nochmals auf Freiersfüßen wandelt.

Dabei gerät er in die Gesellschaft des Krottenmetzgers, einem der vielen Räuber, welche damals die Region unsicher machten.

Nach dem Mord an seinem Rivalen flieht er ins nahe Kloster Isny und erhält dort Asyl, aus dem ihn die List seiner Flamme in den Rachegedanken um den Tod ihres Zukünftigen lockt, womit die Geschichte, welche sich auf einen authentischen Fall, der sich im Jahre 1738 im damals erst seit wenigen Jahren bestehenden Bad Malaichen zutrug stützt, ein insgesamt schlimmes Ende nimmt.

So gibt es auch einen unbewussten, doch deswegen nicht weniger beklemmenden Bogenschlag zwischen den Zeiten.
Denn währen die damals aus der puren Not zu Bettlern und Räubern Gewordenen den Aberglauben hatten, dass die Finger von Ungeborenen – die Diebslichter – bei ihren Raubzügen unsichtbar machten und so vor dem Entdeckt werden schützen sollten, weshalb so manche Greueltat zu Erlangung eben dieser Diebslichter erfolgte, berät der Deutsche Bundestag ganz aktuell zur PID, der Präimplantationsdiagnostik.

Nicht wenige der Lebensschützer, wie bsw. die seriöse Autorin, gelernte Übersetzerin und Ägyptologin sowie selbständige Journalistin, Dozentin und Moderatorin, Alexandra Maria Linder M. A., als stellvertretende Vorsitzende der "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA), weisen dabei darauf hin, dass dies ein Türöffner für eine Geißel unserer Zeit ist, da die Abtreibungsindustrie – und dies heute ohne Not, sondern nur aus reiner Profitgier – Embryonen u. A. bereits für Anti-Aging-Präparate einsetzt und dies weiter auszubauen sucht.

So haben die kurzweiligen Stunden im Stillen Winkel durchaus auch einen sehr ernsten und tagesaktuellen Aspekt, regen zum Nachdenken darüber an, das die Geschichte von heute nicht auch ein und dann noch weit schlimmeres Ende nimmt.

Den ganzen Juli über wird gespielt, wobei Termine unter www.diebslichter.de ersichtlich und Kartenbestellungen über E-Mail bzw. Fax 0 75 66 / 90 77 24 bzw. Tel. 90 77 23 möglich sind.

Für Urlaubsgäste und Einheimische aus der näheren, wie weiteren Umgebung eine überaus empfehlenswerte Veranstaltung nach der auf der anderen Seite des Dorfplatzes – gegenüber dem Löwen also – der Gasthof zur Rose zum Ausklingen bei einem guten Viertele oder einem kleinen Vesper einlädt.

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